«Dzemaili kann ein sehr interessanter Spieler werden»

Ottmar Hitzfeld bietet für das Spiel gegen Österreich mit Ben Khalifa und Affolter zwei Neulinge auf. Und erhofft sich mehr Tore aus dem Mittelfeld, zum Beispiel von Italien-Söldner Blerim Dzemaili.

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Weil Frei verzichtet, Huggel, Nkufo und Magnin zurücktraten, muss Hitzfeld vermehrt auf die Karte Jugend setzen. Neben den beiden Neulingen Nassim Ben Khalifa (Wolfsburg) und François Affolter (Young Boys) stehen mit Blerim Dzemaili (Parma) und Valentin Stocker (Basel) zwei Rückkehrer im ersten Aufgebot nach der WM für das Testspiel am nächsten Mittwoch in Klagenfurt gegen Österreich. Ottmar Hitzfeld erklärte im kleinen Kreis im Haus des Fussballs in Muri bei Bern seine Gedanken.

Rücktritte von Huggel und Nkufo: «Ich habe Verständnis für einen Spieler, der mit 33 Jahren etwas mehr Erholung braucht zwischen den einzelnen Spielen. Zusätzliche Belastung mit den Länderspielen wäre dabei sicherlich zu gross. Bei Nkufo war es klar, dass jemand, der von Europa in die USA wechselt, kaum mehr ein Thema ist.»

Linker Aussenverteidiger: «Magnin will sich auf den FC Zürich konzentrieren. Aber wenn Not am Mann ist, steht er uns noch immer zur Verfügung – wie auch Christoph Spycher. Wir haben mit Reto Ziegler einen sehr guten Spieler für diese Position. Aber dahinter fehlen die Alternativen, es gibt nur junge Spieler, denen die Erfahrung fehlt wie Rodriguez vom FCZ oder auch Daprelà. Wenn er bei West Ham Stammspieler ist, dann wird er sicher zum Thema werden. Shaqiri sehe ich mehr in der Offensive. Es wäre eine mutige Variante, ihn als Verteidiger aufzustellen.»

Alex Frei: «Er hat noch immer Probleme mit dem Sprunggelenk nach seiner Verletzung. Er wird noch immer fitgespritzt und war auch gestern nochmals in der Behandlung. Er hat mich deshalb gebeten, dass ich ihn für den 11. August nicht aufbiete. Er will seine Verletzung auskurieren. Dafür habe ich Verständnis.»

Verteidiger-Engpass: «Wir haben ein Problem im Abwehrbereich, deshalb sind auch nur fünf Verteidiger im Aufgebot. Mario Eggimann war in der Vorbereitung verletzt, hatte wieder Probleme mit dem Rücken. Und Steve von Bergen hat noch immer keinen Klub. Ich gehe aber davon aus, dass bald unterschreiben wird, auch wenn es sich noch bis zum 31. August hinziehen kann. François Affolter haben wir schon in der Vergangenheit beobachtet. Er hat einen Stammplatz bei YB und spielt regelmässig. Vielleicht werde ich ihn ins kalte Wasser werfen und er spielt von Beginn an. Senderos ist schon wieder voll im Training und Grichting hatte schon einen Kurzeinsatz. Ich möchte ihnen das Vertrauen schenken. Und schliesslich können auch Gelson Fernandes und Valon Behrami in der Verteidigung spielen.»

Nassim Ben Khalifa: «Fünf Spieler, die noch U-21 spielen könnten, sind dabei. Man kann so jungen Spielern eine Gelegenheit geben, Erfahrungen zu sammeln. Und auch ich erhalte einen Eindruck, deshalb will ich sie auch spielen lassen. Ben Khalifa wird sicher einen Teileinsatz haben. In Zukunft wird es auch davon abhängen, wie er in Wolfsburg zum Einsatz kommen wird.»

Sturm gegen Österreich: «Derdiyok wird gegen Österreich Nkufo als Stossstürmer ersetzen. Aber wir müssen flexibel sein. Derdiyok kann auch als hängende Spitze spielen oder über die Seite kommen. Auch Streller ist weiterhin ein Thema, wenn er in Form kommt nach seiner Verletzung. Vielleicht bringe ich gegen Österreich auch Yakin von Beginn an. Es ist schön, dass er uns weiterhin zur Verfügung steht.»

