Ein Rucksack voller Erwartungen

Ab heute ist die U21-Nati in Dänemark auf der Mission EM-Titel – das weckt auch weniger schöne Erinnerungen. DerBund.ch/Newsnet berichtet live ab 20.40 Uhr.

Elan, Vorfreude und Selbstvertrauen: Xherdan Shaqiri und seine Kollegen wollen in Dänemark für Furore sorgen.

Elan, Vorfreude und Selbstvertrauen: Xherdan Shaqiri und seine Kollegen wollen in Dänemark für Furore sorgen. Bild: Keystone

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Die Ausgangslage kommt nicht nur Aussenstehenden bekannt vor. Oder verdächtig. Auch Pierluigi Tami ist sie aufgefallen, und als der Trainer das erste Mal davon las, dass sein Team Favorit sein soll für die U-21-EM in Dänemark, sorgte er sich. Er redete seinen Spielern ins Gewissen, kaum hatte die Vorbereitung begonnen. Er erinnerte sie an das Jahr 2005, an die Reise der damaligen Schweizer Auswahl an die Junioren-WM in Holland mit viel Vorschusslorbeeren im Gepäck, unterstützt von Spielern ausserdem, die eben noch im A-Nationalteam gespielt hatten. Die Geschichte ist für Tami vor allem darum interessant und aufschlussreich, weil die Schweiz in Holland kläglich scheiterte.

Wie Barnetta, Senderos oder Vonlanthen damals sind heute Shaqiri, Affolter oder Mehmedi die Hoffnungsträger der Schweizer Mannschaft. Und der Rucksack ist gefüllt mit grossen Erwartungen. Die Spieler sind nicht unbeteiligt daran. Sie wollen Europameister werden, nichts weniger, weil in einem Turnier wie diesem mit acht Teams nur der Sieg das Ziel sein könne, so Goalie Yann Sommer. Xherdan Shaqiri fand gar, selbstbewusst wie er ist, die Qualifikation für den Halbfinal sollte kein Problem sein. Dazu sagt Sommer, in der U-21 wie beim FC Basel Shaqiris Teamkollege: «So zu denken, ist gefährlich.»

Ottmar Hitzfeld als Motivator

Gegen Dänemark beginnt heute für die Schweiz die EM (20.45, live auf SF 2), Island und Weissrussland sind die weiteren Gruppengegner. Und obwohl Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld angereist ist und die Mannschaft mit einer Rede vor Anpfiff motivieren will, ist diese zumindest gegen die Gastgeber Aussenseiter – 10 500 Zuschauer im Stadion von Aalborg (davon 250 Schweizer) dürften für eine einseitige Atmosphäre sorgen.

Trainer Tami beobachtete die Dänen viermal, zuletzt bei deren lockeren 4:0 am Montag in einem Test gegen die Türkei. Seine Erkenntnis: «Dänemark hat eine physisch starke Mannschaft mit grosser individueller Qualität. Sie tritt aggressiv und offensiv auf und will Fussball spielen.» Er vergleicht sie mit seinem eigenen Team.

Aufgepasst auf Ajax-Profi

Christian Eriksen von Ajax Amsterdam ist Dänemarks grosse Figur, der 19-jährige Mittelfeldspieler hat bereits 14 Einsätze mit dem A-Nationalteam hinter sich. Tami hat ziemlichen Respekt vor dem beidfüssigen Regisseur mit Erfahrung auf Ebene Champions League und WM, aber längst nicht allein vor ihm. Auch Stürmer Nicki Nilsen (Villarreal) und ganz besonders Verteidiger Mathias Jörgensen (FC Kopenhagen) haben den Tessiner beeindruckt. Dafür müssen die Dänen auf den am Kreuzband verletzten Stürmer Sören Frederiksen verzichten – ihn ersetzt QuasiNamensvetter Frederik Sörensen.

Tami sagt: «Was den Gegner betrifft, haben wir getan, was wir tun konnten.» Auf Video führte er seinen Spielern Stärken und Schwächen der Dänen vor, sodass danach Mittelfeldspieler Moreno Costanzo fand: «Um die Qualität Dänemarks wissen wir, nun können wir uns auf unser Spiel konzentrieren.»

