Hoarau wuchtet YB zum Sieg

Der Franzose entschied mit einem Kopfballtor in der 93. Minute das Berner Derby in Thun zum 1:0.

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Uli Forte und seine Young Boys können in diesen nebligen, tristen November­tagen etwas durchatmen. Nach dem 2:1 gegen Sion vor der Länderspielpause holte YB mit dem Last-Minute-Sieg in Thun erneut drei Punkte. Damit haben die Stadtberner die Oberländer in der Tabelle wieder überholt. «Wir müssen nach den Niederlagen in Aarau und gegen Vaduz aber auch gegen Basel wieder Boden gutmachen», verlangt Forte. Und vor dem Auswärtsspiel in Bratislava in der Europa League, tat dieses 1:0 gegen den Kantonsrivalen besonders gut.

Die Young Boys haben sich den Sieg aufgrund der Chancen und zwei strittigen Szenen verdient, aber er kam glückhaft zustande. Der Schiedsrichter hatte in der Nachspielzeit schon zweimal seine Uhr konsultiert, da flankte Hadergjonaj in der 93. Minute nochmals vors Tor, so wie das der Aussenverteidiger schon mehrmals während dieses Spiels getan hatte. Diesmal aber geriet die Flanke nicht zu kurz oder zu lang, und der Ball landete auch nicht in den Händen des starken Goalies Faivre; diesmal flog der Ball scharf in den Strafraum. YB-Stürmer Hoarau kam mit seinen 1,92 m und 90 kg herangeflogen, Thuns Glarner flog unter der Wucht des Franzosen weg, und der Ball landete im Tor.

Hoarau: Keiner, der weinen geht

Das Tor war der Donnerschlag – und das Spiel vorbei. War das ein Foulspiel? «Es ist bitter für uns, aber ich denke, es war kein Foul, sondern die Wucht von Hoarau», sagt Thuns Trainer Urs Fischer, der einst zu seiner Zeit als Verteidiger auch nicht davor zurückschreckte, die Brechstange hervor zu nehmen. Und der Torschütze meint: «In unserer Situation ist es enorm wichtig, mit Siegen zu antworten. Es war ein Spiel, das auf beide Seite hätte kippen können. Thun war in der ersten Hälfte besser, wir danach.»

Bereits in der 10. Minute hatte Hoarau getroffen, doch Ref Studer entschied, der Ball habe beim Zuspiel von Nuzzolo die Grundlinie überschritten. Eine Millimeterentscheidung. Die TV-Aufnahmen zeigten derweil, dass der Ball die Linie wohl nicht mit ganzem Umfang überrollt hatte. Und als Hoarau in der 81. Minute im Duell mit Faivre zu Boden ging, blieb der Pfiff aus, obwohl Thuns Goalie das Bein des Gegners traf und nicht den Ball. «Ich bin keiner, der bei den Schiedsrichtern weinen geht, aber das war ein Penalty», behauptet der Franzose.

Nach diesem 1:0 waren all die strittigen Themen bei den Young Boys nur Randnotizen. Es überwog die Erleichterun.g, beim Rivalen doch noch gewonnen zu haben. Wie schon gegen Sion aber wirkte YB zeitweise in der Defensive anfällig. Bei Ballverlusten klappte die Raumaufteilung im zentralen Mittelfeld mehr als einmal nicht. Und Vilotic zeigte in der ersten Halbzeit zweimal
gedankliche Absenzen. Aber wie gegen Sion hätte Vilotic YB beinahe ins Glück geköpfelt, doch diesmal prallte der Ball nach einem Freistoss von seinem
Schädel gegen die Torlatte (73.).

Positiv aus Sicht der Stadtberner war die Leistungssteigerung nach der Pause, als sie das Spiel mehr und mehr in den Griff bekamen. Und sie liessen sich auch nicht von der zeitweisen Hektik auf dem Spielfeld in die Irre leiten. Steffen wurde zweimal von Hediger und Schirinzi rustikal im Mittelfeld von den Beinen geholt. Offenbar waren alte Rechnungen zu begleichen. Der Schiedsrichter zückte zweimal gelb, und der Gefoulte bekam wohl einen roten Kopf, aber er liess sich diesmal nicht provozieren.

Mvogo: Bis auf einen Fehlgriff stark

Zum vierten Mal in dieser Saison blieb YB ohne Gegentor. Die Abwehr unter Von Berger war grossmehrheitlich solid, doch die Thuner kamen zu drei klaren Möglichkeiten. Goalie Mvogo scheint sich auch aus seiner Baisse zu kämpfen, zeigte sichere Interventionen. Ohne Fehlgriff blieb er aber nicht; in der 88. Minute liess er einen Flankenball ­fallen, Lecjaks traf bei seinem Versuch den Ball wegzudreschen Wittwer, worauf die Kugel knapp neben dem Pfosten vorbeiflog. Das war Glück für YB. Doch ganz am Schluss kam Guillaume Hoarau herangeflogen, räumte alles weg und
ebnete YB den Weg zum Sieg.

Young Boys - Thun 0:1 (0:1)
9516 Z. – SR: Studer. – Tor: 93. Hoarau 0:1.
 Thun: Faivre; Glarner, Reinmann, Sulmoni, Schirinzi; Hediger (47. Siegfried), Sutter (89. Kaludjerovic);
Ferreira, Frontino, González (67. Wittwer); Sadik.
 Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Vilotic, Von Bergen, Lecjaks; Gajic, Sanogo; Steffen (83. Nikci), Nuzzolo (62. Zarate); Afum (83. Kubo), Hoarau.
 Bem: 73. Kopfball von Vilotic (YB) an die Latte. – Thun ohne Schindelholz, Zino, Schenkel (alle verletzt) und Schneuwly (gesperrt); YB ohne Bürki, Vitkieviez und Gerndt (alle verletzt). – Verwarnung: 19. Hediger, 32. Schirinzi, 49. Gajic, 56. Afum (alle wegen Fouls).

DerBund.ch/Newsnet

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