Huggels Ersatz: «Schwegler war bis jetzt im zweiten Glied. Aber ich habe Frankfurt gegen Chelsea gesehen, wo er mir 65 Minuten im defensiven Mittelfeld gut gefallen hat. Er hat auch eine gewisse Passsicherheit und Passgenauigkeit. Aber auch Dzemaili, der wieder dabei ist, kann sehr interessant werden, wenn er regelmässig spielt. Im zentralen Mittelfeld braucht man unbedingt Spielpraxis. Auch Margairaz, wenn er beim FCZ eine Leaderrolle übernimmt, oder Salatic bei GC sind im weiten Feld und werden genau beobachtet. Aber zunächst wird Schwegler spielen, und auch Dzemaili wird zum Einsatz kommen. Ob er von Beginn zum Einsatz kommt, hängt von der Form ab.»

Mittelfeld: «Ich habe im Mittelfeld viele Spieler im Blickfeld. Wer in der besten Verfassung ist, der hat auch eine Chance. Ich wünsche mir Mittelfeldspieler, die auch Tore schiessen. Da haben wir einen Nachholbedarf. Da schiessen wir zu wenig Tore. Immer, wenn ich am Montag die Liste mit den Einsätzen bekomme, hoffe ich, dass ein Mittelfeldspieler ein Tor geschossen hat. Inler hat sicher das Potential. Er kann noch einen ganz grossen Schritt machen, wenn er mehr Torgefahr an den Tag legt. Dafür muss er etwas egoistischer sein. Das ist die Möglichkeit von Stocker. Es gibt Spieler, die den Instinkt haben. Er kann unsere Torgefahr erhöhen.»

Zum Schweizer Spiel der Zukunft: «Wir müssen uns etwas mehr zutrauen, vielleicht nochmals aufziehen, statt aus 18 Metern zu schiessen – wie die Spanier das machen. Auch wenn wir uns nicht mit Spanien vergleichen können. Gegen Honduras hatten wir etwas Nerven gezeigt. Wir müssen wieder frecher und mutiger werden. Grundsätzlich müssen wir die guten Dinge beibehalten und in der Offensive die Effizienz, das Durchsetzungsvermögen und die Kaltschnäuzigkeit wieder verbessern. Wir müssen defensiv weiterhin eine gute Ordnung haben, davon lebte die Schweiz in den vergangenen Jahren. Wir können nicht offensiv spielen und in Konter laufen und dann 3:5, 3:6 oder 1:4 verlieren.»

Der Neustart nach der WM: «Die WM-Qualifikation 2010 war ein grosses Ziel, das wir erreicht haben. Jetzt steht die EM-Qualifikation 2012 an. Jeder muss sich wieder hinterfragen. Wir können nicht einfach zur Normalität übergehen. Es ist eine neue Bestätigung, deshalb ist es auch ein Neustart. Aber es wäre natürlich der verkehrte Ansatz, alles zu verändern. Ich erwarte eine grossen Leidenschaft und ein grosses Engagement. Und wir müssen weiter an der Winnermentalität arbeiten.»

Dritter Goalie: « Da wir jetzt nur ein Spiel haben, wollte ich ohnehin nur zwei Goalies aufbieten. Für die nächsten Länderspiele müssen wir uns dann Überlegungen machen. Wir sind auf der Suche. Wenn Leoni beim FCZ nicht spielt, wird er es nicht sein. Und auch Sommer spielt bei Basel nicht. Auch Frei in den USA (Der Ostschweizer Stefan Frei spielt in der MLS bei Toronto; Anm. d. Red.) steht unter unserer Beobachtung.»

Ziele gegen Österreich: «Ich kann jungen Spielern eine Chance geben. In einem Test kann man auch etwas experimentieren, ich kann sie ins kalte Wasser werfen. Aber auch das Resultat wird wichtig sein. Sonst heisst es dann, dass wir schon wieder verloren haben. Die EM-Qualifikation wird nicht einfach. Bulgarien oder Wales sind auf Augenhöhe, Siege sind keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen auch wieder Selbstvertrauen haben und die Effizienz verbessern. Die Spieler können in einem solchen Spiel an die Grenze der Belastbarkeit gehen, auch wenn sie noch in der Saisonvorbereitung sind. Einzig bei der Technik muss man dann einige Abstriche machen. Aber ich sehe die Ideen und die Duchschlagskraft.»

DerBund.ch/Newsnet

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