«Die Mentalität hat sich stark verbessert»

Mit dem Derby in Thun beenden die Young Boys die Saison. Trainer Adi Hütter zieht Bilanz.

YB-Trainer Adi Hütter hat ein klares Credo, das seine Arbeit bestimmt: «Es zählen die Siege.»

YB-Trainer Adi Hütter hat ein klares Credo, das seine Arbeit bestimmt: «Es zählen die Siege.» Bild: Keystone

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Adi Hütter, genau 30 Jahre ist es her, seit YB letztmals Meister wurde. Haben Sie von diesem «Jubiläum» auch etwas mitbekommen?
Die Historie des Clubs ist mir bekannt. Sie begleitet uns, schwebt über unseren Köpfen. Aber sie belastet mich nicht.

Jean-Marie Conz, der Meister-Captain von 1986, hat gesagt, die damalige Mannschaft habe sich unschlagbar gefühlt. Das ist für YB heute Wunschdenken.
Ich kann nicht beurteilen, wie gut die Qualität der Schweizer Fussball-Liga vor 30 Jahren war. Die Aktiven von damals dürfen zu recht stolz sein auf ihre Erfolge. Doch das lässt sich nicht mit heute vergleichen. Für uns geht es darum, YB jetzt ein gutes Gesicht zu geben.

Ist YB dabei auf Kurs?
Wir sind auf einem guten Weg und haben mehrere Siegesserien hingelegt, auch die Niederlagen haben uns nie aus der Bahn geworfen. Man sieht in dieser Saison einfach wieder, dass der FC Basel in der Schweiz ein grosses Kaliber ist. Er hat schon über 80 Punkte geholt, das ist beeindruckend.

Der letzte Vergleich mit Basel hat die Defizite aufgezeigt, die YB weiterhin hat. Was haben Sie zur Pause gedacht, als es 0:3 stand?
Ich habe mich über alle drei Fehler geärgert, die zu den Basler Toren geführt haben. Am meisten hat mich aber der dritte Gegentreffer gestört. Wenn wir nur mit einem 0:2 in die Pause gegangen wären, hätten wir noch eine Chance gehabt. Ein Kompliment mache ich dem Team für das Verhalten danach, für die Reaktion, dank der wir noch auf 2:3 verkürzen konnten.

Sie arbeiten nun neun Monate bei YB. In welchen Belangen hat die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht?
Dafür gibt es mehrere Beispiele, vor allem in der Rückrunde. Wir haben im Frühjahr gegen sogenannt kleinere Gegner wie Lugano oder Vaduz viel mehr gepunktet. Wir haben attraktiv nach vorne gespielt und viele Tore erzielt. Und wir haben das umgesetzt, was ich im Herbst noch kritisieren musste. Es zählen die Siege, die Unentschieden bringen ein Team nicht weiter. Was das betrifft, hat sich die Mentalität stark verbessert.

Und das hat auch zu einer besseren Auswärtsbilanz geführt.
Wir waren im Herbst in der Auswärtstabelle nur auf Platz 5 klassiert. Doch wer vorne dabei sein will, muss auch auf fremden Plätzen gewinnen. Wir dürfen uns nicht nur auf die starke Bilanz auf dem Kunstrasen verlassen. In der Rückrunde haben wir nun fünf von sieben Auswärtsspielen gewonnen, nur einmal verloren. Und eine Niederlage in Sion ist keine Schande.

Dank zwei Punkten im Schnitt ist YB unter Ihrer Leitung von Platz 5 auf Platz 2 vorgestossen und hat die Champions-League-Qualifikation erreicht. Sie haben die Zielvorgaben erreicht – mit Ausnahme des Cups.
Das Cup-Out gegen den FC Zürich ist der schwarze Fleck in meiner Zwischenbilanz. Das stört mich sehr. Und es schmerzt noch mehr, wenn man sieht, wer im Final steht. Da wäre für uns mehr möglich gewesen. Leider kam dieses Spiel in einer Phase, in der wir mental nicht stark waren.

Sie haben vor der Rückrunde gesagt, dass YB neben dem Pressing-Spiel auch einen Plan B brauche. Wie steht es mit der Umsetzung?
Ich habe als Erstes das bedingungslose Attackieren, das Pressing reingebracht. Das geht aber physisch bedingt nicht in jeder Partie. Deshalb ist es nötig, das Spiel gut zu lesen, zwischendurch auch einmal im Mittelfeld kompakter zu sein, tiefer zu stehen. Man muss gut sein im Ballbesitz, Pressing und Gegenpressing. Es ist uns gelungen, das umzusetzen.

