Eine Naturgewalt namens Etoundi

Mit zwei Toren und einem Assist entschied der FCZ-Stürmer aus Kamerun das Derby fast im Alleingang.

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Wer sehr hoch fliegt, hat manchmal Mühe beim Landen. Franck Etoundi zum Beispiel. Der FCZ-Stürmer ist hochgeflogen im 239. Stadtderby, zwei Tore hat er erzielt und einen herrlichen Assist geleistet. Doch als er nach dem 3:1 acht Minuten vor dem Ende abdrehte, um vor der Südkurve zu jubeln, da baute sich die Werbebande vor ihm auf. Fast wäre er über das Hindernis gestrauchelt.

Der Kameruner überstand schliesslich aber auch den Jubel unbeschadet und gab sich hinterher zufrieden. Halbwegs zufrieden jedenfalls. In erster Linie freuten ihn die drei Punkte der Mannschaft, sagte er, das Derby zu gewinnen, sei super. Aber die eigene Leistung? Die wollte er nicht überbewertet haben, den beiden Toren zum Trotz. «Ich war auch schon besser», sagte er. Das Spiel im Europa-League-Gruppenspiel gegen Mönchengladbach beispielsweise, das sei ein gutes gewesen. Gegen GC nun hat er sich «nicht wohl und richtig fit gefühlt».

Die zweite Länderspielreise

Von seiner zweiten Länderspielreise mit der kamerunischen Nationalmannschaft war er erst am Freitag aus der Heimat nach Zürich zurückgekehrt. Und als das Derby begann, da spürte der 24-Jährige die Müdigkeit, die Rückenschmerzen nach acht Stunden Flug, die Strapazen waren ihm anzumerken. «Am Anfang hat er viele Bälle verloren», tadelte Teamkollege Davide Chiumiento. «Es sah nicht aus, als wäre das sein Spiel.» Zur Pause bat Etoundi seinen Trainer Urs Meier sogar, ihn auszuwechseln.

Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits für einen Glanzpunkt in dem erst beschwingten, lange Zeit aber ereignislosen Derby gesorgt, als er in der 29. Minute die GC-Führung ausglich. Nicht einfach so, sondern mit einem wunderbar wuchtigen Kopfball, nach einer Flanke von Philippe Koch. «Ein Wahnsinn», staunte auch Chiumiento, «ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der so lange in der Luft war». Für Meier gab es nur ein Wort, um dem Treffer gerecht zu werden: «Weltklasse.»

Der Gegenentwurf zu Chikhaoui

Seit 2009 spielt der Mann aus Douala in der Schweiz, bei Xamax, Biel und St. Gallen hat er gespielt, ehe ihn der FCZ vor bald 16 Monaten nach Zürich holte. Wegen dessen eher rustikalen, brachialen Art hält Meier ihn für unverzichtbar in seiner Mannschaft, denn nur mit Künstlern gehe es nicht. Etoundi sei unbequem, sagt Meier, «er geht dorthin, wo es wehtut und sorgt in der Luft für Verdrängung». Und ist so der Gegenentwurf zu Feintechnikern wie Chiumiento oder der gegen GC wirkungslose Captain Yassine Chikhaoui. Kein Wunder, hat sich um den damaligen St. Galler nicht nur der FCZ bemüht. Sondern auch GC. Der Stadtrivale entschied sich letztlich jedoch für Anatole Ngamukol.

Der Unterschied hätte gestern nicht auffälliger sein können: Ngamukol vergibt völlig freistehend aus wenigen Metern, Etoundi wird zum Matchwinner. In der 74. Minute leitet er mit einem weiteren starken Kopfball das 2:1 ein – er traf zwar die Latte, doch Francisco Rodríguez reagierte auf den Abpraller sofort. Und einen Konter, eingeleitet von Philippe Koch, schloss Etoundi mit einem unwiderstehlichen Schuss zum 3:1 ab.

Zum zweiten Mal im FCZ-Dress sind ihm nun zwei Tore in einem Spiel gelungen. Etoundis Entwicklung ist auch Volker Finke nicht verborgen geblieben. Ende August hat ihn der Deutsche erstmals fürs Nationalteam nominiert, vier Partien der afrikanischen Spitzenmannschaft hat er nun wenigstens von der Ersatzbank aus erlebt. Die weiten und anstrengenden Flüge nimmt er gerne in Kauf. Wenn die Müdigkeit dermassen Berge versetzt, erst recht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2014, 00:08 Uhr

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