Ein Sonntag zum Vergessen

YB kassiert gegen GC eine brutale 0:4-Niederlage. Die Berner machen den Schiedsrichter zum alleinigen Sündenbock.

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Ruedi Kunz

Die Freude auf den Spitzenkampf war gross gewesen bei den Young Boys. Es gebe «nichts Schöneres», als in der aktuellen Konstellation gegen GC zu spielen, hatte Christoph Spycher frohlockt. Als der Match vorüber war, hatte die Stimmung komplett gekehrt. Wer immer sich von den Verlierern zu den ereignisreichen 94 Minuten äusserte, tat dies mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch.

Der Schiedsrichter habe die Gelben und Roten Karten «etwas zu locker zur Hand gehabt», schalt Renato Steffen, für den das Spiel schon unmittelbar vor der Pause zu Ende war nach zwei Verwarnungen. Michael Frey, der ebenfalls frühzeitig unter die Dusche geschickt wurde von Schiedsrichter Adrien Jaccottet, ärgerte sich fürchterlich über Roman Bürki. Der GC-Goalie habe immer wieder das Spiel verzögert. Irgendwann habe er Bürkis Spielchen satt gehabt und ihn leicht gerempelt. Dass er deswegen Gelb-Rot sehe, sei «ein Witz». Derweil hatte sich Steve von Bergen ins Feuer geredet, weil es ein Journalist gewagt hatte, zwei, drei kritische Fragen zu stellen. Abgeklärter gab sich Christoph Spycher. Doch auch der Captain sparte nicht mit Kritik. Drei Fehlentscheide habe der Schiedsrichter gefällt, ein jeder habe den Spielausgang beeinflusst. «Das ist extrem bitter.»

Zwei Trainer, eine Meinung

Angesichts der allgemeinen Erregung erstaunte es nicht, feuerte etwas später im Medienzentrum des Stade de Suisse auch Trainer Uli Forte eine Breitseite auf die Unparteiischen ab: «Sie haben für mich das Spiel entschieden. In einem solchen ‹Topgame› darf man die Gelb-Rote Karte gegen Steffen nicht geben.» Dieser Ausschluss habe den Match in eine andere Richtung gelenkt, befand der YB-Coach. Die Grasshoppers, welche 44 Minuten lang die schlechtere Mannschaft gewesen seien, hätten zusehends Oberwasser bekommen.

«Der Ausschluss gegen Steffen kam uns entgegen», bestätigte Michael Skibbe die Aussage seines Vorgängers bei GC. Der Deutsche sprach von «zwei spielentscheidenden Szenen». Unschwer zu erraten war, welches die zweite war: Dabburs nicht gepfiffene Offsideposition beim zweiten Zürcher Tor (80.).

Willkommene Projektionsfläche

Schiedsrichter Jaccottet war eine willkommene Projektionsfläche für die deutlich geschlagenen Gastgeber. Sie konnten ihn zum Sündenbock machen, ohne dass ihnen jemand ernsthaft widersprechen mochte, da der Basler und seine beiden Assistenten tatsächlich einige strittige Entscheidungen gefällt hatten. Wobei es festzuhalten gilt, dass sie eine schwierige Aufgabe zu lösen gehabt hatten, weil es auf dem wasserdurchtränkten Terrain zu vielen Rutschpartien kam.

Martínez’ Riesenchance

Was vor lauter Zeter-und-Mordio-Schreien beinahe vergessen ging: dass es die Young Boys mehrmals in den Füssen gehabt hätten, den Führungstreffer zu erzielen. Milan Gajic und Scott Sutter verfehlten vor der Pause. Die beste Möglichkeit bot sich schliesslich Josef Martínez in der 62. Minute, nachdem Bürki einen katastrophalen Pass geschlagen hatte. Der Berner im Zürcher Tor machte seinen Fehler mit einem phänomenalen Hechtsprung umgehend wieder gut.

Statt 1:0 für YB hiess es drei Minuten später 0:1. Der junge Bertone hatte nach einem Corner Gashis im Kopfballduell gegen Caio keine gute Figur gemacht. «Da waren wir einen Moment zu wenig aufmerksam», kritisierte Forte. Ansonsten hatte er nichts zu bemängeln, was doch einigermassen erstaunte nach der dritten Niederlage in den letzten vier Meisterschaftsrunden. Tatsache ist: YB kommt seit Wochen nicht mehr richtig vom Fleck und muss sich nun ganz darauf konzentrieren, einen der Tabellenplätze zu verteidigen, die Ende Saison zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigen. Tatsache ist weiter: Den Bernern fehlt es in der Rückrunde an Stabilität in der Abwehr und an Offensivleuten, die sich gegen aufsässige Verteidiger durchsetzen können.

DerBund.ch/Newsnet

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