Der Coup ihres Lebens

Atlético Madrid bezwang Barcelona 1:0 und steht erstmals seit 1974 im Halbfinal der Champions League.

Mit vereinten Kräften: Atlético hat Barcelona im Griff – hier scheitert Messi mit einem Freistoss.

Mit vereinten Kräften: Atlético hat Barcelona im Griff – hier scheitert Messi mit einem Freistoss. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Geschafft war es um 22.34 Uhr, und aus fast 55'000 Kehlen stieg ein höllischer Schrei in den Nachthimmel von Madrid. Auf dem Rasen waren es die Spieler von Atlético Madrid, die tanzten und lachten. Und jene des FC Barcelona, dieses Starensembles, sie vergruben das ­Gesicht im T-Shirt und wählten den schnellen ­Abgang. Das vermeintlich kleine Atlético bezwang das vermeintlich grosse Barça und erreicht erstmals seit 40 Jahren den Halbfinal der Champions League. Damals, 1974, hatte die noch Meistercup geheissen. Gestern drehten die Spieler Ehrenrunde um ­Ehrenrunde vor den Fans, die gar nicht mehr nach Hause wollten.

«Die Partie ihres Lebens», so hatte die Sportzeitung «Marca» vor dem Match ­getitelt und damit natürlich die Spieler von Atlético gemeint. Die Rot-Weissen, die momentan die Primera División ­anführen und sich Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 1995 machen mögen. Die aber trotzdem stets im Schatten stehen, ganz besonders in jenem von Stadtrivale Real, von dem sie sich so grundlegend unterscheiden. Real ist reich und erfolgreich und gibt sich mondän, das Publikum ist verwöhnt und trotz der vielen Pokale selten enthusiastisch. Atlético gilt als Arbeiterclub und seine Anhängerschaft als rebellisch, ­provokativ und laut. Nicht bloss für ­spanische Verhältnisse.

Und als das Spiel losgeht im Estadio Vicente Calderon, herrscht eine Atmosphäre, die jeden elektrisiert und ergreift. «Ganar» verlangen die Fans in ihrer überdimensionalen Choreografie – schlicht und ergreifend: «siegen». Die Spieler haben begriffen. Angetrieben von der Menge, stürmt Atlético ab dem ersten Pfiff. Es attackiert den Gegner, so früh es eben geht, und schaltet dermassen schnell um, dass Barça kaum noch weiss, wo ihm der Kopf steht. Es war das richtige Mittel. Ein satter Pfostenschuss von Adrian Lopez in der 5. Minute und keine 60 Sekunden später das 1:0 durch Koke – im Stadion tobten die Menschen vor Begeisterung.

Messis Kopfball als beste Chance

Atlético schlug ein horrendes Tempo an und überfuhr den Favoriten. David Villa, ausgerechnet er, der ehemalige Barça-Stürmer, traf zwei weitere Male den Pfosten, da waren noch keine 20 Minuten gespielt. Derweil Lionel Messi und Compañeros kein Land sahen und kaum Luft kriegten. Ein Kopfball von Messi war noch die beste Gelegenheit.

Nach der furiosen Startphase nahmen die Torchancen ab, was aber Atlético weiterhin in Sachen Intensität bot, war imposant. Keinen Meter gab es preis. Trotzdem stellte sich angesichts der knappen Führung zunehmend die Frage: Würden sich die ausgelassenen Chancen nicht eben doch rächen? Wieder rächen? Im Hinspiel hatte Atlético ebenfalls 1:0 geführt und später das 1:1 kassiert. Und tatsächlich vergaben unmittelbar nach der Pause Neymar und Xavi beste Möglichkeiten zum Ausgleich.

Letztlich fiel den Granden aus Barcelona aber zu wenig ein, um das tapfere Atlético zu bezwingen, das ja ohne seinen besten Torschützen Diego Costa hatte auskommen müssen. Trotzdem – und obschon die Beine zunehmend müde wurden – stand es dem 2:0 immer näher als der Gegner dem 1:1. In den ­gesamten vier Nachspielminuten kamen die Katalanen kein einziges Mal mehr zum Abschluss. Das eine Team war wie die Fans, voller Leidenschaft. Das andere ganz ohne. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2014, 23:52 Uhr

Artikel zum Thema

Der Liveticker zu den CL-Viertelfinals

DerBund.ch/Newsnet berichtete live vom Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Bayern München und Manchester United (3:1). Mehr...

Bayerns grosse Wende – Atleticos Comeback

Titelverteidiger Bayern München und Atletico Madrid heissen die beiden anderen Halbfinalisten in der Champions League. Die Auslosung für die vorletzte Runde findet am Freitag in Nyon statt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...