In welchen Spielen hat das Team das bereits umgesetzt?
Speziell beispielsweise auswärts beim 1:0 gegen den FCZ. Wir haben nicht bedingungslos attackiert, aber auch fast nichts zugelassen. Oder beim 3:2 in St. Gallen, als wir geschickt abgewartet und dann zugeschlagen haben. Oder in Luzern, als wir für den Sieg fighten und gut verteidigen mussten. Ich denke, man kann jetzt schon mehrere Gesichter bei YB erkennen, die zum Erfolg führen können. Wir wollen das alles nun weiterentwickeln, damit wir für die Gegner unberechenbar bleiben.

Mit welchen Zielen steigen Sie mit YB in die nächste Saison?
Darüber will ich jetzt noch nicht reden. Das müssen wir zuerst intern besprechen und dann im richtigen Zeitpunkt vor der neuen Saison kommunizieren.

Wer kommt, wer geht? Können Sie schon Namen nennen?
Wir sind noch immer am Durchleuchten des Kaders, um zu eruieren, wer unseren Weg mitgehen kann. Wir wollen international spielen und wissen durch die bereits bekannten Gegner, alles Topmannschaften, was auf uns zukommt.

Das heisst, dass YB ein breites, aber vor allem qualitativ noch besseres Kader braucht. Zuzüge also wie jenen von Ravet im Winter.
Wir haben eine gute Mannschaft, brauchen aber noch den einen oder anderen Qualitätsspieler wie Ravet, das stimmt. Er ist schnell, spielt spektakulär, hat einen besonderen Spielwitz, macht entscheidende Dinge. Ich sehe Ravet als absoluten Pluspunkt.

Wird YB daneben weiter auf junge Spieler wie den aufstrebenden Linus Obexer setzen?
Das ist der klare Auftrag, den wir von der Clubleitung haben und auch umsetzen. Das sind keine Lippenbekenntnisse. Linus Obexer wird auf alle Fälle dabei sein. Er bringt viel mit, ist ruhig am Ball, bissig und engagiert. Es gibt aber auch andere Kandidaten.

Beim Trainingsstart am 16. Juni sollte die Mannschaft zu einem grossen Teil stehen. Das tönt nach sehr intensiven Tagen.
Das ist so. Es wird auch in meinen Ferien nie ruhig sein. Trotzdem hoffe ich, dass ich mit meiner Familie in dieser Zeit etwas abschalten kann.

Wie sieht Ihr Fazit nach der ersten Saison in Bern aus: War der Wechsel zu YB der richtige Schritt?
Ganz sicher. Ich habe einen guten Verein verlassen und bin zu einem guten Verein gekommen. Dazu habe ich die Komfortzone verlassen, trainiere erstmals eine Mannschaft im Ausland. Ich kann nach neun Monaten sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Wer viele Opfer bringen muss, ist meine Familie. Das ist nicht einfach.

Welches sind neue Erfahrungen, die Sie im ersten Auslandjob machen?
Die vielen Sprachen in der Schweiz mit Schweizerdeutsch, das ich als Vorarlberger zum Glück gut verstehe, mit Italienisch und Französisch. Das hat Einfluss auf die Mentalitäten in der Mannschaft und auf den Zugang zu den Spielern. (Der Bund)

Erstellt: 24.05.2016, 22:33 Uhr

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Mit Wölfli und Obexer

Die Berner Derbys in dieser Saison waren eine einseitige Angelegenheit: 2:1 und 3:1 siegten die Young Boys in Bern und 1:0 in Thun. Thun ist für YB inzwischen eine Art «Lieblingsgegner». Der letzte Sieg der Oberländer gegen den Rivalen aus der Hauptstadt datiert vom Spätherbst 2013.

Bei YB steht Marco Wölfli für Yvon Mvogo im Tor, der wie Denis Zakaria bereits im EM-Camp des Nationalteams weilt. Für den gesperrten Jan Lecjaks wird erneut der junge Verteidiger Linus Obexer eine Spielgelegenheit erhalten. (atr/bd)

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Super League

36. Runde

02.06.FC Basel 1893 - FC St. Gallen4 : 1
02.06.FC Lugano - FC Luzern0 : 1
02.06.FC Sion - Grasshopper Club1 : 1
02.06.FC Vaduz - FC Thun1 : 3
02.06.BSC Young Boys - FC Lausanne-Sport2 : 0
Stand: 02.06.2017 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.FC Basel 189336268292:3586
2.BSC Young Boys36209772:4469
3.FC Lugano361581352:6153
4.FC Sion361561560:5551
5.FC Luzern361481462:6650
6.FC Thun3611121358:6345
7.FC St. Gallen361181743:5741
8.Grasshopper Club361081847:6138
9.FC Lausanne-Sport36981951:6235
10.FC Vaduz36792045:7830
Stand: 02.06.2017 22:39

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