Der YB-Meistertrainer als Frankfurts Mister X

Trainer Adi Hütter verlässt YB im Sommer in Richtung Frankfurt. Beim Bundesligisten Eintracht unterschreibt er einen Dreijahresvertrag. Der Wechsel sorgt bei den Beteiligten für turbulente Stunden.

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Als Adi Hütter über seinen Wechsel von YB zu Eintracht Frankfurt spricht, steht er im kleinen YB-Museum im Stade de Suisse. Hinter ihm Pokale, Trikots und Erinnerungsstücke aus der 120-jäh­rigen Vereinshistorie, in der er nach dem Gewinn der ersten Meisterschaft seit 32 Jahren einen prominenten Platz einnehmen wird.

Vor ihm die Aussicht auf einen neuen Lebensabschnitt. Beim Bundesligisten unterschreibt er einen Dreijahresvertrag. «Mit dem Wechsel zu Frankfurt geht für mich ein Traum in Erfüllung», sagt er.

Noch letzten Herbst hatte der Österreicher unter anderem ein Angebot des Bundesligisten Werder Bremen abgelehnt, kurz darauf verlängerte er nach Monaten der Spekulationen seinen Vertrag bei YB bis 2019. Das Papier war allerdings mit einer Ausstiegsklausel versehen, die YB nun eine Ablösesumme garantiert.

Der Meistertrainer wechselt auf die nächste Saison hin zu Eintracht Frankfurt. Video: Tamedia/Youtube

Nach Deutschland begleitet wird Hütter von seinem Assistenten, Freund und Landsmann Christian Peintinger, der ihm schon im Herbst 2015 nach Bern gefolgt war. «Der BSC Young Boys bedankt sich herzlich bei Adi Hütter für die unvergessene Zeit und wünscht ihm schon jetzt für die private und berufliche Zukunft alles Gute», schreibt YB in der Medienmitteilung am Mittwochabend. Es ist das Ende turbulenter Stunden.

Grosse Überraschung

Am Morgen zeichnet sich der Wechsel Hütters nicht ab. In Frankfurt wird davon ausgegangen, dass Slaven Bilic Favorit auf die Nachfolge von Niko Kovac sei. Der Kroate wird die Frankfurter im Sommer verlassen und bei Meister Bayern München übernehmen. Mittelfeldakteur Kevin-Prince Boateng sagt beim Vormittagstraining: «Die Mannschaft weiss noch nichts.

Aber natürlich sind wir gespannt, wer Trainer wird.» Hütters Name ist in den Medien schon länger nicht mehr gehandelt worden, die Auswahl scheint auf fünf Trainer begrenzt. Plus einen Mister X, weil Sportchef Fredi Bobic eine Überraschung angedeutet hat.

In Bern weiss zu diesem Zeitpunkt neben Peintinger nur Christoph Spycher von den konkreten Verhandlungen Hütters. Der YB-Sportchef ist vom 48-Jährigen informiert worden, dass er sich am Abend mit Bobic zu abschliessenden Gesprächen treffen werde, bei positivem Verlauf möchte Hütter seinen Stab und die Spieler am Donnerstagvormittag informieren, der Wechsel soll danach kommuniziert werden, elf Tage vor dem Cupfinal gegen den FC Zürich. So ist das geplant.

Dementsprechend gross ist die Überraschung bei allen Beteiligten, als die Nachricht vom Wechsel des YB-Trainers am Mittwochmittag irgendwie den Weg an die Öffentlichkeit findet. In Frankfurt ist drei Tage vor dem Cupfinal gegen Bayern an Normalität plötzlich nicht mehr zu denken, Mister X sorgt für Verwunderung. Vom «Trainertheater statt Pokalfieber» ist die Schreibe.

Und in den sozialen Medien fragt ein Fan: «Adi wer?» In Bern erfährt derweil sogar Hütters Assistent Harald Gämperle erstmals vom Transfer seines Chefs. Doch bei YB will dem Österreicher niemand einen Vorwurf machen. Hütter habe sich stets korrekt verhalten, sagt Spycher. «Wir sind in letzter Zeit eng zusammengewachsen. Zwischen uns passt kein Stück Papier.»

Schwere Aufgabe

Mit Hütters feststehendem Abgang beginnt für den YB-Sportchef die Trainersuche. «Natürlich haben wir uns mit der Gefahr von Hütters Abgang beschäftigt, aber ich wollte keine Gespräche hinter seinem Rücken führen», sagt Spycher. «Wir haben einige Lösungen im Kopf und werden die Aufgabe mit Hochdruck angehen. Wir wollen relativ rasch einen neuen Trainer präsentieren.»

Als Spycher am Mittwochabend über Hütters Wechsel von YB zu Eintracht Frankfurt spricht, steht auch er im kleinen YB-Museum im Stade de Suisse, hinter ihm Pokale, Trikots und Erinnerungsstücke aus der 120-jährigen Vereinshistorie. Einen Trainer zu ersetzen, der in Bern Geschichte geschrieben hat, wird wohl seine schwerste Aufgabe in bald zwei Jahren als YB-Sportchef sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 08:50 Uhr

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