Die Young Boys und die alte Leier

Trotz einer 2:0-Führung kann YB im Letzigrund nicht gewinnen und spielt gegen GC 2:2.

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Wie heisst schon gleich das Wort, das so treffend wieder einmal die Vorstellung der Young Boys im Letzigrund umschreibt und das kein YB-Fan hören will? Ver . . ., veryou . . ., zu dumm, es ist uns entfallen.

Erst einmal in 11 Spielen haben die Young Boys in diesem Jahr verloren. Doch an dem Tag, da der FC Basel mit ­einer überraschenden Heimniederlage gegen den FC Luzern aufwartete, waren die Berner wieder einmal nicht in der Lage, ein Zeichen zu setzen und wenigstens wieder auf sieben Punkte zum ­Leader aufzuschliessen. Trotz einer 2:0-Führung bei den Grasshoppers vergab YB in der Nachspielzeit den Sieg und muss sich beim 2:2 mit einem Punkt ­begnügen.

Der Frust war hinterher in die Gesichter der Young Boys geschrieben. Wieder einmal hatten sie es nicht geschafft, von einem Lapsus der dominierenden Mannschaft der Liga zumindest ein bisschen zu profitieren. «Auch wenn wir GC geschlagen hätten, wäre der Rückstand ­immer noch 7 Punkte», versuchte YB-Trainer Uli Forte die Situation zu relativieren. «Wir müssen nicht auf Basel schauen. Wir müssen solche Spiele ­einfach gewinnen.»

Während 70 Minuten, so der YB-Trainer, hätten sie alles im Griff gehabt. «Aber ein Spiel dauert eben nicht 70 ­Minuten. Wir haben die Führung leichtfertig aus den Händen gegeben.» Und Forte anerkannte: «GC hat den Punkt verdient, die GC-Spieler haben sich bis zum Schluss voll reingehängt.»

Die Rage des YB-Captains

Captain Steve von Bergen war auch ­Minuten nach dem Spiel noch sichtlich aufgebracht. «Wir haben uns selbst geschlagen», sagte er zum Unentschieden. Nach der 2:0-Führung hätten sie sich zu stark zurückgezogen. «Aber dann muss man aggressiv spielen. Wir zeigten jedoch zu wenig Aggressivität im Mittelfeld. Das Gegentor zum 2:2 ist unglaublich. Caio kam völlig frei zum Torschuss.»

Von Bergen vermied es tunlichst zu erwähnen, dass Caio sich in dieser Situation im Strafraum einfach im Rücken von Zárate abgesetzt hatte und völlig frei stehend an den Ball kam. Ein derartiges Abwehrverhalten wird zwangs­läufig bestraft.

Schon beim ersten Treffer der Grasshoppers in der 72. Minute war die Abwehrarbeit ungenügend gewesen. Hoarau, der in dieser Situation auf Caio traf, liess den Brasilianer ungehindert flanken, und in der Mitte kam Ravet vor den YB-Abwehrspielern an den Ball. Es war ein Tor mit Folgen. Denn mit dem 1:2 verlor YB die Kontrolle über das Spiel, zitterte fortan bei jedem Angriff der Zürcher, die nun Kräfte freimachten. Forte wechselte mit Sanogo für Stürmer Gerndt einen Defensivspieler ein, doch YB wirkte nun verängstigt, verunsichert, verwirrt. Vor dem Tor von Mvogo spielten sich turbulente Szenen ab. Ravet traf mit seinem Schuss den Rücken von YB-Abwehrchef von Bergen, von dort klatschte der Ball an die Latte (83.). Bei einem Schuss von Tarashaj prallte der Ball an die Ferse und von dort an die Hand des YB-Captains. Dass Schiedsrichter Amhof in dieser Szene nicht auf ­Elfmeter entschied, war ein richtiger Entscheid. Aber zuvor, in der 51 Minute, da hatte YB Glück. Von Bergen war zu Boden gegangen, und der Ball prallte nach einem Schuss von Vadocz an seinen Arm. Selbst Von Bergen räumte ein: «Da kann der Schiedsrichter Penalty pfeifen.»

Bei YB herrscht nach diesem 2:2 Gesprächsbedarf. Dabei schien zuerst alles für die Berner zu laufen. Mit dem ersten Torschuss nach einem perfekten Konter und Assist von Steffen waren sie in der 27. Minute durch Kubo in Führung gegangen. Und nach der Pause traf der eingewechselte Hoarau nach 12 Sekunden auf Flanke von Gerndt zum 2:0, der Weg zum Sieg schien frei. Wegen Adduktorenbeschwerden hatte Forte den Top­skorer vorerst auf die Ersatzbank gesetzt. Und muskuläre Probleme waren laut dem YB-Trainer auch der Grund, weshalb er Steffen in der 64. Minute durch Zárate ersetzt hatte. Forte sagte dazu: «Ich wollte kein Risiko eingehen. Hätte sich Steffen verletzt, hätte ich mir die Finger abgebissen.»

Am Schluss aber wirkte YB dennoch angeschlagen. Nicht an den Füssen, es schmerzte anderswo, in der Seele.

Hier geht es zum Live-Ticker des Spiels.

Der Bund

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