Ein Knall in der Kabine des FC Basel

In Basel will die neue Führung auf junge Spieler setzen. Jetzt, vor dem Spiel gegen GC, beklagt der noch neuere Trainer die vielen Jungen im Kader.

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Ungewöhnlich laut wurde es in der Garderobe des FC Basel. So laut, dass wartende Journalisten bis in die Medienzone des St.-Jakob-Parks das Brüllen von Marco Streller durchzuhören glaubten. Als gesichert darf gelten, dass der Basler Sportchef gründlich angesäuert war nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen Neuchâtel Xamax.

Strellers Wut wird nicht allein mit dem blutleeren Auftritt gegen den Aufsteiger zu tun gehabt haben. Es geht am Rhein derzeit ja um mehr als bloss ein knappes Dutzend Punkte Rückstand auf Leader YB hier oder einen verpassten europäischen Wettbewerb dort. In Basel sind Club und Stadt noch immer dabei, sich daran zu gewöhnen, dass sie den Schweizer Fussball nicht mehr nach Belieben dominieren.

Es ist so etwas wie der Tod einer Dynastie, der in der Nordwestschweiz verarbeitet werden muss. Die Basler folgen dabei bislang recht exakt der Theorie der «fünf Phasen des Sterbens», die 1969 von der Zürcher Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross aufgestellt wurde.

Im Hintergrund läuft Phase drei an: das Verhandeln

Phase eins: das Nicht-Wahrhaben-Wollen. Beim FCB dauerte sie recht lange. Erst als die sportliche Führung im Mai glaubte, das 5:1 gegen mit Restalkohol von der Meisterparty angetretene Young Boys erlaube einen Rückschluss auf die Stärkeverhältnisse der beiden Teams. Und als sie danach im Sommer in Person des Sportchefs erklärte: «Wir halten dieses Kader für gut genug. Definitiv.»

Nun also Phase zwei: Zorn. In Basel richtete sich dieser am letzten Sonntag zunächst einmal gegen die eigenen Spieler, denen ziemlich direkt die nötige Professionalität abgesprochen wurde. Erst hielt Streller fest, es sei ihm «schleierhaft», wieso sein Team «lethargisch» gewirkt habe. Und gleich darauf stellte Trainer Marcel Koller seinen Untergebenen via Pressekonferenz die Frage: «Wie sieht es mit dem eigenen Antrieb aus, mit der Leidenschaft, alles rauszuhauen?»

So weit zum heiligen Zorn der Führungsriege. Doch im Hintergrund dürfte bereits Phase drei anlaufen: das Verhandeln. Es ist ja einerseits nicht so, dass sich die Spieler von allein beim FC Basel zusammengefunden hätten. Sie wurden angestellt von einer sportlichen Leitung, die nicht nur mit dem Versprechen angetreten ist, attraktiven Fussball zu zeigen. Sondern dabei auch aufbesonders viele junge Fussballer zu setzen – am besten mit lokalem Hintergrund.

Koller: «Es soll keine Ausrede sein, aber . . .»

Andererseits hat eben diese sportliche Führung kurz nach dem missratenen Saisonstart mit Raphael Wicky jenen Trainer entlassen, der diese Verjüngungskur klaglos mitgetragen hat. Verpflichtet hat sie einen Nachfolger, der sich in seiner bisherigen Karriere noch nicht dem Vorwurf ausgesetzt sah, zu sehr auf junge Spieler zu setzen.

Von Anfang an war es darum eine der Hauptfragen, die Marcel Kollers Engagement begleitete: Wie lange würde es dauern, bis er auf erfahrenere Spieler drängt – und damit das Konzept infrage stellt, das beim Verkauf des FCB an Bernhard Burgener präsentiert worden ist?

Nach dem ernüchternden Auftritt gegen Xamax hat Koller nun doch recht unverblümt seine Zweifel daran formuliert, ob das Kader genügt, um die angestrebten Ziele zu erreichen: «Auf der einen Seite ist da der Anspruch beim FC Basel mit all den Erfolgen der letzten Jahre, und auf der anderen finden wir hier junge Spieler vor, die talentiert sind, die aber auch Zeit benötigen.» Und dann rechnete Koller schnell vor: «Es soll keine Ausrede sein, aber am Schluss standen sechs Spieler auf dem Platz, die um die 20 Jahre alt sind.»

Das ist die Rechnung aus Sicht des Trainers. Es gäbe noch eine andere: Für drei dieser jungen Spieler hat die neue FCB-Führung die Kleinigkeit von etwas über 10 Millionen Franken ausgegeben. Und doch darf sich vom Trio Albian Ajeti, Dimitri Oberlin und Aldo Kalulu nur Stürmer Ajeti als Stammspieler fühlen.

Effekte des Trainerwechsels sind verpufft

Es gibt noch eine weitere Rechnung: Kollers Startfurioso mit sechs Siegen aus sechs Spielen ist vorbei. In den folgenden acht Partien – Cup ausgenommen – holte der FCB noch zwei Siege und vier Unentschieden.

Die beiden Niederlagen in dieser Achter-Serie hatten es in sich: Erst wurde gegen ein Team von Zypern die Europa League verpasst. Danach war da das schallende 1:7 in Bern. Spielerisch stagniert Basel auch unter Koller – und die Abwehr ist wieder so fehleranfällig wie unter Wicky.

Die letzten beiden Phasen, die Basel laut Kübler-Ross noch bevorstehen, heissen «Depression» sowie «Akzeptanz». Marco Streller jedenfalls stellte nach seinem Besuch in der Basler Kabine fest: «Vom Meistertitel müssen wir nicht sprechen.» Das klingt schon recht nach Phase fünf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2018, 16:18 Uhr

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