Ein frischer Wind beim FCZ

Der FCZ ist perfekt in die Saison gestartet. Zum Auftakt gewann das Team von Urs Meier das 238. Stadtderby gegen die Grasshoppers 1:0.

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Nachher konnte ihm das ja egal sein. Ihm, dem Sieger. Flapsig jedenfalls gingen die Sprüche über Urs Meiers Lippen, und er konnte lachen darüber, was er in der Schlussphase gesehen hatte. Dies nämlich: Wie seine Spieler Chance um Chance ausliessen und jedes Angebot des angezählten Gegners ausschlugen. Rossini sowie Buff mehrfach und auch Chermiti einmal. Sie liessen damit GC im Spiel und strapazierten die Nerven ihres Trainers über Gebühr. «Das hätten wir uns ersparen sollen», kritisierte Meier. Danach lächelte er gütig.

Es hatte tatsächlich etwas von Büchsenwerfen, was sich zutrug in den letzten Minuten des 238. Zürcher Stadtderbys. Und das Glück des FCZ war, dass es sich nicht rächte, dass bei den verschieden­sten Versuchen keine Büchsen ­getroffen wurden – ganz besonders bei der von Neuzugang Patrick Rossini ausgelassenen Möglichkeit in der 78. Minute. Die Grasshoppers mochten in der Folge ­geradezu verzweifelt nach dem späten Ausgleich suchen, sie kamen jedoch zu keiner einzigen Torchance mehr. «Einen verdienten Sieg des FCZ» nannte es folgerichtig GC-Trainer Michael Skibbe. Meier hatte dem wenig anzufügen.

Chikhaoui mit Luft nach oben

Davide Chiumiento war es, der den Cupsieger nach knapp einer Stunde in Führung brachte. Auf Vorarbeit von Rückkehrer Burim Kukeli traf er aus der Distanz, auch unter Mithilfe des neuen GC-Goalies Daniel Davari. Die Spielanteile waren bis dahin zwar in etwa gleich verteilt gewesen, die besseren Chancen aber, die hatte der FCZ schon in der ersten Halbzeit besessen. Marco Schönbächler, der freistehend über das Tor schoss. Amine Chermiti, der noch freistehender an die Latte köpfelte. Der junge Debütant Francisco Rodríguez, der aus 30 Metern ins Aussennetz schoss – es war frischer Wind im FCZ-Spiel. GC hatte dem eine Grosschance von Munas Dabbur entgegenzuhalten, bei der die FCZ-Abwehr völlig unsortiert wirkte.

Insgesamt war Meiers Mannschaft besser, überlegen aber war sie nicht. «Es war ein verteiltes Spiel», so nannte das Skibbe. Und es war lange ein mässig ­unterhaltsames Spiel. Der neue Captain Yassine Chikhaoui hatte viel mit sich selbst zu tun und daneben nur wenige gute Szenen – allerdings foulte ihn ­Davari einmal penaltyreif, aber ungestraft. Chiumiento, der auf die neue Saison hin die Rückennummer 10 übernahm, war kaum zu sehen, bis ihm sein erstes Tor seit zwei Jahren gelang. Chermiti lief viel, aber auch viel vergebens.

Auffälliges Debüt von Rodríguez

Schon auffälliger war Rodríguez, der junge Bruder von Nationalspieler ­Ricardo. Der 19-Jährige hatte Anfang Juni seinen ersten Profivertrag unterschrieben und nach guten Testspiel-Leistungen nun sogleich auf dem Flügel debütiert. «Eine gute Partie» attestierte ihm Meier. Francisco, so heisst es beim Club, sei der Talentierteste der drei Rodríguez-Brüder. Meier wiederum freute sich besonders über die Tatsache, dass er einen nächsten FCZ-Junior erfolgreich in die erste Mannschaft eingebaut hat. Er mahnte aber: «Francisco muss klar sein, dass die Bäume noch nicht in den Himmel wachsen. Er wird auch wieder einmal auf der Ersatzbank sitzen.»

Starkes Comeback von Kukeli

Offensiv war es aber ordentlich, was der FCZ den gut 13 000 Zuschauern bot. Gar gut war, wie er verteidigte, wie er den Stadtrivalen in der Defensive niederrang. Gilles Yapi bot ein ansprechendes Comeback in der Schweiz nach einem verlorenen Jahr in Dubai. Und dass ­Burim Kukeli zurück ist, war an diesem Tag wohl die schönste Nachricht für den FCZ. Der Kosovare hatte sich vor anderthalb Jahren einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen, wurde dreimal operiert und stand vor dem Ende seiner Karriere. «Andere hätten aufgegeben», lobt Meier, und Kukeli selbst sagt: «Es war eine unglaubliche Leidenszeit, die viel Nerven gekostet hat. Umso schöner ist es, jetzt wieder das Gras zu riechen.»

Kultstätte Letzigrund, Seite 11

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2014, 23:18 Uhr

GC-Angreifer Dabbur vergab die Chance zur Führung. Foto: Freshfocus

Hochdruck im Juli

Kaltstart für die Grasshoppers

Amir Abrashi fand ein einfaches Wort, um das Spiel zu umschreiben. Es lautete: «Scheisse.» Bei den Grasshoppers taten sie sich schwer damit, die 0:1-Niederlage im Stadtderby zum Saisonauftakt zu akzeptieren. Sie haderten mit dem Pech, ein ausgeglichenes Spiel zu verlieren, und sie sahen Aufwand und Ertrag in einem Missverhältnis. «Wir waren viel unterwegs und haben einen hohen Aufwand betrieben», sagte Captain Veroljub ­Salatic. Dieser Kräfteverschleiss sollte auch erklären, warum GC selbst mit der Schlussoffensive keine Torchancen hatte herausspielen können.

Trainer Michael Skibbe hatte eine weitere Erklärung dafür. «Wir haben nicht so gut Fussball gespielt, wie wir können», sagte er, um zu ergänzen: «Und wie wir das in Zukunft tun wollen.» Der Deutsche bemängelte «Ungenauigkeiten bei den Pässen» und «zu viele Ballverluste». Defensiv, immerhin, gab es bei GC wie beim FCZ wenig zu beanstanden. Wie in der Vergangenheit auch schon, liess Skibbe gegen den Rivalen mit einer Dreierkette verteidigen.

Für die Grasshoppers ist es ein Kaltstart in einen intensiven Saisonstart, Zeit für umfassende Korrekturen bleibt kaum noch. Nach dem Heimspiel gegen Thun am kommenden Samstag steht schon am 30. Juli das Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Lille an. Und nach dem Scheitern vor einem Jahr gegen Lyon will es GC dieses Mal besser machen. Im Duell mit dem Dritten der Ligue 1 hat GC den Vorteil, schon Ernstkämpfe bestritten zu haben – die Meisterschaft in Frankreich ­beginnt erst, wenn auch schon das Rückspiel durch ist. «Es muss einiges besser werden», fordert Salatic. (wie)

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