Der YB-Aufsteiger mit dem Servette-Herz

Denis Zakaria ist momentan einer der wenigen Gewinner bei den Young Boys. Der 19-jährige Genfer ist drauf und dran, sich im Mittelfeld einen Stammplatz zu erkämpfen.

Denis Zakaria hat den Ball im Blick: hier beim Testspiel gegen VfB Stuttgart im Juli im Stade de Suisse.

Denis Zakaria hat den Ball im Blick: hier beim Testspiel gegen VfB Stuttgart im Juli im Stade de Suisse.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Was für ein klangvoller Name! Denis Lemi Zakaria Lako Ladi. So heisst Denis Zakaria mit vollem Namen, noch nicht einmal 19-jährig, der Vater aus dem Kongo, die Mutter aus Gabun. Zakaria hatte fast niemand auf der Rechnung, als sich YB Mitte Juli aufmachte, endlich wieder einmal einen wichtigen Titel zu holen. Das hing damit zusammen, dass die Berner für rund sechs Millionen die Benfica-Reservisten Miralem Sulejmani und Loris Benito erworben hatten, die als fehlende Puzzlesteine im Titelkonstrukt angesehen wurden. U-19-Nationalspieler Zakaria, der für seinen Stammverein Servette erst sechsmal in der zweitobersten Liga zum Einsatz gekommen war, hingegen wurde nur als Ergänzungsspieler eingestuft.

Wer konnte schon wissen, dass sich der über 1,90 Meter grosse Schlaks in der obersten Liga derart schnell zurechtfinden würde? Patrick Bruggmann vielleicht, der sich als Leiter Préformation des BSC YB einen guten Namen schuf in der Region Bern, bevor er zu Servette wechselte vor rund eineinhalb Jahren. «Mich erstaunt es überhaupt nicht, dass Denis so schnell Fuss gefasst hat bei YB», sagt Bruggmann. Zakaria sei ein «enorm talentierter Fussballer mit hervorragender Physis und dem unbedingten Willen, ein grosser Fussballer zu werden». Was dem Leiter der Genfer Nachwuchs-Akademie ebenfalls gefällt, ist Zakarias Charakter: «Er ist ein ehrlicher und bodenständiger Typ, sehr respektvoll im Umgang mit seinen Mitmenschen.» Das ist schon mal kein schlechter Boden, um sich vom Schein des Profifussballs nicht blenden zu lassen, wie es hoffnungsvollen jungen Spielern immer wieder passiert.

Ratgeber Mvogo

Und Zakaria selber? Wie hat er den Wechsel ins Rampenlicht der obersten Liga verkraftet? Ein Blick in sein Gesicht verrät, dass er sein erstes Jahr als Fussballprofi in vollen Zügen geniesst. «Mir geht es gut. Ich bin gesund. Ich komme mehr zum Einsatz, als ich erwarten durfte», fasst Zakaria die Anfangszeit in Bern zusammen. Eben hat er die zweite Trainingseinheit unter Adi Hütter beendet. Der neue Coach habe eine «ganz klare Linie», verrät der Mittelfeldspieler. Alles hat er nicht verstanden, da seine Deutschkenntnisse eher rudimentär sind. Die Kernbotschaft aber hat er sehr wohl verstanden: «Hütter fordert mehr Aggressivität.»

Die Turbulenzen bei seinem neuen Verein haben Zakaria nicht aus der Bahn geworfen. In Yvon Mvogo, einem anderen Aufsteiger, hat er einen wichtigen Ansprechpartner gefunden. «Obwohl er manchmal meint, als Genfer sei er etwas Besseres als der kleine Goalie aus Freiburg, ist er ganz okay», scherzt Mvogo. Zakarias Reaktion: ein schadenfrohes Grinsen. Ohnehin sind die beiden Westschweizer mit afrikanischen Wurzeln keine Kinder von Traurigkeit. Und was auch auffällt: Sie strahlen eine Lockerheit aus, die man entweder hat oder nicht. Was nicht zwingend heisst, dass ihnen alles leichterfällt. Auch sie müssen hart arbeiten, um sich im hart umkämpften Profifussball zu behaupten.

Ein gelernter Stürmer

Denis Zakaria hatte immer den Traum, Fussballprofi zu werden. Als gebürtiger Genfer war auch immer klar, bei wem er dereinst spiele wollte: bei Servette. «Das war immer der Klub meines Herzens.» Schon mit acht schloss er sich dem Verein an, bei dem er in der Folge sämtliche Juniorenstufen durchlief bis in die U-21. Bis 17 spielte er Sturmspitze. Dann konnte ihn sein damaliger Coach überzeugen, sich auf der ungewohnten Innenverteidiger-Rolle aufstellen zu lassen, um sein Spiel weiterzuentwickeln. «Es war eine gute Entscheidung», sagt Zakaria rückblickend.

Auf der nächsten Altersstufe rückte der polyvalente Spieler eine Position nach vorne – und lernte dort so schnell, dass eine Rückkehr in den Angriff gar kein Thema mehr war. Fliesst denn nun gar kein Stürmerblut mehr in Zakarias Adern? «Oh doch. Der Vorwärtsdrang bleibt in mir drin.» Es gibt diese eine Szene, welche dieses Verhalten sehr schön veranschaulicht. Im Derby gegen Thun war es: Zakaria eroberte im eigenen Strafraum hinten einen Ball, sprintete mit dem Ball am Fuss bis auf die Höhe des gegnerischen Strafraumes, wo er einen der mitgelaufenen Kollegen anspielte, Schuss, Tor. «Das ist typisch Denis. Wenn er die Chance sieht, marschiert er übers halbe Feld», sagt Bruggmann. Der begabte Youngster dürfte es noch öfter machen – es sei denn, sein Coach verbietet es ihm. Vom aktuellen YB-Hoffnungsträger Adi Hütter ist das eher nicht zu erwarten. Der Österreicher verlangt von seinen Spielern, dass sie den Gegner schon früh angreifen und nach Balleroberungen wenn immer möglich den schnellsten Weg Richtung gegnerisches Tor einschlagen.

Der Bund

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