Genial, besessen, unberechenbar

Als Talent davongejagt, jetzt zurückgeholt: Die verrückte Karriere von Paul Pogba, der jetzt der teuerste Fussballer aller Zeiten ist.

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Yannick Wiget@yannickw3

Der Wechsel von Paul Pogba ist nicht nur wegen seiner Rekordablösesumme verrückt: Rund 114 Millionen Franken überweist Manchester United an Juventus Turin – so viel wie noch kein Verein in der Geschichte des Fussballs. Und das ausgerechnet für einen Spieler, den die Engländer einst ablösefrei ziehen liessen, ja beinahe wegjagten.

«Es wäre mir am liebsten,
Pogba wäre weit weg.»
Alex Ferguson, damaliger Trainer von Manchester United

Pogba erlebte in Manchester seine Feuertaufe. United löste ihn im Alter von 16 von Le Havre, wo er die renommierte Nachwuchsakademie besuchte. Die Franzosen weigerten sich zunächst, ihn gehen zu lassen. Die Engländer boten 15’000 Euro Monatsgehalt – für einen Teenager. Der Fall beschäftigte Anwälte, Verbände und Medien, am Ende fand man eine Einigung.

Doch Pogba wurde in Manchester nicht glücklich. Er überwarf sich mit dem damaligen Trainer Alex Ferguson, der den älteren Paul Scholes auf seiner Position bevorzugte. Der Franzose machte nur sieben Spiele für die Profis, beschwerte sich lautstark, forderte mehr Gehalt und wurde zu Einzeltrainings verdonnert. «Er hat es uns gegenüber an Respekt vermissen lassen. Es wäre mir am liebsten, Pogba wäre weit weg», sagte Ferguson. 2012 verliess die 19-jährige Nachwuchshoffnung United ablösefrei Richtung Turin.

Technisch beschlagen und sehr torgefährlich: Paul Pogba. (Video: TA/lko)

Dort wurde Pogba schnell Stammspieler und Stütze eines Teams, mit dem er viermal hintereinander die italienische Meisterschaft gewann. Der Franzose mit der auffälligen Irokesenfrisur, mittlerweile auch einer der wichtigsten Spieler in der Nationalmannschaft, avancierte zu einem der begehrtesten Fussballer auf dem Markt.

In Turin nannten sie ihn «Polpo Paul» («Paul, den Kraken») – wegen seiner langen Beine, aber auch, weil er überall auf dem Platz seine Füsse im Spiel zu haben scheint. Pogba ist nicht nur technisch beschlagen, sondern auch ein Dauerläufer und grosser Kämpfer. Zudem hat er eine unglaubliche Übersicht und fällt immer wieder mit genialen Aktionen auf. Ganz nebenbei verfügt Pogba noch über einen harten Schuss und erzielt Tore aus grosser Distanz, was ihm den anderen Spitznamen «Pogboom» eingebracht hat.

Zeigt Pogba als Junior bei Le Havre: Tweet einer französischen Newsseite.

Fussballspielen lernte Pogba auf einem Betonplatz nahe seinem Elternhaus in Lagny-sur-Marne, einem Ort 40 Kilometer vom Eiffelturm entfernt. Dort verbrachte er die Nachmittage zusammen mit seinen älteren Geschwistern, den Zwillingen Mathieu und Florentin, die ebenfalls Profifussballer sind, aber für Guineas Nationalelf auflaufen. Der Legende nach hatte Paul in der Schule stets einen Fussball dabei, den er unter dem Pult verwahrte, bis die Pause anbrach.

Heute zählt der 23-Jährige zu den besten Mittelfeldspielern der Welt, auch weil er zuweilen wie eine Walze alles aus dem Weg räumt. Seine Brüder gaben ihm einst den Namen «la pioche», die Spitzhacke. La Pioche ist eine Figur einer TV-Serie, die oft im Hause Pogba lief. Die Spitzhacke hüpft herum und macht die Stadt platt. Das passe gut zu ihm, sagte Pogba einmal.

Der Franzose ist ein Balleroberer, Ballverteiler und Ballverwerter und damit genau der Spielgestalter mit ­Zukunft, den Manchester United seit geraumer Zeit suchte. Eigentlich hatten sie ihn ja schon. Dass sie nun die Rekordsumme von 114 Millionen Franken für ihn zahlen müssen, dürfte die Verantwortlichen ärgern. Anmerken lassen sie es sich nicht.

Unter dem Hashtag «#Pogback» feiert der englische Spitzenclub die Rückkehr des verlorenen Sohnes. «Ich freue mich, wieder zu United zurückzukehren. Es war immer ein Club mit einem besonderen Platz in meinem Herzen», sagte Pogba. «Ich fühle, es ist der richtige Augenblick, um nach Old Trafford zurückzukommen.»

«Ich möchte eine Legende werden wie Pelé oder Maradona.»Paul Pogba

Mit dem Wechsel ist Pogba der teuerste Fussballer aller Zeiten. Das passt zu einem, der schon immer ein Mann der Superlative gewesen ist. «Ich möchte eine Legende werden wie Pelé oder Maradona. Oder mehr als das», sagte er vor ein paar Monaten in einem Interview mit der italienischen Zeitung «La Republica».

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber Pogbas an Besessenheit grenzender Drang, sich zu verbessern, wird ihm sicher dabei helfen. Bei Juventus stand dem Franzosen ein eigener Physiotherapeut zur Verfügung, ausserdem beschäftigte er einen Ernährungsberater, der wiederum dem Privatkoch Empfehlungen gab, den er ebenfalls beschäftigte. Wer weiss, was Krake Paul in Zukunft noch alles an sich reisst, wenn er weiterhin so professionell arbeitet.

DerBund.ch/Newsnet

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