«Hören Sie mal, ich bin José Mourinho!»

Der Portugiese (47) wirkt bei seinem neuen Verein Real Madrid so, wie man es sich von ihm gewöhnt ist: mit breiter Brust und siegessicher bis zum Äussersten. Er sagt: «Ich mache Real wieder zur Nummer 1.»

«Gewinnen ist für mich das Wichtigste. Nur ein wichtiger Sieg oder ein Titel gibt mir den Kick»: José Mourinho, der mit dem FC Porto und Inter Mailand in der Champions League triumphierte.

«Gewinnen ist für mich das Wichtigste. Nur ein wichtiger Sieg oder ein Titel gibt mir den Kick»: José Mourinho, der mit dem FC Porto und Inter Mailand in der Champions League triumphierte.

(Bild: Reuters)

José Mourinho, man sagt, Ihr Sohn sei Fan des FC Barcelona. Was für ein Blödsinn. Das ist ein Gerücht, das in Barcelona gestreut wird, und eine riesige Lüge. Ich selber weiss wohl am besten, wen mein Sohn unterstützt: seinen Vater und sonst niemanden. Darum ist er Fan von Real Madrid.

Was bedeutet Real für Sie? Ich habe diesen Klub immer bewundert und immer auf die Chance gehofft, Real eines Tages zu trainieren. Als das Angebot kam, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Es ist unmöglich, eine Offerte von Real Madrid abzulehnen – sei es als Spieler oder als Trainer.

Auch, weil die Primera Division für Sie immer eine Traumliga war? In der Tat hat mich diese Liga immer fasziniert. Wenn ich mich nur an die Jahre in Barcelona erinnere. Jetzt bin ich auf mich gestellt, und es ist meine persönliche Herausforderung, als erster Trainer in allen drei grossen Ligen, in England, Italien und Spanien, den Titel zu gewinnen. Mit diesem Grand Slam möchte ich in die Fussballgeschichte eingehen.

Die Erwartungen sind immens. Haben Sie keine Angst davor? Hören Sie mal, ich bin José Mourinho! Ich bin Druck gewöhnt, wo auch immer ich gearbeitet habe, gab es Druck. Trainer zu sein ist so viel schwieriger, als Spieler zu sein. Als Spieler kommst du zum Training und gehst wieder heim und hast eine schöne Zeit mit der Familie. Als Trainer bereitest du das Training vor, hast Meetings mit den Mitarbeitern und dem Präsidenten, du schaust dir die Gegner an, redest mit den Journalisten und koordinierst das alles auch noch. Ich habe nicht einmal Zeit zu essen.

Und wenn Sie keinen Erfolg haben, wird die spanische Presse sehr schnell hinter Ihnen her sein. Wenn wir verlieren, habe ich andere Sorgen als die spanische Presse.

Zum Beispiel Real-Präsident Florentino Perez, der als Person ähnlich ambitioniert ist wie Sie. Ich habe den grössten Respekt vor einem Präsidenten wie ihm. Ohne ihn, ohne seine Dream-Teams von Real Madrid wäre der europäische Fussball nicht, was er heute ist. Ich habe viele Gespräche mit Perez geführt, und wir waren beide der Meinung, dass wir dasselbe wollen und vom selben träumen: von Titeln nämlich. Es war hart für Real, Barcelona Titel um Titel gewinnen zu sehen. Das müssen wir nun beenden, gemeinsam.

Wie soll das gehen? Barcelona scheint nach der Verpflichtung von David Villa noch stärker zu sein. Villa ist ein grossartiger Stürmer und macht dieses Team zweifellos stärker. Aber ich bin sicher, dass wir den FC Barcelona schlagen können. Sein Vorteil könnte sein, dass er viele aussergewöhnliche Spieler hat, die seit Jahren zusammenspielen. Aber er wird Mühe haben, einen von ihnen zu ersetzen, wenn er verletzt ist. Wir dagegen haben auf jeder Position zwei Spieler mit ebenbürtigen Qualitäten. Ausserdem ist unser Hunger grösser. Es wäre mir ein Vergnügen, Barcelona zu schlagen.

