Eine magische Nacht

Ein leidenschaftliches YB besiegt den SSC Napoli verdient mit 2:0. Den Weg zu einem der grössten Siege 
in der jüngeren Clubgeschichte ebnete Guillaume Hoarau.

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Ruedi Kunz

Es wurde die magische Nacht, die sich der bekennende Napoli-Fan Uli Forte gewünscht hatte. Und es passte zu dieser magischen Nacht, dass ein Spieler für den Schlusspunkt sorgte, dessen Vater aus Salerno stammt. Die Rede ist vom 20-jährigen Leonardo Bertone, der in der 92. Minute nach einem perfekten Steilpass von Steffen das 2:0 erzielte. Es war einer der ganz wenigen Konterchancen gewesen, die die Young Boys gehabt hatten. Die Platzherren hatten in der Schlussviertelstunde leiden müssen, als ihre Kräfte allmählich schwanden, und Napoli doch noch begann, sich gegen die drohende Niederlage zu wehren.

Als einer der wertvollsten YB-Erfolge im Europacup vollbracht war, brachen die Dämme. Drunten auf dem Platz herzten sich die überglücklichen Spieler und ihr Staff. Oben auf den Tribünen strahlten die leidensgewohnten Fans wie schon lange nicht mehr. Im Sektor D schwenkte der harte Kern nochmals den gelbschwarzen Glitzer, der beim Einlauf der beiden Teams Teil einer beeindruckenden Choreo gewesen war. «Europäisch glänze» hatten sie auf einem riesigen Transparent gefordert. Das Team lieferte ihnen einen Sieg, der süss schmeckte. Sehr süss sogar nach etlichen Enttäuschungen in den letzten Wochen.

Hoaraus Kunststück

Die Berner waren ein hochverdienter Sieger. Sie spielten leidenschaftlich, mutig, klug und mit zum Teil erstaunlicher Cleverness. Gar ein Meisterstück war das Führungstor in der 52. Minute. Verantwortlich dafür nicht zufällig der beste Stürmer auf dem Platz, Guillaume Haorau. Der Franzose beschäftigte die Napoli-Abwehr von der ersten Minute an. Und er sorgte immer wieder für Torgefahr. In der 14. Minute flog sein Kopfball ganz knapp am Tor vorbei, etwas später missglückte ihm ein Schuss aus guter Position vollends. Beim nächsten Versuch, diesmal wieder mit dem Kopf, kam er nicht an Cabral vorbei.

Hoarau war der beste Berner. Doch es gab viele weitere, die sich gegen Napoli gute bis sehr gute Noten verdiente. Steve von Bergen spielte im Abwehrzentrum überragend. Rechtsverteidiger Sutter rannte der Linie entlang rauf und runter, als gebe es kein morgen. Sanogo und Gajic liessen den international erprobten Inler und Jorginho nicht manchen Stich. Nuzzolo war so schnell und beweglich wie fast immer in dieser Saison. Steffen gab keinen Ball verloren und beschäftigte häufig mehr als einen Gegenspieler.

Vilotics Comeback

Keine Selbverständlichkeit war der sehr solide Auftritt von Milan Vilotic, der monatelang verletzt gefehlt hatte. Der Serbe habe seine Sache «tiptop gemacht», befand Forte. Der 40-Jährige lobte das Team für seine «sehr grosse Leistung». Endlich habe es das ganze Potenzial abrufen können. Dass Napoli nicht mit den besten Kräften angetreten war und deren Trainer Rafael Benitez seinem Ruf als Meister der Rotation alle Ehre getan hatte, interessierte ihn nicht.

Trotziger Benitez

Die Kritik an Benitez wird nach der Niederlage in Bern heftig ausfallen. Die italienische Presse wird ihm nicht verzzeihen, dass er seine Stars Calléjon, Higuain und Hamsik vorerst auf der Bank liess auch sonst kaum einen Stein auf dem anderen beliess. Gestern abend zeigte er sich in Bern trotzig. «Wir haben nicht wegen den Rotationen verloren, sondern weil wir zu wenig Intensität zeigten und in der Abwehr Fehler machten.»

Young Boys - Napoli 2:0 (0:0)
24 024 Zuschauer. – SR Buquet (Fr). – Tore: 52. Hoarau 1:0. 91. Bertone 2:0.
 Young Boys: Mvogo; Sutter, Vilotic, Von Bergen, Lecjaks; Sanogo, Gajic; Steffen (93. Nikci), Kubo (71. Bertone), Nuzzolo (86. Rochat); Hoarau.
 Napoli: Rafael; Maggio, Albiol, Henrique, Ghoulam;­Jorginho (75. Callejon), Inler; De Guzman (84. Higuain), Michu (62. Hamsik), Mertens; Zapata.
 Bemerkungen: YB ohne Hadergjonaj, Gerndt, Bürki und Vitkieviez (alle verletzt), Napoli ohne Zuniga, ­Britos und Gargano (alle verletzt). Verwarnungen: 30. Vilotic (Foul). 55. Lecjaks (Foul). 67. Jorginho (Foul). 72. Ghoulam (Foul).

DerBund.ch/Newsnet

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