Der FC St. Gallen, eine Klasse für sich

Der Leader der Challenge League hält in der Meisterschaft den Fahrplan ein – und will heute im Cup den FCZ ärgern.

Grün ist die Hoffnung: Der FC St. Gallen will mit einem Cup-Erfolg gegen den FC Zürich beweisen, dass er nicht in die Challenge League gehört.

Grün ist die Hoffnung: Der FC St. Gallen will mit einem Cup-Erfolg gegen den FC Zürich beweisen, dass er nicht in die Challenge League gehört. Bild: Keystone

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Manchmal reicht der neue Besen allein nicht, es braucht dann auch den Pinsel. Deswegen sind in St. Gallen seit Sommer die Wände im Kabinengang der AFG-Arena neu gestrichen. Auf weissem Grund stehen nun Schlagworte geschrieben wie «bedingungsloser Einsatz», «leidenschaftliche Besessenheit» oder «Zielstrebigkeit». Es sind Versprechen der Spieler an den Klub.

Die Idee dazu hatte Trainer Jeff Saibene. Nach dem Abstieg in die Challenge League fand er: «Hier braucht es frischen Wind.» Und beim FC St. Gallen sind Ausdrücke wie «Wille», «Leidenschaft» oder «Kampf» ja mehr als Worte, es sind Werte. Die passionierte Grätsche hat dort seit jeher einen höheren Stellenwert als der verspielte Hackentrick. Entsprechend gibt Saibene für den Cup-Achtelfinal heute gegen den FCZ vor: «Die Mannschaft muss giftig sein», sagt er. Ziel ist es, in diesem Wettbewerb und an der Spitze der Challenge League zu überwintern.

Zuletzt von Chiasso und Aarau gebremst

Seit März ist Saibene Trainer, und obschon ihm als Nachfolger von Uli Forte die Mission Ligaerhalt nicht geglückt war, durfte er bleiben. 13 Meisterschaftsspiele später bereut beim Klub keiner diesen Schritt. Zuletzt Präsident Dölf Früh: «Ich habe noch keinen Moment gezweifelt», sagt er und fügt an: «Die Tabelle zeigt exakt an, wie zufrieden ich bin.» Da steht: 1. FC St. Gallen. 13 Spiele. 10 Siege. 32 Punkte. 34:13 Tore.

Andererseits: Die Ostschweizer wurden ihrer Favoritenrolle nur gerecht, die sie freilich innehaben mit einem Budget, das mit 5,5 Millionen Franken zwischen doppelt und zehnmal so gross ist wie jenes der Ligakonkurrenten. Es spiegelt sich besonders in den beeindruckenden Zuschauerzahlen (im Schnitt 9507): Zwischen Super League und Challenge League bildet der FC St. Gallen eine Klasse für sich.

Dagegen sagt Saibene: «Jedes Spiel musste erst gespielt werden – ein Selbstläufer war es bis jetzt nicht und wird es bis Ende Saison nicht sein.» Die jüngste Entwicklung zeigte das: Wegen eines 0:1 gegen Chiasso und eines 2:2 in Aarau hat der selbsternannte Aufstiegsfavorit zuletzt zweimal in Folge nicht gewonnen. Im Brügglifeld entkam er der zweiten Niederlage dank dem Ausgleich in der 93. Minute gerade noch.

Mache aber nichts, beteuert Saibene, dem Selbstvertrauen seiner Spieler schade diese Phase nicht, sondern zeige ihnen vielmehr, «dass sie in jedem Spiel ans Limit gehen müssen, um zu gewinnen.» Schliesslich sieht sie sich in der Challenge League mit dem Problem konfrontiert, Woche für Woche auf einen destruktiven Gegner zu treffen, der in erster Linie darauf bedacht ist, keinen Schaden zu nehmen. «Gegen solche Teams die Lösung zu finden, wie man trotzdem kreativ sein kann, das ist die grosse Herausforderung», sagt der Trainer.

So gesehen, dürfte die Mannschaft heute Sonntag gegen den FC Zürich eine Abwechslung vom Liga-Alltag erleben. Saibene rechnet «mit einem Gegner, der spielen will und von sich aus die Initiative ergreift», er schwärmt von den Zürcher Offensivkräften und er sagt angesichts dessen: «Das ist eine sehr spannende Aufgabe für uns.» Und insgesamt sei gegen Zürich eine Prise weniger Druck vorhanden als sonst, sagt Saibene: In der Meisterschaft muss der FCSG gewinnen, diesmal darf er. Präsident Früh drückt sich so aus: «Das Spiel geniessen, ohne dem Gegner Geschenke zu machen.»

Vorfreude fast allerorten – die einzige Sorge ist der Nebel

Wenn also überhaupt jemand in der Ostschweiz dem Highlight entgegenbangt, dann der Platzwart der Trainingsanlagen Gründenmoos. Während bei einer Einheit in der vergangenen Woche Trainer und Spieler fast komplett im Nebelmeer verschwinden, stapft dieser grimmig über den Platz. Sagt: «Hoffentlich vermiest uns der Nebel nicht das Spiel.»

Früh freut sich entschieden bedingungsloser auf die Partie, und er tut dies nicht wegen der erwarteten Einnahmen allein – bis gestern wurden 10?855 Eintrittskarten verkauft. Vielmehr könne sich die Mannschaft wie schon im Sechzehntelfinal gegen Thun (2:0) mit einem Gegner aus der Super League messen, sagt der Präsident. «Und schliesslich ist das die Liga, in die wir so schnell wie möglich wieder wollen.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 27.11.2011, 12:43 Uhr

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