Ist Ihr Verhältnis zu jenem Klub, wo Sie einst als Assistent arbeiteten, denn so schlecht? Ich würde nicht sagen, dass ich Barcelona hasse. Aber ich trainiere Real Madrid – also ist Barcelona mein Erzfeind.

Was würden Sie in Ihrer ersten Saison mit Real eigentlich lieber gewinnen: die Primera Division oder die Champions League? Was für eine Frage, beides natürlich. Für einen Klub wie Real Madrid ist es nie genug, nur einen Titel zu holen. Die Primera Division zu gewinnen, würde bedeuten, dass ich den erwähnten Grand Slam gewonnen hätte. Das wäre wunderbar. Aber dreimal mit drei verschiedenen Vereinen die Champions League zu gewinnen, wäre ebenfalls sehr speziell. Unser Hauptziel in Madrid ist für die erste Saison, wenigstens einen Titel zu gewinnen, jeder im Klub hätte das verdient. Ich werde Real wieder zur Nummer 1 machen.

Die Stars in Ihrer Mannschaft haben keine besonders erfolgreiche Saison hinter sich. Cristiano Ronaldo zum Beispiel enttäuschte an der WM. Er ist wichtig für mein Team – aber nicht wichtiger als andere Spieler. Ich bin überzeugt, dass er sich noch stark verbessern und eine bessere Saison als die vergangene zeigen kann. Er muss noch mehr Verantwortung übernehmen, sich in die Mannschaft einbringen, und ich bin überzeugt, dass ich das aus ihm herauskitzeln kann. Das Wichtigste für einen grossen Spieler ist, dass er seine Schwächen kennt.

Wie ist das bei Kaká? Auch er ist ein Jahr lang unter Wert geblieben. Kaká ist ein Weltklasse-Fussballer, der in seiner ersten Saison mit Real oft verletzt war, ein paar Probleme hatte. Das war verständlich, schliesslich ist es nicht einfach, zu einem der grössten Klubs der Welt zu kommen. Erst recht nicht, wenn so viel Geld für einen bezahlt worden ist. Eigentlich war es für Kaká unmöglich, die grossen Erwartungen zu erfüllen. Jetzt bin ich überzeugt, dass seine zweite Saison besser wird.

Dafür haben nach Ihrem Amtsantritt die Real-Legenden Raúl und Guti den Klub verlassen. Fühlen Sie sich nicht schuldig deswegen? Nein, weil es deren Entscheidung war. Und die respektiere ich. Ich habe Raúl gesagt, dass ich ihm nichts garantieren könne, und es für ihn wohl schwer werden würde, zur Stammformation zu gehören. Er wollte lieber regelmässig spielen, als in Madrid zu bleiben und fand es daher an der Zeit, einen anderen Klub in einem anderen Land kennen zu lernen. Raúl ist ein grosser Spieler und verdient Respekt für diese Entscheidung (Raúl wechselte zu Schalke, die Red.).

Diese Ausmusterung empfanden viele als typischen Mourinho-Akt. Manche Menschen haben eine falsche Vorstellung von mir. Sie denken, ich sei böse und ein Egoist. Aber so bin ich nicht, ich bin ganz anders. Nur kann ich meine Meinung nicht verstecken und komme dadurch in Schwierigkeiten. Ich werde mich aber nicht ändern, nicht als Person und nicht als Trainer. Ich könnte meine Karriere auf der Stelle beenden und die Zeit für den Rest meines Lebens mit meiner Familie verbringen. Das wäre kein Problem, denn ich blicke bereits heute auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurück. Nur: Gewinnen ist das Wichtigste in meinem Leben, nur ein wichtiger Sieg oder ein Titelgewinn bringt mir den Kick und die Motivation.

(Übersetzung: wie)

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt