Ex-YB-Stürmer macht Luzern glücklich

Seit Marco Schneuwly beim FCL spielt, hat er seine Torquote fast verdoppelt. Am Sonntag (16.00 Uhr) tritt er gegen die Young Boys an, gegen die er zuletzt immer getroffen hat.

Marco Schneuwly beim Torjubel.

Marco Schneuwly beim Torjubel.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Marco Schneuwly liest einiges von dem, was über ihn geschrieben wird, in Zeitungen und auf Online-Plattformen. Letzte Woche rechnete die «Luzerner Zeitung» vor, wie lange er zuletzt ohne persönlichen Torerfolg geblieben ist. 472 Minuten – so lange wie noch nie, seit Schneuwly beim FC Luzern unter Vertrag stehe, liess das Innerschweizer Leitblatt seine Leserschaft wissen.

Der Artikel versetzte Schneuwly weder in helle Aufregung noch brachte er ihn ins Grübeln. «Ich habe mit den Jahren gelernt, nicht alles persönlich zu nehmen», sagt der bald 32-Jährige. Bleibe ein Stürmer länger ohne Erfolgserlebnis, würden automatisch kritische Stimmen laut. In seinem Fall könne man die Kritik auch positiv sehen. «Ich habe für den FCL zu häufig getroffen», scherzt er.

Schneuwly hat wieder gut lachen seit dem letzten Spieltag. 73 Minuten waren zwischen Lausanne-Sport und Luzern gespielt, als ihm per Kopfball das Anschlusstor gelang, sechs Minuten später war er Urheber des Ausgleichs. Im Nu war der zuvor nahezu unsichtbare Mittelstürmer mit knapp über 20 Ballkontakten zum eigentlichen Matchwinner aufgestiegen. «Im Fussball gibt es viele unerklärliche Dinge», weiss der FCL-Topskorer, der aktuell die Torschützenliste der Super League anführt.

Dass sein Name in diesem Ranking ganz weit oben auftaucht, ist nichts Spezielles mehr, seit er sich im Sommer 2014 dem FCL anschloss. 17 Tore in der Saison 2014/15, 16 Tore in der letzten Spielzeit, in der aktuellen Meisterschaft bereits wieder 9 Tore: So lauten die statistischen Werte, die Schneuwly auf die Höhe von YBs Spektakelmacher Guillaume Hoarau hieven, dem im fast identischen Zeitraum 41 Meisterschaftstore gelangen. Der Ex-YB-Spieler sagt, der charismatische Franzose habe ihm einiges voraus. «Seine Präsenz und sein Einfluss auf das Team sind beeindruckend.»

Schneuwly bestätigt den Eindruck, dass er heute mit einem anderen Selbstverständnis auf den Platz gehe als in Zeiten, in denen es weit weniger gut lief. Nach der schweren Knieverletzung Ende 2009 habe es mehr als ein Jahr gedauert, bis er wieder volles Vertrauen in den Körper gehabt habe. Sein Pech war, dass Vladimir Petkovic im Frühling 2011 von YB entlassen wurde und dessen Nachfolger Christian Gross schon nach kurzer Zeit nicht mehr auf ihn setzte. Weshalb es nicht sonderlich erstaunte, zog er einige Monate später nach Thun.

Constantins Werben

Schneuwly bereut es nicht, hat er mit 29 Jahren das beschauliche Umfeld des FC Thun verlassen und sich einem Club angeschlossen, bei dem schnell mal Unruhe aufkommt, wenn es nicht wunschgemäss läuft. Die mit Getöse vollzogenen Trennungen von Sportchef Rolf Fringer und Assistenztrainer Roland Vrabec im vergangenen Winter mag er nicht kommentieren, «da wir Spieler gar nicht viel mitbekommen haben». Stellung bezieht Schneuwly zur Aufregung, die im Juli 2015 um seine Person entstand, als ihn Christian Constantin mit einem sehr gut dotierten Mehrjahresvertrag zum FC Sion zu locken versuchte.

«Wenn sich Luzern nicht gegen den Transfer gesperrt hätte, wäre ich ins Wallis gegangen.» Das Angebot sei zu gut gewesen, um es nicht ernsthaft zu prüfen. Für Schneuwly spricht, wie er auf das Nein seines Arbeitgebers reagierte. Trotz der Enttäuschung zog er sich nicht in den Schmollwinkel zurück, sondern sorgte mit seinen Abschlussqualitäten dafür, dass Luzern eine turbulente Saison auf dem versöhnlichen 3. Platz beendete.

Ehrenplatz in der FCL-Chronik

Marco Schneuwly hat (noch) nicht den Status eines David Zibung, der seit schier ewigen Zeiten das Tor des FCL hütet. Oder eines Claudio Lustenberger, welcher seit nunmehr 10 Jahren in der linken Aussenbahn seine Kilometer abspult bis zur Erschöpfung. Doch der manchmal etwas ungelenk wirkende Mittelstürmer ist auf gutem Weg, sich in der FCL-Chronik eine umfangreiche Würdigung zu sichern.

Der bodenständige Deutschfreiburger registriert die deutlich gestiegene Wertschätzung in der Zentralschweiz sehr wohl. Mit Trainer Markus Babbel hat er ein gutes Einvernehmen, auch wenn ihn dieser schon öffentlich gesenkelt hat. «Er ist fadengerade, offen und ehrlich.» Und vielleicht sei es gar nicht schlecht, gebe es vom Coach hie und da einen Tritt in den Hintern. Morgen, wenn YB in der Swisspor-Arena gastiert, wird ein solcher nicht nötig sein. In den letzten vier Partien gegen seinen Ex-Club war Schneuwly immer unter den Torschützen.

Im Moment spricht einiges dafür, dass Schneuwly seine Karriere beim FCL beendet. Erste Gespräche über eine Verlängerung des bis 2018 datierten Kontrakts haben bereits stattgefunden. Was den Routinier aus der Innerschweiz weglocken könnte, wäre ein seriöses Angebot aus dem Ausland. «Wenn das ganze Paket stimmt und meine Familie mitzieht, würde ich es ernsthaft prüfen.» Es wäre eine wahrhaft verrückte Wendung einer Fussballerkarriere, die erst spät so richtig in Fahrt gekommen ist.

Der Bund

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