Der grosse Schritt birgt Probleme

Christian Schneuwly bezeichnet seinen Wechsel vom FC Thun zum FCZ als Inspiration und Aufbruch. 
Morgen trifft er mit den Zürchern auf die Young Boys, für die er insgesamt zehn Jahre spielte.

Nach zuletzt schwierigen Wochen sieht Christian Schneuwly seinen FCZ wieder im Aufwind, auch dank dem 2:1-Sieg gegen Sion.

Nach zuletzt schwierigen Wochen sieht Christian Schneuwly seinen FCZ wieder im Aufwind, auch dank dem 2:1-Sieg gegen Sion.

(Bild: Keystone)

Der Transfer von Christian Schneuwly vom FC Thun zum FC Zürich im vergangen Januar war ein Wechsel in eine andere Fussballwelt. Doch der grosse Schritt nach vorne war er bisher nicht. Als Schneuwly in der Winterpause zum FCZ stiess, lag der Stadtclub in der Tabelle 8 Punkte hinter dem Leader FC Basel zurück und gleichauf mit YB.

Jetzt, zwölf Runden später, hat der FCZ 22 Punkte Rückstand auf Basel und liegt 11 Punkte hinter den Young Boys zurück. Der härteste Gegner der Zürcher im Kampf um Platz 4, der noch eine Türe für die Europa League offen lässt, ist ausgerechnet der FC Thun.

Was ist schiefgelaufen? Christian Schneuwly formuliert keine klare Antwort zum Absturz des FCZ in der Tabelle. Das stehe ihm als neuem Spieler nicht zu, argumentiert er. Er spricht von Verletzungspech, mangelndem Wettkampfglück, internen Problemen. «Ich habe schon einige Krisenzeiten erlebt, auch bei YB», sagt er. «Ich bin Fussballer, und ich muss in erster Linie schauen, dass meine Leistung stimmt.» Mit solchen Situationen werde man immer wieder konfrontiert im Fussball. Aber jetzt gehe es wieder aufwärts. Als Indiz nimmt er den 2:1-Sieg in Sion.

Für Thun hatte der Freiburger in der Vorrunde 5 Tore erzielt, beim FCZ hat er bisher nicht getroffen. «Meine Aufgabe beim FCZ ist etwas anders, wir spielen auch ein anderes System», sagt er. «Beim FC Thun war ich weiter vorne, beim FCZ habe ich im Mittelfeld jeweils noch fünf eigene Spieler vor mir.»

Schneuwly sieht sich als Teamplayer, der mit beiden Füssen auf dem Boden steht. Als 16-jähriger Junior kam er einst von Freiburg zu YB, wurde zwischendurch für eine Saison an Biel ausgeliehen, danach an Thun, kehrte jeweils zu YB zurück, ehe er 2013 zum FC Thun wechselte.

Im vergangenen Herbst führte er Gespräche mit den Verantwortlichen des FC Thun. «Man hatte mir erklärt, man sei an einer Vertragsverlängerung interessiert. Aber ein konkretes Angebot erhielt ich nicht, im Gegensatz zu anderen Spielern. Da habe ich mich halt ­umgeschaut.»

FCZ und die Stadt als Inspiration

Den Wechsel vom Oberland in die grösste Stadt der Schweiz erachtet der 27-jährige Mittelfeldspieler als Aufbruch. Er sagt: «Ich lebte bisher auf dem Lande, aber die Hektik einer Grossstadt gefällt mir. Ich sehe das als Inspiration.» Dabei wohnt er mit seiner Freundin nicht in Zürich, wie er im weiteren Verlauf des Gesprächs durchblicken lässt, sondern in Wollerau. Doch für Schneuwly ist das dennoch ein Tapetenwechsel. Denn bisher konnte er sich nicht vom freiburgischen Düdingen trennen, das nicht weit weg von Wünnewil liegt, wo er seine Kindheit verbrachte.

Ob später bei YB oder Thun unter Vertrag, damals blieb er in seiner Freiburger Heimat, an der Sprachgrenze. Spricht man mit ihm über den FC Cantonal, ist er sofort im Bilde. Er weiss, dass damit nicht der einstige Verein aus Neuenburg gemeint ist, der 1970 nach der Fusion mit Xamax verschwand. Sondern das neue Fussballprojekt im Kanton Freiburg. Der FC Fribourg, Bulle und Düdingen beschäftigen sich mit der Idee, ein Team Fribourg zu kreieren, das einst in der Challenge League spielen soll. Ob es Realität wird, darauf ist auch Schneuwly gespannt.

Irgendwann wird es den Freiburger in seine Heimat zurückziehen. Doch das hat Zeit. Beim FC Zürich besitzt Schneuwly einen Vertrag bis im Sommer 2018. Er hat sich in der Schweizer Fussballszene einen guten Ruf geschaffen.

Als Spieler vermag er durchaus mit dem Ball umzugehen, er ist auch torgefährlich; er gilt als loyal, kämpferisch stark, uneigennützig. Und er will beweisen, dass er sich bei einem Grossklub der ­Super League durchsetzen kann. Dafür kommen ihm am Sonntag die Young Boys, für die er insgesamt zehn Jahre ­gespielt hat, gerade recht.

Der Bund

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