Josh Simpsons neue Prioritäten

Eine schwere Verletzung hat die Profikarriere des Kanadiers beendet. Nun spielt der ehemalige YB-Profi als Amateur für den FC Muri-Gümligen in der 3. Liga.

Das Stade de Suisse  war einmal. Der Sportplatz Füllerich ist die neue fussballerische Heimat des früheren YB-Spielers Josh Simpson.

Das Stade de Suisse war einmal. Der Sportplatz Füllerich ist die neue fussballerische Heimat des früheren YB-Spielers Josh Simpson. Bild: Thomas Hodel

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Rückblende: Im Mai 2012 verletzte sich der damalige YB-Spieler Joshua Simpson bei einem Kopfball­duell im Super-League-Spiel gegen den FC ­Basel folgenschwer. Bei der Landung knickte er ein – ein mehrfacher Bruch von Schien- und Wadenbein war die Folge.

Nach einer schier unglaublichen Odyssee durch die Operationssäle und Physiotherapie-Praxen der Region kann Simpson jetzt endlich wieder lachen. Vier grosse Operationen, sechs kleinere Eingriffe, über 2000 Stunden Physio­therapie und viele von Schmerzen geprägte Tage später wagt er jetzt ein Comeback im Regionalfussball.

Der 44-fache kanadische Nationalspieler wird mit dem FC Muri-Gümligen die Rückrunde bestreiten. «Mir war es wichtig, nicht mit diesen negativen Erinnerungen mit dem Fussball aufzuhören. Auch weil ich ein Vorbild für meine ­Kinder sein will. Ich kann jetzt wieder Fussball spielen, und das macht mich ­zufrieden.» Simpson lebt mit seiner Frau Davannah und den drei Kindern Adriana, Mila und Jacob in Muri und kam über einen Arbeitskollegen zum ­lokalen Fussballclub. Nach einigen Gesprächen mit Vereinspräsident Bruno Hunziker im vergangenen Sommer war für Simpson klar, dass er dieses Engagement eingehen würde, sobald er fit genug sein würde.

Trainer des Berner Drittligisten ist der ehemalige YB-Spieler Bajram Kurtulus. Auch er ist begeistert vom Engagement Simpsons: «Wir sind glücklich, dass ein Fussballer von diesem Format bei uns mitmacht. Die Spieler schauen zu ihm auf, können von seiner Erfahrung profitieren.» Und obwohl Simpson noch ein paar Sonderregeln zustehen und er den Takt seines Comebacks selbst bestimmen kann, gibt er seinen Mitspielern nie das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. «Im Gegenteil. Sein Einsatz ist vorbildlich. Josh ist charakterlich ein erstklassiger Typ, der sehr gut zu uns passt», sagt Kurtulus.

Familie und Beruf im Zentrum

Simpson absolviert derzeit einen Bachelor-Studiengang in Finanzwirtschaft an der Berner Fachhochschule. Die Studienrichtung ist kein Zufall, das Studium hatte er einst in seiner Heimat Kanada angefangen, dann aber zugunsten der Karriere als Fussballer abgebrochen. Der Kreis schliesst sich. Wenn auch nicht unter den gewünschten Umständen und zum geplantem Zeitpunkt. Simpson arbeitet neben seiner Ausbildung mit einem 60-Prozent-Pensum bei einer grossen Bank im Zentrum Berns.

Die Prioritäten des 32-Jährigen haben sich verändert. «Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass der Fussball an zweiter Stelle steht.» Seit er als fünfjähriger Knirps begonnen hatte, Fussball zu spielen, hatte er alles dem runden Leder untergeordnet. Jetzt stehen seine Familie und die berufliche Karriere im Vordergrund.

Der Fussball bleibt aber ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben. Seit der Winterpause gehört er offiziell zum ­Kader des Drittligisten Muri-Gümligen. Natürlich könnte Simpson vom Niveau und inzwischen auch vom Fitness-Stand her wieder in einer höheren Liga spielen. «Ja, es gab Angebote aus höheren Ligen in der Schweiz. Es gab auch welche aus der MLS in Nordamerika», sagt er. «Mein Leben findet jetzt aber hier statt. Wir haben als Familie noch gar nie in Amerika gelebt, die ­Kinder sind hier zur Welt gekommen und kennen nichts anderes.

Wir fühlen uns hier sehr wohl, und ich versuche mit meinem Engagement der Gemeinde auf irgendeine Art etwas zurückzugeben. Das ist der Hauptgrund, warum ich bei Muri-Gümligen spiele. Und ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen jungen Spieler noch etwas beibringen und so dem Team helfen kann.»

Der sportliche Erfolg gehört natürlich auch dazu, Simpson bezeichnet sich selbst als sehr ehrgeizig. Und der FCMG hat Aufstiegsambitionen und durchaus etwas zu verlieren: Die Vorrunde schloss das Team mit 33 Punkten aus 11 Spielen ohne Verlustpunkt ab.

Premiere vor eigenem Anhang

Bis zum ersten Pflichtspiel mit seinem neuen Team muss sich Simpson noch bis nach Ostern gedulden. Der Startmatch von Muri-Gümligen wurde auf Antrag des FC Bosporus kurzfristig vom Ostersamstag auf Dienstag, den 29. März (20.00 Uhr), verschoben. Wegen der fehlenden Flutlicht­anlage auf der Allmend in Bern wurde das Heimrecht abgetauscht. Und so gibt der prominente ­Zuzug des FCMG seinen Einstand auf dem heimischen Füllerich-Sportplatz. (Der Bund)

Erstellt: 22.03.2016, 08:06 Uhr

Ein Bild aus YB-Tagen: Josh Simpson.

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