Joes verrückte Fussball-Sammlung

Die Geschichte eines schottischen Fussballfans, der Dank Kongos Captain und einem Nationalspieler von Montserrat seinen Traum erfüllen konnte.

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Es gibt Menschen, die sammeln Briefmarken, andere sammeln Schuhe oder Autos. Und dann gibt es Joe ­Johnston. Der Schotte lebt in Aberdeen, unterstützt den Fussball­verein Nottingham Forrest und singt in einer Thrash-Metal-Band. Und er sammelt. Nicht aber Whiskeys oder Metal-CDs, wie es seine ­Herkunft oder seine Passion für ­Musik ermuten lassen könnten. Nein, Johnstons Sammlung hat mit Fussball zu tun. Und wie: Der 35-Jährige sammelt Fussballtrikots und hat sich das Ziel gesetzt, von jedem Fifa-Mitglied ein Trikot zu besitzen. 211 gibt es davon.

Als Schotte hat es Johnston an Grossanlässen nicht einfach, seit 1998 hat sich Schottland nie mehr für eine WM oder EM qualifiziert. Und auch für die kommende WM in Russland sieht es düster aus: Die Schotten liegen nach sechs von zehn Spielen in ihrer Qualifikationsgruppe auf Platz 4.

Nach Jahren des schottischen Misserfolgs musste an der WM 2010 ein neues Lieblingsteam her. Johnston entschied sich für Argentinien. Er mochte das Land schon immer und besorgte sich ein Trikot der ­«Gauchos». Ein Kauf mit Folgen: Johnston kam auf den Geschmack. Es folgten Schottland und Slowenien. «Dann fragte ich mich, ob es möglich wäre, ein Trikot von jeder ­Nationalmannschaft zu besitzen.»

Die Hälfte brachte er in nur einem Jahr zusammen

Er machte sich ans Werk, ­arbeitete sich langsam vor. Zuerst in Europa, wo die Trikots einfach zu ­kriegen waren. Kroatien, Frankreich und Holland gehörten zu den nächsten Errungenschaften. Etwas länger gedulden musste sich das Schweizer Trikot. Als Nummer 59 schaffte das Heimshirt der Saison 1996/97 den Sprung in Johnstons Sammlung, die von Woche zu Woche wuchs.

Nach einem Jahr war er bei der Hälfte angelangt. Doch das Sammeln von Fussballtrikots hat seine Tücken. Denn während Shirts von grossen Mannschaften hierzulande im nächstgelegenen Sportladen erhältlich sind, gestaltete sich die Suche nach Leibchen von Mannschaften aus manch fernem Land oft schwierig. Häufig ­produzieren diese gar keine ­Replikas der Trikots.

Hilfe von Kongos Captain

In solchen Fällen helfen Johnston nur Kontakte, die er über die ­Jahre aufgebaut hat. Einer davon war der zu Dean Mason. Der Spieler des englischen Clubs Concord Rangers bestritt in seiner Karriere fünf Länderspiele für Montserrat, eine Insel in der Karibik. Bei einem seiner Einsätze behielt Mason ein Trikot für Johnston zurück. Dieser schreibt auf seinem Blog theglobal­obsession.com: «Ein Trikot von Montserrat ist so etwas wie der Heilige Gral der Nationalmannschaftstrikots.» Und seine Nummer 199.

Ein anderer Spieler, der ihm half, war Prince Oniangué, Captain des Nationalteams der Republik Kongo. Johnston schaffte es, ihn zu kontaktieren – und tatsächlich: Nach zwei Jahren Geduld schickte Oniangué dem Schotten ein von ihm getragenes Trikot. Nummer 208 war abgehakt, drei Trikots fehlten ihm damit nur noch bis zur Vollendung: Djibouti, der Sudan und Madagaskar.

Nach fast sieben Jahren war die Sammlung komplett

Am 17. Juni lag dann das ­letzte der 211 Trikots in Johnstons Briefkasten: ein rot-weisses vom afrikanischen Inselstaat Madagaskar. ­Getragen von Debakely Toavina, der beim ­semiprofessionellen ­Verein US Lusitanos Saint-Maur aus Frankreich spielt. Das Trikot ist eines von etwa 60 Shirts in Joes Besitz, die in offiziellen Spielen getragen wurden. Die Sammlung ist nun also komplett, nach fast sieben Jahren. Was nun folge, werde Johnston seither immer wieder gefragt. «Weitermachen», sagt er. Schliesslich ­haben viele Teams mehrere schöne Trikots. Und immer ­wieder stossen neue Nationen zur Fifa. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 21:43 Uhr

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