Ein Stadtberner drückt aufs Gaspedal

Von der U-21-Auswahl direkt an die Seite von Steve von Bergen: Gregory Wüthrich hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Nächstes Ziel des 19-Jährigen ist ein Profivertrag bei den Berner Young Boys.

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Fast zwei Meter gross, dunkler Teint, schmales Gesicht: Der schlaksige junge Mann in schwarzer Lederjacke und Converse-Turnschuhen könnte ohne weiteres ein Basketballspieler sein. Ist er aber nicht. Gregory Wüthrichs sportliche Liebe gilt seit jeher dem Fussball. Ob auf dem Schulhausplatz, auf wenig befahrenen Strässchen in Ausserholligen, wo er aufgewachsen ist, oder auf dem Sportplatz Steigerhubel: Gregory war meistens dabei, wenn die Quartierkinder Fussball spielten. Bald wechselte er vom kleinen Holligen 94 zum sportlich ambitionierteren SC Bümpliz 78. Als er 12 war, schloss sich der talentierte Nachwuchsspieler YB an – es war der Anfang einer Karriere, die bis zum heutigen Tag fast nur aufwärts ging.

Wüthrich war in allen Auswahlteams eine feste Grösse, zumeist kam er als Innenverteidiger zum Einsatz. In der U-21 machte ihn Trainer Joël Magnin zum Captain, um ihn aus der Komfortzone zu locken. «Gregory hat den Wink begriffen und mehr Verantwortung übernommen», sagt Magnin.

Auf der Überholspur

Auf die Rückrunde hin musste der Romand einen neuen Captain bestimmen; Wüthrich hatte während der Winterpause den nächsten Schritt getan. Dank guten Leistungen im Trainingslager in Spanien erkämpfte er sich einen festen Platz im Kader der ersten Mannschaft. Damit nicht genug: Nach den Abgängen von François Affolter (Luzern) und Dusan Veskovac (Toulouse) rückte der gebürtige Stadtberner in der internen Hierarchie sehr rasch auf.

Beim Rückrundenstart gegen den FC Thun bildete er in Abwesenheit des gesperrten Steve von Bergen mit Alain Rochat zusammen die Innenverteidigung. Die Coolness, mit der der 19-Jährige bei seinem Super-League-Debüt agierte, erstaunte. Er sei nur unmittelbar vor Spielbeginn kurz nervös geworden, erzählt Wüthrich. «Als der Match lief, habe ich schnell zu meinem gewohnten Spiel gefunden.» Er sei viel mit dem Ball gelaufen und habe versucht, schnelle und präzise Pässe zu spielen.

Der Mentaltest im Wallis

Wüthrichs Einstand war derart überzeugend, dass Uli Forte keine Bedenken hatte, ihn Ende Februar gegen den FC Sion anstelle der angeschlagenen Neuverpflichtung Milan Vilotic aufzustellen. Der Junioren-Internationale (U-20) war beim völlig missratenen Auftritt im Tourbillon (0:3-Niederlage) noch einer der Besten, was ihm jedoch nur ein schwacher Trost war. «Ich konnte nicht meine gewohnte Leistung abrufen», meinte er hinterher.

An Selbstkritik mangelt es dem talentierten Innenverteidiger ohnehin nicht, was auch Joël Magnin bestätigt, wenn er sagt: «Gregory ist ein intelligenter Mensch. Er hat gemerkt, dass er noch härter arbeiten muss, um weiterzukommen.» Wüthrich kennt seine Schwächen: «Ich bin ein paar Kilo zu leicht und muss in den Zweikämpfen noch mehr Aggressivität zeigen.» Gewichtsmässig hat er schon einiges zulegen können, seit er zusätzliche Einheiten im Kraftraum absolviert. Beim Zweikampfverhalten attestieren seine Trainer ebenfalls Fortschritte, fordern aber gleichzeitig, Wüthrich dürfe «ruhig noch etwas böser werden». Die Frage ist, ob er das auch wirklich kann.

Fussball ist sein Leben

Ein rasanter Aufstieg hat schon etlichen jungen Fussballern den Kopf verdreht. Bei Gregory Wüthrich macht sich Fredy Bickel diesbezüglich keine grossen Sorgen: «Er ist gut geerdet und ordnet dem Fussball alles andere unter.» Das sei schon früh so gewesen, sagt der junge YB-Spieler. Er habe immer Fussballer werden wollen. Was ihn nicht daran hindert, eine KV-Lehre zu absolvieren, die im Sommer zu Ende geht. Danach will Bayern-München-Fan Wüthrich «voll auf den Fussball setzen». Den ersten Profivertrag möchte er unbedingt bei YB unterschreiben. Mit jedem weiteren Match, den der Verteidiger bestreiten kann in der Rückrunde, steigen die Chancen auf den gewünschten Kontrakt.

Seinen dritten Match bestreitet Wüthrich mit grösster Wahrscheinlichkeit heute Abend in St. Gallen. Weil Vilotic nach der 8. Gelben Karte gesperrt ist, dürfte er – wie schon gegen Sion – mit von Bergen zusammen verteidigen. (Der Bund)

Erstellt: 15.03.2014, 10:56 Uhr

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