Frühjahrsklassiker

Der Fussballgott erforscht den Voyeurismus der Velorennfahrer und Eishockeyspieler.

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Grädel könnte nicht genau sagen, von wo er diesen Bütikofer eigentlich kennt. Der hat seinen Sitzplatz im Wankdorf leicht schräg hinter Grädel, in zu kurzer Entfernung jedenfalls, um diesem nicht in regelmässigen Abständen seine fachkundige Meinung zum Spielgeschehen im Allgemeinen und den Leistungen der Akteure im Speziellen mitteilen zu können. Immer im Frühling hat Bütikofer allerdings üble Terminkollisionen an den Sonntagen; der begeisterte, wenn auch figurtechnisch leicht herausgeforderte Hobby-Gümmeler bleibt dann lieber zu Hause und schaut Velorennen, die Pflasterstein-Klassiker stehen auf dem Programm. Grädel verdächtigt die Gruppe derer, die da zuschauen, generell des puren Voyeurismus. Das Sturzrisiko auf den Pavés ist schliesslich hoch, und Stürze prägen das Renngeschehen oft entscheidend. Richtig schön sei Paris–Roubaix erst im Regen, schwärmte Bütikofer neulich, dann kämpften die Fahrer nicht nur gegen das Geholpere der kinderkopfgrossen Pflastersteine, nein, auch ihr Gleichgewichtssinn sei dann auf der glitschigen Unterlage gefordert.

Spätestens da müssen Gespräche mit Freunden des Velosports zwingend irgendwie in andere Bahnen gelenkt werden, denn sonst kommen die Bütikofers dieser Welt unausweichlich mit derselben Leier wie die Eishockey-Fans daher: der von den verweichlichten Fussballern und den ach so ganz anders gepolten und ergo beinharten Radfahrern. Wenn aber Grädels Kollege letzten Sonntag nach dem Velorennen noch zum Klassiker Basel gegen YB umgeschaltet hat, dann müsste er auch mitbekommen haben, in welcher schon fast heroischer Weise sich die arg lädierte Mannschaft humpelnd und leidend über den Zielstrich gerettet hat. Überhaupt: Grädel kann sich an keinen Spieler erinnern, der unbedingt ausgewechselt werden wollte, weil er Lust auf einen vorzeitigen Feierabend verspürte, aber an ganz manche, die ihren Trainer für die Massnahme mit verachtendem Blick bestraften. Genauso wenig wie an Rennfahrer, die aus Wehleidigkeit einfach noch ein bisschen am Strassenrand sitzen blieben. Ganz im Gegenteil zu Bütikofer, den hat Grädel neulich in voller Montur mit der Stange in der Hand in der Gartenbeiz ertappt. Er sah ziemlich mitgenommen aus.

Und YB ist es ja nur zu gut gewohnt, nach Stürzen immer wieder vom harten Pavé der Realität aufzustehen, sich die Gelenke wieder einzurenken und noch irgendwie über die Ziellinie zu straucheln. Das ist irgendwie auch ein Frühjahrsklassiker. Aber den verpasst der Bütikofer alle Jahre wieder.? (Der Bund)

Erstellt: 13.04.2017, 07:05 Uhr

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