Der Anführer der jungen Generation

Leonardo Bertone bestreitet bei den Young Boys seine zweite Saison im Profiteam und will sich bei den Bernern längerfristig behaupten.

Leonardo Bertone brachte es diese Saison schon auf neun Einsätze bei YB.

Leonardo Bertone brachte es diese Saison schon auf neun Einsätze bei YB.

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Mit seinen 20 Jahren ist Leonardo Bertone noch ziemlich jung. Trotzdem hat er für den BSC YB wettbewerbsübergreifend bereits 27 Spiele absolviert. In dieser Saison griff Trainer Uli Forte schon neun Mal auf die Dienste des zentralen Mittelfeldspielers zurück. «Mit meiner Einsatzzeit bin ich zufrieden. Es kommt mir entgegen, dass wir uns für die Europa League qualifiziert haben und der Trainer wegen den vielen Spielen oft ­rotiert», sagt Bertone, der nach der Wirtschaftsmittelschule in Bern in diesem Sommer auch die Berufsmatura erfolgreich abgeschlossen hat und sich seit dem Saisonstart voll auf den Fussball konzentrieren kann. Meistens erfahre er jeweils erst am Spieltag, ob er von Anfang an spielen werde oder nicht. Nicht relevant sei für ihn, ob er im Zentrum nun an der Seite von Milan Gajic, Moreno Costanzo oder Sekou Sanogo spiele, weil in den Trainings jeweils alle Varianten durchgespielt werden.

Lehren aus der Blamage gezogen

Zuletzt stand Bertone gleich drei Mal in der Startaufstellung und erlebte so die extremen Gefühlsschwankungen der Young Boys mit dem spektakulären 5:0-Sieg über Bratislava, dem beschämenden Auftritt im Cup gegen Buochs und dem Abnützungskampf gegen Sion hautnah mit. Die Cup-Schmach hat der Youngster immer noch nicht ganz verdaut: «Ich habe noch eine gewisse Wut im Bauch. Es war einzig ein mentales Problem. Wir dachten, irgendwie würden wir dieses Spiel schon gewinnen.»

Widerfahre einem Fussballer eine solche Niederlage, wähne er sich wie in einem falschen Film und sei sich bewusst, dass die Öffentlichkeit heftig darauf reagieren werde. Bertone hat seine Lehren aus diesem Negativerlebnis gezogen. Er will künftig noch mehr Wert auf den Aspekt legen, jedes Spiel um jeden Preis gewinnen zu wollen – egal, ob es sich dabei um ein Cup- oder um ein Freundschaftsspiel handle. Positiv, ­berichtet der Hinterkappeler, sei die Aufarbeitung der Ereignisse mit der Mannschaft verlaufen: «Es wurde Klartext geredet. Jeder, unabhängig von seinem Alter, durfte seine Meinung kundtun. Das spricht für unser intaktes Teamleben. Mit dem 1:0 in Sion haben wir die entsprechende Reaktion gezeigt. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen.»

Potenzial für Leaderfunktion

Obwohl YB mit Steve von Bergen, Alain Rochat oder Marco Wölfli international erfahrene Spieler in seinen Reihen hat, ergreift auch der junge Mittelfeldspieler in den Teambesprechungen vermehrt das Wort. Bertone kann sogar als Anführer der jungen Generation um Florent Hadergjonaj, Ivon Mvogo, Gregory Wüthrich oder Marco Bürki bezeichnet werden, auch wenn er dies so nicht von sich aus sagen würde. Neben dem Aspekt, dass er von den «Jungen» bisher am meisten Einsätze im Fanionteam bestritten hat, deutet auch seine Körpersprache auf dem Feld darauf hin, dass er gewisse Führungsqualitäten mitbringt. Bertone dirigiert, gestikuliert, lobt und muntert seine Teamkollegen auf. «Ich war schon bei den Junioren ein kommunikativer Spieler, der gerne Verantwortung übernommen hat. Auf meiner Position muss ich das auch tun», meint der Sohn eines italienisch-deutschen Vaters und einer spanisch-deutschen Mutter.

Dass der schuss- und passstarke Mittelfeldakteur überhaupt einmal für die erste Mannschaft von YB auflaufen würde, war lange Zeit ungewiss. Schliesslich war es noch vor ein paar Jahren fast unvorstellbar, dass die Young Boys dereinst so viele eigene Junioren nachziehen würden. Dies bestätigt auch Bertone: «Als Erminio Piserchia kurzzeitig das Traineramt übernahm und Michael Frey sofort eine Einsatzgelegenheit gab, haben wir Junioren plötzlich gespürt, dass es doch möglich ist, dereinst den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.» Wenn sich Bertone mit Gregory Wüthrich austauscht, mit dem er seit der U-12 zusammenspielt, können es beide manchmal fast nicht glauben, dass sie es bis ganz nach oben in die Super League geschafft haben.

Primärziel ist ein Stammplatz

Mit Michael Frey hat vor einigen Wochen ein anderer Weggefährte die Berner verlassen und ist zum französischen Spitzenverein OSC Lille gezogen. