Frühes Zürcher Feuer, zu spätes Berner Echo

Drei Tore, ein Platzverweis und jede Menge Zündstoff: Der Cupfinal zwischen dem FCZ und YB war eines der attraktivsten Schweizer Fussballspiele in diesem Jahr.

In die Knie gezwungen: Die Young Boys (hier Jean-Pierre Nsame) vermochten im Cupfinal nicht noch einmal zu überzeugen.

In die Knie gezwungen: Die Young Boys (hier Jean-Pierre Nsame) vermochten im Cupfinal nicht noch einmal zu überzeugen. Bild: Raphael Moser

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Und plötzlich kam Adi Hütter doch noch zu einem Spalier an diesem Cupfinalnachmittag. Es war gut eine Stunde nach Spielschluss, die Niederlage gegen den FCZ Tatsache, die Trophäe gestemmt, als der YB-Trainer zur Pressekonferenz durchs Stadion schritt. Immer wieder wurde er von Fans aufgehalten, erhielt Umarmungen, Glückwünsche, Handschläge.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen», sagte Hütter, «aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»Dass Hütter in seinem letzten Spiel als YB-Trainer vor dem Abgang nach Frankfurt keinen Sieg feiern konnte, lag auch, aber nicht nur am Gegner, und es lag auch, aber nicht nur an seiner Mannschaft.

Aggressiv und wach zeigte sich der FCZ von der ersten Sekunde an, angeführt vom hoch motivierten, schier überbordenden Michael Frey. Lethargisch und behäbig zeigten sich die Young Boys phasenweise, so, dass man sich unweigerlich fragte, ob die Berner in den Wochen der Feierlichkeiten rund um den Gewinn des Meistertitels an Biss verloren hätten.

Frey traf Sanogo im Gesicht

«Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft in den letzten Tagen unkonzentriert ans Werk ging», sagte zwar Hütter. Aber in den ersten dreissig Minuten des Cupfinals, da war sie nicht bereit.

Frey nach zwei, Adrian Winter nach fünf, wieder Frey nach elf Minuten – drei Top­chancen hatte der FCZ, und eine davon nutzte Vorkämpfer Frey zur Führung. Aus knapp 20 Metern zog er ab, sein Schuss zischte erst YB-Captain Steve von Bergen durch die Beine und schlug dann präzise im linken Eck ein. Wumm, ein Paukenschlag, 1:0.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen, aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»Adi Hütter

Keine drei Minuten später musste YB-Goalie Marco Wölfli nochmals gegen Winter retten, zwischendurch hatte Christian Fassnacht für YB eine Kopfballchance. Gut und gern vier Tore hätten in dieser Startviertel­stunde fallen können, es blieb beim einen für den FCZ.

Aber das Feuer war gelegt in der Partie. Von Bergen und Frey, die früheren Teamkollegen, gerieten aneinander, dann waren es Frey und Sanogo, wobei der Berner den Ivorer im Gesicht traf. Schiedsrichter Adrien Jacottet entschied sich in dieser heiklen Szene für je eine Verwarnung. Das Tempo blieb hoch, Roger Assalé kam zum Abschluss – Rasmus Thelander rettete für den FCZ spektakulär auf der Linie.

Längst war YB aus seinem Startschlaf erwacht, hatte jetzt mehr Anteile und war mehr am Ball. Aber Ludovic Magnin hatte seine Mannschaft hervorragend eingestellt, Zürich blieb in seinen wenigen Aktionen gefährlich, und so entwickelte sich ein munteres Hin und Her, das erst mit dem Halbzeitpfiff beschlossen wurde.

Für Durchgang zwei war die Berner Marschroute klar. Viel lief bei YB übers Zentrum, über den unwiderstehlichen Sanogo. Der zur Pause eingewechselte Sangoné Sarr wusste sich gegen ihn Mal um Mal nur mit einem Foul zu helfen, sah schnell einmal die Gelbe Karte – und flog in der 67. Minute nach einem erneuten Vergehen gegen Sanogo mit Gelb-Rot vom Platz.

Sulejmani für einmal per Kopf

Das schaffte Raum für das letzte Aufbäumen der Berner – welches jäh vom Zürcher 2:0 unterbrochen wurde: Antonio Marchesano liess Kasim Nuhu elegant aussteigen, traf stilsicher und stürzte den FCZ eine Viertelstunde vor Schluss schon fast in den finalen Titeljubel.

Keine fünf Minuten später glückte Sulejmani aus dem Nichts der Anschluss, der kleine Serbe traf für einmal per Kopf. Thelander blockte noch einmal einen Schuss im Strafraum, dann eilte Wölfli mit nach vorn, die Zeit lief den Bernern davon, es lief die 91., dann die 92. Minute, es wurde noch einmal hitzig, dann war alles vorbei.

Für den FCZ begann die grosse Feier, den Young Boys blieb als Letztes die Ernüchterung und ihrem Trainer die Erkenntnis, in Bern dennoch einiges bewirkt zu haben. Nur sein letztes Ziel, das erste Double seit 1958, verfehlte Adi Hütter mit YB.

(Der Bund)

Erstellt: 28.05.2018, 07:10 Uhr

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