«Die Deutschen hatten uns immer im Griff»

Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller war nach dem 0:3 in München desillusioniert und enttäuscht und sagte: «Es war eine klare Sache.» Bei Deutschland feierte Miroslav Klose seinen Torrekord demütig.

Respektvoll: Marcel Koller mit dem deutschen Jubilar Philipp Lahm.

Respektvoll: Marcel Koller mit dem deutschen Jubilar Philipp Lahm.

(Bild: Keystone)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Sie hatten sich Hoffnungen gemacht, die Österreicher, geglaubt hatten sie: Wann, wenn nicht jetzt, sind die Deutschen denn zu schlagen? Beflügelt von guten eigenen Resultaten waren sie nach München gereist, um eine deutsche Mannschaft zu fordern, die zuletzt massive Abwehrprobleme offenbart hatte. Und ihr Schweizer Trainer Marcel Koller hatte geglaubt: «Wenn wir alles richtig machen, haben wir Möglichkeiten.»

Im Spiel in der Allianz-Arena stellte sich dies jedoch als Trugschluss heraus – Österreich blieb gegen die konzentrierten Deutschen chancenlos. 0:3 unterlag es schliesslich, da halfen auch die gegen 10'000 mitgereisten Anhänger nichts, und diese Niederlage war zudem auch in dieser Höhe völlig verdient. Und während Deutschland nun bereits am Dienstag die WM-Qualifikation besiegeln kann (falls sie auf den Färöern gewinnen und Schweden in Kasachstan Punkte abgibt), erlitt Kollers Team einen Rückschlag. Am Dienstag ist gegen Irland ein Sieg Pflicht, soll der Barrage-Platz in Reichweite bleiben. «Das ist eine schwierige Situation für uns», sagte Koller.

Koller fand nach der Niederlage klare Worte. «Ich bin enttäuscht über das Resultat, aber es war eine klare Sache», sagte der Zürcher, seit knapp zwei Jahren im Amt und inzwischen breit akzeptiert. Seine Spieler hätten in den ersten Minuten noch versucht, dagegen zu halten, doch das stellte sich als nutzlos heraus: «Mit ihrer Klasse, Technik und Organisation hatten uns die Deutschen immer im Griff. Wir waren gezwungen, viel zu laufen – und konnten sie trotzdem nicht packen.»

In der zweiten Halbzeit war Österreich ein wenig gefährlicher als vor der Pause, als die Chance von Alexander Dragovic sehr einsam da stand als einzige Offensivaktion. Was aber ebenfalls mit dem Gegner zu tun hatte, der nach dem 2:0 durch Toni Kroos in der 51. Minute zufrieden war mit dem Erreichten. Deutschland suchte fortan kaum noch die Tiefe, sehr zum Missfallen des anspruchsvollen Münchner Publikums. Trotz deutscher Führung kamen schnell erste Pfiffe auf. Zu hören waren fast ausschliesslich die österreichischen Fans. Nach dem 3:0 durch Thomas Müller kurz vor dem Ende hatten dann aber auch sie genug.

«Deutschland hätte noch einen Zacken zulegen können»

«Ich hatte stets das Gefühl, Deutschland hätte noch einen Zacken zulegen können, falls uns etwas gelungen wäre», sagte Koller und bewies damit Realitätssinn. Es war eine Gala im Schlafwagen für die Mannschaft von Joachim Löw. Philipp Lahm durfte ein geruhsames Jubiläum feiern – ausgerechnet in München bestritt er sein 100. Länderspiel. Debütiert hatte er im Februar 2004 gegen Kroatien.

Ebenfalls einen Grund zu feiern hatte Miroslav Klose: Das 1:0 in der 33. Minute war sein 68. Treffer im Dress der Deutschen. Er egalisierte damit den Torrekord von Gerd Müller. «Ein sehr wichtiges Tor für uns», dankte Löw, «es hat den Widerstand Österreichs getroffen». Der inzwischen 35-jährige Stürmer von Lazio Rom gab sich anschliessend demütig. «Ich habe doppelt so viele Spiele wie Gerd Müller bestritten für diesen Rekord. Ich will und kann mich daher nicht mit ihm vergleichen.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt