Engländer wollen Blatter vom Fifa-Thron stürzen

Nach der schmachvollen Niederlage bei der Vergabe der WM 2018 gehen die Engländer nun auf Konfrontationskurs zu Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Nicht unumstritten: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Nicht unumstritten: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

(Bild: Keystone)

Es war die wohl schmerzlichste Niederlage für den englischen Fussball (und für viele für den Fussball überhaupt), als im letzten Dezember das Fifa-Exekutivkomitee die Orte für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 vergab. Es zog für die WM 2018 Russland dem (selbsternannten) Mutterland des Fussballs vor, für Englands Kandidatur gab es gar nur 2 von 22 Stimmen – und eine davon war vom englischen Vertreter.

Der Groll der Engländer über diese Niederlage hat sich noch längst nicht gelegt. Am Wochenende erklärten offenbar Vertreter des englischen Verbands FA bei einem Treffen mit Blatter in Newport, dass sie eine vierte Kandidatur des Schweizers nicht unterstützen würden, wie englische Medien berichten. Schon zuvor hatte FA-Präsident Roger Burdon seinen Rücktritt erklärt, weil er der Fifa «nicht trauen kann».

Kommt ein (offizieller) Gegenkandidat?

«Drei Amtszeiten sind genug», wird ein FA-Offizieller zitiert. «Wir überlegen uns, ihn zu kontaktieren.» Mit ihm ist der qatarische Scheich Mohamed bin Hammam gemeint. Der 61-jährige Präsident des asiatischen Kontinentalverbands war einst ein Verbündeter Blatters, wurde aber zum Gegenspieler. Ob er sich tatsächlich als Gegenkandidat für die Wahl am 1. Juni in Zürich aufstellen lässt, ist indes noch offen. Vor einigen Monaten hatte er aber zumindest angedeutet, dass er den bald 75-Jährigen herausfordern könnte.

Kandidaturen müssen bis zum 1. April offiziell bekannt gegeben werden. Neben Blatter, der vom somalischen Verband vorgeschlagen wurde, ist bislang einzig das Interesse des amerikanischen Journalisten Grant Wahl bekannt, der jedoch kaum offiziell nominiert werden wird.

Allfälligen Gegenkandidaturen sieht Blatter gewohnt gelassen entgegen. Der Walliser hat sich im Weltverband mit geschicktem Politisieren einen breiten Rückhalt gesichert – nicht zuletzt in Afrika. «Wenn ich gewinne, ist es okay, wenn ich verliere, sage ich ‹Danke schön› und gehe», wird Blatter von der BBC zitiert. «Wir haben ein demokratisches System.» Derweil fürchtet man in England, dass bei einer Wiederwahl Blatters der Graben zwischen der Fifa und England noch grösser werden wird. Und die Zweifel an einer vierten Amtszeit sind nicht nur auf der Insel zwischen klein und kaum vorhanden.

DerBund.ch/Newsnet

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