«Es bringt nichts, den Kopf hängen zu lassen»

Goalie Marco Wölfli spricht vor dem Cupspiel in Bavois, bei dem er sein befristetes Comeback im Profiteam gibt, über seine Degradierung bei den Young Boys.

Marco Wölfli mit Trainer Uli Forte, der dem Goalie diese Woche eröffnet hat, bis auf weiteres nur die Nummer 2 zu sein.

Marco Wölfli mit Trainer Uli Forte, der dem Goalie diese Woche eröffnet hat, bis auf weiteres nur die Nummer 2 zu sein.

Zumindest seinen Humor hat Marco Wölfli nicht verloren: «Ich habe schon immer davon geträumt, mich an meinem Geburtstag um acht Uhr morgens mit Journalisten zu treffen», sagte die neue Nummer 2 im Tor der Young Boys. Gestern Freitag ist Marco Wölfli 32 Jahre alt geworden, und gestern Freitag um 8  Uhr erschien er im Stadionrestaurant Eleven zu einem Termin mit den ­Medien. Am Mittwoch hatte ihm Trainer Uli Forte in einem Gespräch zusammen mit Goalietrainer Paolo Collaviti eröffnet, dass an der Hierarchie der Torhüter nicht gerüttelt werde. Der 20-jährige Yvon Mvogo bleibt nach der Rückkehr von Routinier Wölfli die Nummer 1. Wölfli ist fortan die Nummer 2.

Seit 1998 ist der Solothurner bei YB, er wurde lediglich zwischendurch für anderthalb Jahre an den FC Thun aus­geliehen. Am 8. Dezember 2013 erlitt Wölfli ausgerechnet in Thun einen Achillessehnenriss im linken Fuss. Jetzt, nach über achtmonatiger Verletzungspause, ist er zurück. Am Sonntag, im Cupspiel beim Waadtländer 1.-Ligisten Bavois, spielt Wölfli nach 259 Tagen wieder ein Wettbewerbsspiel für das Fanionteam von YB. Es wird sein 406. Spiel für die Young Boys sein. Was danach wird, bleibt offen.

Marco Wölfli, bedeutet dieser Entscheid von Uli Forte für Sie den Anfang vom Ende bei YB? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. YB ist mein Verein, sonst wäre ich nicht so lange hier. Es ist sicher eine neue Situation für mich. Ich kann noch nicht sagen, wie es weitergeht.

Hat Sie dieser Entscheid überrascht? Trainer-Entscheide muss man akzeptieren. Hadern hilft nicht. Im Fussball zählt immer nur der Moment. Das war mir stets bewusst. Ich war fast neun Monate weg, und jetzt hat der Trainer sich so entschieden. Es bringt nichts, nun den Kopf hängen zu lassen.

Haben Sie nicht das Gefühl, Ihnen wurde eine Wettbewerbschance genommen. Der Entscheid, dass Yvon Mvogo die Nummer 1 bleibt, wurde gefällt, bevor Sie überhaupt beweisen konnten, wie gut Sie nach der Verletzung sind? Was soll ich darauf antworten? Ich kann mich nur wiederholen. Es ist der Entscheid des Trainers. Es geht nicht darum, ob ich den Entscheid als fair empfinde oder nicht. So läuft das Geschäft.

Mit Wölfli hat YB seit 2008 zwei Cupfinals und zwei Finalissima verloren. Glauben Sie, das hat den Entscheid beeinflusst? Das müssen Sie die Verantwortlichen von YB fragen. Ich glaube es aber nicht.

Mit 32 Jahren gilt ein Torhüter als im besten Alter. Folgt jetzt irgendwo nochmals der Neuanfang? Das ist völlig offen. Es gibt verschiedene Varianten. Die eine heisst: Ich bleibe und kämpfe mich zurück. Eine andere lautet: Ich gehe weg, ich mache jetzt ­einen Schnellschuss. Eine dritte heisst: Ich warte ab und schaue, wie sich die ­Situation im Winter präsentiert. Mit all diesen Szenarien habe ich mich noch nicht befasst. Ich bin erst einmal froh, wieder Fussball spielen zu können. Ich trainiere wieder mit der Mannschaft, ich bin zurück und am Sonntag stehe ich beim Cupmatch in Bavois im Tor.

Uli Forte erklärte, Sie würden in Zukunft auch nicht der Goalie für die Cupspiele sein oder für die Partien der Europa League. Zuerst einmal müssen wir uns für die Gruppenspiele der Europa League qualifizieren. Was danach folgt, wird man sehen.

Sie gehören dem Spielerrat an, Sie sind Vize-Captain. Das passt nicht so recht für eine Nummer 2. Ob ich im Spielerrat bleiben werde, wird man sehen. Das steht zurzeit bei mir nicht im Vordergrund. Aber ich werde bestimmt weiterhin Verantwortung übernehmen.

Hatten Sie während der langen Verletzungspause nie Angst, dass Sie es nicht mehr schaffen, dass dies das Karriereende bedeuten könnte? Nein, solche Ängste hatte ich nicht. Ich bin ein positiver Mensch. Ich hatte nie Bedenken, dass der Fuss nicht mehr mitmacht. Aus dem Umfeld hörte ich solche Stimmen, weil dies eine der schwersten Verletzungen ist für einen Fussballer und Torhüter. Aber ich hatte nie grosse Angst, dass ich es nicht schaffen könnte. Ich kenne meinen Körper.

Ihr Kollege Diego Benaglio gab am Mittwoch den Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. 
Waren Sie überrascht? Schon ein bisschen. Ich dachte, er würde noch zwei Jahre weitermachen. Er hat sich seinen Entscheid aber sicher gut überlegt.

Sie waren bis zur Verletzung die Nummer 2 der Nationalmannschaft. Hat Sie der neue Nationalcoach Vladimir Petkovic schon angerufen? Nein. Zuerst muss ich im Klub regelmässig spielen, bevor das Nationalteam überhaupt wieder ein Thema wird.

Der Bund

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