Der Traum von den Sternen platzt

YB bleibt im Rückspiel gegen ZSKA Moskau ohne Chancen und ohne Tore, verliert 0:2 und verpasst die Champions League. Für die Berner geht es im September in der Europa League weiter.

Aus der Traum von der Champions League: Die Enttäuschung bei Sékou Sanogo und Kasim Nuhu ist offensichtlich.

Aus der Traum von der Champions League: Die Enttäuschung bei Sékou Sanogo und Kasim Nuhu ist offensichtlich. Bild: Keystone

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Als die Hoffnungen der Young Boys auf Stufe Fussballwunder gesunken waren, weinte auch der Moskauer Nachthimmel mit. Bereits vor der Partie war ein heftiges Gewitter über der russischen Metropole niedergegangen und irgendwann in der zweiten Halbzeit des Playoff-Rückspiels gegen ZSKA schaltete das Wetter noch einmal von Sprühauf Starkregen. Kurz zuvor hatte YB das 0:2 kassiert, es war das Ende der Champions-League-Träume der Berner, die zu diesem Zeitpunkt noch ganze drei Tore für ein Weiterkommen hätten erzielen müssen.

Begonnen hatte die Veranstaltung in der mit 17'000 Zuschauern etwas mehr als halb gefüllten WEB-Arena mit viel Tempo. Achtung, fertig, ZSKA – bereits nach 20 Sekunden hätten die Berner Hoffnungen einen argen Dämpfer erleiden können. YB war nach dem Anstoss noch kaum sortiert, Vitinho tauchte alleine vor dem Berner Keeper David von Ballmoos auf, der gekonnt parierte.

Auf der anderen Seite hätte keine zwei Minuten später bereits ein wertvolles Auswärtstor für die Young Boys fallen können: Ravet – der Franzose bestritt sein möglicherweise letztes Spiel für YB, sein Wechsel zu Freiburg wird immer konkreter – flankte nach einem Konter fein auf Assalé. Doch mehr als einen harmlosen Flachschuss brachte der Ivorer nicht aufs Tor. Es war irgendwie symptomatisch für den Auftritt von YB; früh schien klar, dass es den Bernern an diesem Abend an Biss fehlte und die Russen ihren verhaltenen Auftritt aus dem Hinspiel unbedingt korrigieren wollten. Die Equipe von Viktor Gontscharenko war kaum wiederzuerkennen und hatte bereits nach wenigen Minuten schon mehr Torschüsse auf dem Konto als nach dem gesamten Hinspiel.

Ein zahmes Berner Aufbäumen

Der ZSKA-Angriffssturm war mit dem Moskauer Dauerregen eine ungesunde Kombination für die Young Boys. Sie fanden nur selten Raum und Zeit vor, selber mal einen Versuch in Richtung von ZSKA-Goalie Igor Akinfejew zu starten. Jener von Sulejmani war so einer, gut setzte sich der Serbe auf der rechten Seite durch, wartete aber so lange, bis der Winkel zu spitz war. Auf der anderen Seite hatte es Von Ballmoos zwar in erster Linie mit Schüssen aus der zweiten Reihe zu tun, ab und an brachen die beiden wendigen, aktiven ZSKA-Stürmer Schalow und Vitinho aber fast bis aufs Tor durch. Beinahe schien es, als könne YB die erste Halbzeit immerhin unter «nichts passiert» verbuchen. Bis Nuhu in der 45. Minute eine Flanke von Fernandes unglücklich per Kopf direkt zu Schennikow verlängerte, der ohne Mühe zur Führung traf – Aussenverteidiger Mbabu war etwas weit weg von seinem Zuständigkeitsbereich unterwegs.

Nun war klar, dass der Abend nicht mit einer Verlängerung enden würde und es war ebenso klar, dass YB für ein Weiterkommen ab sofort zwei Tore brauchen würde. Die Chancen dafür blieben aber weiterhin überschaubar. Sulejmani scheiterte kurz nach dem Seitenwechsel nach starker Ballannahme aus spitzem Winkel am erneut glänzend aufgelegten Goalie Akinfejew. Und lange hielt es nicht auf sich mit dem Berner Aufbäumen. Zehn Minuten später passte Vitinho flach zur Mitte, wo abermals Nuhu übermotiviert den Ball verfehlte und diesmal Dzagojew profitierte. YB-Trainer Hütter brachte nach dem 2:0 in einem Versuch, seine geknickte Mannschaft noch einmal zu formieren, Lotomba und Fassnacht ins Spiel – der Effekt in der Offensive blieb aus.

Und so platzte der Traum von der Champions League endgültig, es war wie schon bei den Playoffs 2010 gegen Tottenham (auch damals im Dauerregen) und 2016 in Gladbach ein enttäuschender Ausflug für die etwa 100 YB-Fans im Stadion und eine Enttäuschung für Tausende zu Hause vor dem TV. Den Young Boys bleibt als Trostpflaster ja die Europa League, das war schon seit dem Erfolg über Dynamo Kiew klar. Und vielleicht ist die Enttäuschung bei den Young Boys bis Freitagmittag etwas verflogen. Dann nämlich findet in Monaco die Auslosung der Europa-League-Gruppen statt. Auch dort kann das Los für YB durchaus attraktive Gegner bereithalten – etwa Arsenal, Nizza oder AC Milan. (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2017, 06:47 Uhr

«Die Leistung war nicht gut genug»

Christoph Spycher ist nach dem Scheitern enttäuscht, fordert von den Spielern aber sofort den Blick nach vorne.

Es waren rückblickend nicht die «zwei perfekten Spiele» gewesen, die sich Christoph Spycher erhofft hatte, um den grossen Traum von der Champions League wahr machen zu können. Im Hinspiel in Bern habe bis auf das Resultat alles gestimmt, «heute aber war es nicht das perfekte Spiel von uns», sagte der YB-Sportchef nach dem 0:2 und Scheitern. Enttäuscht vom Auftritt seiner Mannschaft war er nicht, er sprach von einer Leistung, die «okay» gewesen sei, «aber nicht gut genug».

Weiter geht es für die Berner deshalb Mitte September in der Europa League – wie schon letzte Saison. «Es ist wichtig, dass wir dort dabei sind», sagte Spycher, auch wenn es nach dem Verpassen der Königsklasse vielleicht einige Tage brauchen werde, bis man sich auf diese neue Herausforderung freuen könne. Vorher müsse YB nun den Fokus auf die Super League richten, weil man dort in dieser Saison konstanter sein wolle. Und deshalb sei schon das nächste Spiel am Sonntag in St. Gallen wieder von grosser Bedeutung.

Steve von Bergen sprach davon, dass das Niveau, welches ZSKA Moskau ausgespielt habe, zu hoch gewesen sei. «Von solchen Spielen können unsere Jungen aber lernen», fand der YB-Captain einen positiven Aspekt des sonst enttäuschenden Abends. «Wir wollten anfänglich pressen, doch das tat der Gegner auch, und er hat es besser gemacht», sagte der Abwehrchef. Als man dann gehofft habe, trotzdem mit einem 0:0 in die Pause zu kommen, sei dieses Gegentor gefallen. Später habe dann bei Sulejmanis Chance auch das nötige Glück gefehlt. (atr)

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