Der siebte Streich

YB setzt die Erfolgsserie im eigenen Stadion fort und schlägt ein inferiores St. Gallen 3:1. Ein erstaunliches Debüt gab Verteidiger Linus Obexer.

Kollektiver Jubel: YB liess sich vom Dauerregen im Stade de Suisse nicht ausbremsen.

Kollektiver Jubel: YB liess sich vom Dauerregen im Stade de Suisse nicht ausbremsen.

Ruedi Kunz

Die YB-Feierspiele fanden am Donnerstagabend im Dauerregen nach einem verhaltenen Start eine Fortsetzung. Alexander Gerndt (zweimal) und Sékou Sanogo waren die Torschützen in der zweiten Halbzeit, in der das Heimteam den ultradefensiv eingestellten FC St. Gallen nicht mehr zum Verschnaufen kommen liess.

Immer wieder rissen die Berner mit vertikalen Pässen und schnellem Flügelspiel Löcher auf im gegnerischen Abwehrverbund. Hätte Topskorer Guillaume Hoarau im Abschluss die übliche Nervenstärke und Kaltblütigkeit gezeigt, Gäste-Coach Joe Zinnbauer hätte ein weiteres Debakel erklären müssen.

Die Handschrift des Deutschen, der fast zeitgleich wie Adi Hütter seine Arbeit in der Super League aufgenommen hat, ist nach mittlerweile 26 Wettkampfspielen nicht wirklich sichtbar. Der Not – St. Gallen hat nur 5 Punkte mehr als das aktuelle Schlusslicht FCZ – versucht er mit einer Verriegelungstaktik zu entrinnen.

Zinnbauer, der in der Ostschweiz längst nicht mehr unumstritten ist nach den zum Teil lamentablen Auftritten der Rückrunde (neun Niederlagen), unternahm gewiss zu wenig, um die miserable Bilanz aufzubessern, die der FC St. Gallen im Stade de Suisse aufweist. Von 18 Partien hat er nunmehr deren 14 verloren, viermal gab es ein Remis.

Ganz anders präsentiert sich Hütters Leistungsausweis. Über zwei Punkte lautet der Punktedurchschnitt, seit der Österreicher bei YB das Kommando übernommen hat.

Mutiger Auftritt eines Länggässlers

Im Unterschied zu den meisten anderen im Stadion wird Linus Obexer den Regenabend im Stade de Suisse nicht so schnell vergessen. Wenige Monate nach seinem Aufstieg in die erste Mannschaft, der durch Loris Benitos Verletzung begünstigt wurde, kam der 18-Jährige zu seinem Debüt in der Super League.

Der im Berner Länggassquartier aufgewachsene Jüngling tat es mit einer Selbstverständlichkeit, die erstaunlich war. Schon im ersten Zweikampf setzte er ein Zeichen, trennte den erfahrenen Cavusevic energisch, aber fair vom Ball. Weniger wählerisch war er in der Auslese seiner Mittel, als er Mitte der ersten Halbzeit Mutsch in die Beine fuhr.

Obexer war nicht nur ein unerschrockener Zweikämpfer, sondern er wagte auch etwas. Unmittelbar nach der Pause wäre sein Mut beinahe belohnt worden, als er mit einem schönen Weitschuss das Tor nur ganz knapp verfehlte. «Das wäre ein Einstand gewesen», sagte der Debütant, als er sich den Fragen der Journalisten stellte.

Da ihm der Trainer schon tags zuvor mitgeteilt habe, dass er spielen werde, habe er genügend Zeit gehabt, sich mental vorzubereiten. Dennoch sei er vor dem Match «so nervös wie schon lange nicht mehr gewesen».

Der Gymnasiast vergass nicht, seine Kollegen zu erwähnen, die ihm den Einstieg in den Profibetrieb erleichtert hätten. «Sie unterstützen mich, wo sie nur können.»

Und auch für den Coach gab es Blumen: «Er spricht viel mit mir.» Der Angesprochene gab diese kurze Zeit später zurück: «Linus hat alles umgesetzt, was ich ihm mitgegeben habe.» Er dürfe auf seine Leistung stolz sein. Obexer dürfte solches gerne hören.

Der Bund

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