Die grosse Abrechnung

Obwohl die Bundesliga noch pausiert, adeln sowohl ein Star als auch die Medien Bayerns neuen Trainer Carlo Ancelotti. Wie muss sich da sein Vorgänger Pep Guardiola bloss vorkommen?

Hinterliess in Deutschland einen zwiespältigen Eindruck: Pep Guardiola.

Hinterliess in Deutschland einen zwiespältigen Eindruck: Pep Guardiola.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Pep Guardiola, der zweimalige Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona, wurde bei seiner Ankunft in München wie ein Messias gefeiert. Doch nach seinem Abgang zu Manchester City hinterlässt der Katalane in Deutschland einen zwiespältigen Eindruck. Es menschle wieder, meinte «Spiegel online» nach der Präsentation des Italieners Carlo Ancelotti in München. Beim deutschen Rekordmeister sei jetzt alles wieder etwas normaler, bodenständiger, geerdeter.

In der Tat: Viele Journalisten konnten sich in Deutschland mit dem Katalanen nie so richtig anfreunden, war er im Umgang mit der Presse doch eher unterkühlt und gab vorwiegend bei offiziellen Medienterminen des Clubs Auskunft. Bayern-Legende Lothar Matthäus hat in einem Ranking der Bayern-Trainer Pep Guardiola lediglich auf den sechsten Rang gesetzt.

«Das geht einfach nicht»

Und Fritz von Thurn und Taxis, TV-Kommentator bei Sky und Bayern-Experte, erklärte in einem Interview mit der «Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen», Guardiola sei für ihn eine Sphinx und durch und durch rätselhaft gewesen. «Ich bin sehr skeptisch, wenn ich über Guardiola als Mensch und Vertreter des FC Bayern urteilen soll. In dieser Hinsicht hat er wenig dazu beigetragen, eine Legende zu werden.» Rein sportlich und im Sinne von einer systematischen Entwicklung der Mannschaft gehöre er aber zum Besten, was es je beim FC Bayern gegeben habe. «Wie er die Spieler besser gemacht hat, ist schon aussergewöhnlich.»

Von Thurn und Taxis verriet, dass er als Sky-Kommentator in den drei Jahren mit Guardiola nicht einen einzigen Satz habe sprechen können. Das sei höchst ungewöhnlich, nicht üblich und Guardiola auch anzukreiden. «Wenn ich als Ausländer in ein neues Land komme, muss ich mich ein bisschen der Kultur und der Tradition dieses Landes und des Vereins anpassen. Das hat Guardiola nie getan. So haben wir Journalisten immer über ihn gesprochen, aber nie mit ihm. Das geht einfach nicht.»

Auch Ribéry tritt nach

Die Hierarchen des Vereins würden sehr froh sein, dass diese Zeit vorbei sei, weil es mit Guardiola nicht immer leicht gewesen sei, mutmasst von Thurn und Taxis. «Auch die Verantwortlichen hatten ja kaum Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Guardiola hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen, ist vor seinem Computer gesessen und hat den Gegner nicht drei- oder viermal beobachtet, sondern sechs- oder siebenmal.»

Die Journalisten sind über Guardiolas Abgang offensichtlich nicht traurig. Was allerdings überrascht, ist, dass beispielsweise der französische Star Franck Ribéry, der unter Guardiola immerhin drei Meistertitel und einen Pokalsieg errang, jetzt gegen seinen ehemaligen Trainer nachtritt, obwohl ihm dieser auch nach langen Verletzungspausen immer wieder das Vertrauen schenkte.

«Ich brauche Menschen wie Ancelotti»

Der 33-jährige Franzose gerät gegenüber dem «Kicker» geradezu ins Schwärmen, wenn er über den neuen Trainer Carlo Ancelotti spricht. «Ich fühle mich frei, voll motiviert. Carlo Ancelotti ist ein Geschenk für den Verein», sagt Ribéry. «Unter Ancelotti spüre ich endlich wieder Vertrauen, er ist ein grossartiger Trainer. Ich brauche Menschen wie ihn, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld.» Mit Ancelotti könne der Club Grosses schaffen.

Was Ribéry meinte, aber nicht aussprach: Guardiola schaffte in drei Jahren nicht das, was sein Vorgänger Jupp Heynckes erreicht hat: nämlich das Triple zu gewinnen. Damals notabene mit Franck Ribéry.

DerBund.ch/Newsnet

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