Shaqiri-Kollektion auf Video

Und sie wüssten aus Erfahrung, sagt Tami, dass dies genug sein kann. Schweden, in der EM-Barrage Gegner der Schweiz gewesen, spiele einen ähnlichen Fussball wie Dänemark, erläutert der Trainer – in Hin- und Rückspiel setzten sich die Schweizer 5:1 durch. Dagegen taten sie sich in der Qualifikation schwer, wenn sie auf ein gut strukturiertes, defensiv kompaktes Team trafen. Island im zweiten Gruppenspiel wird diesem Schema eher entsprechen. Die offensive Spielart mag gegen Dänemark mehr Risiken bergen als gegen Island, Tami aber sagt: «Ich kann nicht vor die Mannschaft treten und sagen: ‹Seid vorsichtig!› Wir sind ambitioniert, also spielen wir offensiv.» 1985 hat eine Schweizer U-21 letztmals gegen Dänemark verloren.

Der dänische Coach Keld Bordinggaard erkennt die Gefahr, die von der Schweiz ausgeht; seinerseits hat er den Spielern eine Kollektion der besten Shaqiri-Szenen gezeigt. Was für die Dänen Eriksen, ist für die Schweizer der quirlige Basler: das auffällige Element. Entsprechend steht er im Rampenlicht. Shaqiri wird neben einigen Spaniern ( Juan Mata, Thiago Alcantara, Bojan Krkic oder David de Gea), dem Isländer Gylfi Sigurdsson, dem Weissrussen Andrei Jarmonlenko oder den Engländern Daniel Welbeck und Jordan Henderson als potenzieller Star des Turniers gehandelt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2011, 16:07 Uhr

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U21-EM in Dänemark

Schweizer Aufgebot. Tor: Kevin Fickentscher, Benjamin Siegrist (Aston Villa/0/0), Yann Sommer (Basel/26/0). - Verteidiger: François Affolter (Young Boys/7/1), Gaetano Berardi (Brescia/15/0), Fabio Daprelà (Brescia/7/0), Timm Klose (Thun/7/0), Philippe Koch (Zürich/13/1), Daniel Pavlovic (Grasshoppers/14/0), Jonathan Rossini (Sassuolo/18/1). - Aufbau/Sturm: Amir Abrashi (Grasshoppers/7/0), Nassim Ben Khalifa (Nürnberg/7/1), Moreno Costanzo (Young Boys/9/1), Innocent Emeghara (Grasshoppers/3/4), Frank Feltscher (Bellinzona/23/4), Fabian Frei (St. Gallen/17/4), Mario Gavranovic (Schalke/9/3), Pajtim Kasami (Palermo/8/1), Fabian Lustenberger (Hertha Berlin/20/2), Admir Mehmedi (Zürich/5/1), Xherdan Shaqiri (Basel/2/0), Granit Xhaka (Basel/1/0), Xavier Hochstrasser (Padova/16/2).

Spielplan, Gruppe A. 1. Spieltag. Samstag, 11. Juni, 18 Uhr: Weissrussland - Island (in Aarhus). 20.45: Dänemark - Schweiz (Aalborg). - Dienstag, 14. Juni, 18 Uhr: Schweiz - Island (Aalborg). 20.45 Uhr: Dänemark - Weissrussland (Aarhus). - Samstag, 18. Juni, 20.45 Uhr: Island - Dänemark (Aalborg), Schweiz - Weissrussland (Aarhus). - Alle Spiele der Schweizer werden von SF2 live übertragen.

Gruppe B. 1. Spieltag. Sonntag, 12. Juni, 18 Uhr: Tschechien - Ukraine (Viborg). 20.45 Uhr: Spanien - England (Herning). - Mittwoch, 15. Juni, 18 Uhr: Tschechien - Spanien (Viborg). 20.45 Uhr: Ukraine - England (Herning). - Sonntag, 19. Juni, 20.45 Uhr: England - Tschechien (Viborg), Ukraine - Spanien (Herning).

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