«Herr Hitzfeld hat sich nicht bei mir gemeldet»

Interview

Bei Parma hat sich Blerim Dzemaili zur unverzichtbaren Stammkraft entwickelt. Im Interview mit DerBund.ch/Newsnet äussert er sich zur Nati, zu Freundschaften und zu seinen Zukunftsplänen.

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Blerim Dzemaili, Sie erhalten in Italien regelmässig gute Kritiken. Wie sind Sie selber zufrieden mit Ihrer Saison? Ich bin sehr zufrieden. Meine Leistungen sind gut, nachdem ich einen schwierigen Start mit ein, zwei kleineren Verletzungen hatte. Es ist gut, dass ich zurückgekommen bin und, sobald ich in der Mannschaft war, auch nicht mehr rausgeflogen bin. Ich hatte für dieses Jahr das Ziel, die Saison durchzuspielen. Das ist dann am Anfang schon etwas schiefgegangen. Dennoch habe ich mit Cup schon 15 Spiele gespielt und die meisten auch von Beginn an.

In der Meisterschaft liegt Parma derzeit an 15. Stelle. Vier Plätze und vier Punkte vor den Abstiegsrängen. Da haben sie sich sicherlich mehr ausgerechnet? Es ist schwierig zu sagen. Wir haben eigentlich meistens gut mitgespielt und hatten in jedem Match die Chance, etwas mitzunehmen – mit Ausnahme vielleicht des letzten Spiels gegen Cagliari. Uns fehlen so vier bis fünf Punkte, die wir durch unsere eigene Dummheit vergeben haben. Natürlich hatten wir einige Male auch etwas Glück. Das gleicht sich ja immer wieder aus. Die Mannschaft hat aber sicher viel Potenzial und wir haben erst rund 70 Prozent davon gezeigt. Vor der Saison hatten wir gehofft, um die Europacup-Plätze mitzuspielen, aber es lief dann nicht wie erhofft. Jetzt liegen wir vier Punkte vor einem Abstiegsplatz. Aber es liegt alles so eng beieinander, dass man mit einem Sieg plötzlich wieder im vorderen Mittelfeld ist.

Mit dem 4:1-Sieg gegen Juventus ist Parma aber ein Ausrufezeichen gelungen… Die Niederlage gegen Cagliari war vielleicht eine Nachwirkung von dieser Euphorie. Wir waren überhaupt nicht im Spiel. Wir dachten, jetzt haben wir Juve geschlagen, jetzt schlagen wir auch Cagliari. Klar ist ein solcher Sieg schön, aber dann auch noch ein Sieg gegen Cagliari, das wäre ein grosses Ausrufezeichen gewesen. Wir wären direkt hinter den Europacup-Plätzen gewesen. Jetzt müssen wir eben in Brescia wieder ein Zeichen setzen.

Selber konnten Sie gegen Cagliari keine grossen Zeichen setzen. Sie wurden in der Pause ausgewechselt. Ja, ich hatte eine Magen-Darm-Grippe. Ich dachte es ginge, aber dann musste ich zur Pause einsehen, dass ich nicht bereit bin.

Das zeigt aber auch, dass Sie eine wichtige Rolle im Team haben. Ich habe jetzt eine wichtigere Rolle und viel mehr Verantwortung bei diesem Trainer (Pasquale Marino). Ich muss das Spiel machen und spiele auch wieder auf meiner alten Position im defensiven Mittelfeld. Mir gefällt das. Und der Trainer gibt mir sehr positive Rückmeldungen.

Marino war ja zuvor Trainer bei Udinese und hat positive Erfahrungen mit Schweizer Mittelfeldspielern… (lacht) Ja, aber Gökhan Inler hatte bei ihm etwas mehr rechts gespielt. Erst gegen Ende ist er ins Zentrum gerückt. Ich spiele jetzt ganz im Zentrum. Aber wir haben sicher eine ähnliche Rolle.

Sie sind Spielmacher und tragen die Nummer 10. Das spricht doch auch für einen gewissen Status? Als ich gekommen bin, war diese Nummer als einzige frei. Ich habe nicht gerne hohe Nummern. Aber man spricht natürlich hier schon auch von der nummero dieci. Aber mir bedeutet die Nummer eigentlich nicht so viel.

Sie spielen seit zweieinhalb Jahren in Italien. Sie scheinen sich wohlzufühlen. Die Mentalität gefällt mir hier. Ich kann mich auch gut auf Italienisch verständigen. Italien ist sicher eines meiner Lieblingsländer. Man isst auch sehr gut hier, zum Glück mache ich Sport (lacht).

In der Serie A gibt es mittlerweile eine grössere Schweizer Kolonie. Haben Sie regelmässig Kontakt mit ihren ehemaligen FCZ-Teamkollegen Von Bergen, Inler und Abdi? Man darf das auch nicht allzu sehr romantisieren. Wir haben keinen grossen Kontakt. Wenn man nicht mehr zusammenspielt, dann verliert man sich auch etwas. Aber wir freuen uns, wenn wir uns bei einem Spiel wiedersehen.

Almen Abdi aber könnten Sie mit ihrer eigenen Erfahrung sicher beistehen. Er hat sich ja noch nicht richtig durchsetzen können und erlebt eine ähnlich schwierige erste Saison in der Serie A wie Sie. Ich verfolge Almen schon. Da unser Trainerstaff ja von Udinese kommt, höre ich natürlich viel. Unsere Trainer halten viel von Abdi. Aber wenn man noch keinen Namen hat, ist es schwierig. Ich hatte das Glück, dass ich mich durchsetzen konnte, als ich die Chance erhielt. Das muss auch Almen schaffen. Dann redet man von ihm. Das ist sehr wichtig, und dann hat man auch plötzlich viele Vorteile.

Zurück zu Ihnen: Ottmar Hitzfeld lobt Sie stets als «interessanten Spieler». Hat er sich in den letzten Wochen bei Ihnen gemeldet? (lacht) Diese Frage höre ich immer wieder. Aber nein, ich habe nichts gehört.

Sie haben sich in Italien durchgesetzt, nachdem es Ihnen in England nach dem Kreuzbandriss nicht nach Wunsch gelaufen war. Wie und wo sehen Sie Ihre Zukunft? Es wäre natürlich schön, in einer grossen Mannschaft zu spielen. Aber das ist das Ziel von jedem Spieler. Ich habe sicherlich gute Chancen. Und ich würde auch gerne noch etwas Anderes sehen – zum Beispiel Spanien oder England. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich in England nicht durchsetzen könnte. Als taktisch gut ausgebildeter Spieler habe ich auch gewisse Vorteile in der Premier League. Ich würde gerne wieder nach England gehen. Damals hatte der Trainer einfach nicht auf mich gesetzt, was aber nach der Verletzung und im Abstiegskampf auch verständlich war.

DerBund.ch/Newsnet

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