Kleiner Schritt vorwärts, mehr nicht

Nach fünf sieglosen Partien gelingt YB gegen das ebenfalls krisengeschüttelte Luzern ein 2:1. Die Berner können ihre Formschwäche auch gegen den dezimierten Gegner nicht verbergen.

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Ruedi Kunz

Wenn sich zwei Team begegnen, bei denen Not und Elend gross sind, dann ereignet sich nicht selten Kurioses. So auch am Sonntagnachmittag bei YB - Luzern. Die Partie war kaum angepfiffen, als Vilotic aus der eigenen Hälfte heraus einen langen Ball in den Luzerner Strafraum schlug. Der frühere YB-Verteidiger François Affolter brachte es fertig, den Ball zu unterlaufen, Raphaël Nuzzolo spurtete los und wurde vom herausstürzenden David Zibung von den Beinen geholt – Penalty und die nach Reglement korrekte Rote Karte für den Torhüter waren die harten Sanktionen. Der FCL-Captain konnte es schier nicht fassen, diskutierte intensiv mit Schieds- und Linienrichtern. Es war vergebliche Mühe: Zibung musste das Feld verlassen und dorthin zurückkehren, wo er kurz zuvor hergekommen war: in die Kabine.

Seinen Posten übernahm Loreno Bucchi, der einst bei der AC Bellinzona etwas mehr als ein Dutzend Super-League-Spiele bestritten hat. Der Italiener hatte das Glück, auf einen Penaltyschützen zu treffen, dem in den letzten Wochen fast alles Selbstvertrauen abhandengekommen ist. Die Rede ist von Josef Martínez, der in der Vorrunde, als er noch beim FC Thun im Einsatz stand, ein regelmässiger Torschütze war (8 Meisterschaftstore). Der Venezolaner schoss vom Elfmeterpunkt derart unplatziert, dass es keiner Glanztat von Bucchi brauchte, um den Ball abzuwehren. Solche zeigte er erst später, bei harten Schüssen von Costanzo (29.) und Kubo (77.) oder in einer Eins-gegen-eins-Situation mit Nuzzolo (76.).

Ein Eigentor und ein Kunstschuss

Gut möglich, dass der Luzerner Ersatzgoalie zum Helden des Spiels geworden wäre, wenn die Mannschaft in diesen Tagen auf einer guten Welle surfen würde. Da das Gegenteil der Fall ist (10 Spiele/7 Punkte), bekam er aus nächster Nähe mit, wie es die Fussballgötter ein weiteres Mal nicht gut meinten mit dem FCL. Ein Kopfball von Rochat flog an Puljics Schienbein und von dort via Pfosten ins eigene Tor (26.).

Dem Eigentor folgte die stärkste Phase des Heimteams, welche Costanzo unmittelbar vor der Pause mit einem Hocheckschuss krönte. Warmer Applaus begleitete die zuletzt arg in die Kritik geratenen Young Boys, als sie Richtung Katabomben schritten.

Die gute Stimmung war jedoch nur von kurzer Dauer. Grund: Die Young Boys schafften es in der zweiten Hälfte nicht mehr, den dezimierten und psychisch angeschlagenen Gegner richtig unter Druck zu setzen. Stattdessen beschränkten sie sich aufs Kontern. Das war ihr gutes Recht, doch wie sie es taten, war ein beträchtliches Ärgernis. Kaum je wurde der direkte und kürzeste Weg zum Tor gesucht. Und geschah es ausnahmsweise doch, dann kamen die Angreifer am letzten oder manchmal schon zweitletzten Verteidiger nicht vorbei. Je länger sich die Gastgeber abmühten, desto unruhiger wurde das Publikum. Irgendwann hallten die ersten Pfiffe durchs Stade de Suisse – ein deutliche Indiz, wie unzufrieden die Fans mit der Entwicklung in dieser Saison sind.Die Missfallensbekundungen registrierten auch die Spieler.

Allzu viel Kredit geniesse das Team derzeit nicht, stellte Costanzo nüchtern fest. Sie seien zu passiv gewesen in der zweiten Halbzeit, was den Fans verständlicherweise nicht gefallen habe. Scott Sutter war überzeugt, dass «nur ein kleiner Teil des Publikums» gepfiffen habe. Er und seine Teamkollegen hätten nicht ständig nach vorne rennen können wie Sprinter. «Wir hätten zu viel Kraft gebraucht, und es hätte die Gefahr bestanden, dass uns Luzern mit einem Gegenangriff überrascht.»Trainer Uli Forte mochte den Auftritt seines Teams nicht schönreden. Die zweite Halbzeit war ihm «zu phlegmatisch, zu pomadig». Generell sei YB während der langen Überzahlphase zu wenig dominant aufgetreten. Es war dem Coach nicht zu verübeln, dass er die drei gewonnenen Punkte zum «allerwichtigsten» Gut erhob. Die Ansprüche bei YB sind nach zuletzt fünf sieglosen Spielen bescheiden geworden.

Young Boys - Luzern 2:1 (2:0) Stade de Suisse. – 17 201 Zuschauer. – SR Hänni. – Tore: 25. Puljic (Eigentor) 1:0. 45. Costanzo 2:0. 83. Freuler 2:1. Young Boys: Mvogo; Sutter, Vilotic, Von Bergen, Rochat; Zárate, Costanzo, Spycher, Nuzzolo; Frey (70. Kubo), Martínez (88. Gajic). Luzern: Zibung; Sarr, Affolter (88. Bozanic), Puljic (46. Stahel), Mikari; Freuler; Winter, Thiesson, Wiss, Hyka (5. Bucchi); Rangelov. Bemerkungen: YB ohne Wüthrich (gesperrt), Wölfli, Bürki, Gerndt, Simpson, Doubai (alle verletzt), Bertone und Sessolo (beide U-21). Luzern ohne Hochstrasser, Lezcano (beide verletzt) und Renggli (nicht im Aufgebot). 4. Rote Karte gegen Zibung (Notbremse an Nuzzolo). 6. Bucchi hält Foulpenalty von Martinez. 29./69. Lattenschüsse Frey. - Verwarnungen: 34. Puljic (Foul). 53. Zarate (Unsportlichkeit). 55. Spycher (Foul). 79. Freuler (Reklamieren). 87. Vilotic (Foul).

Der Bund

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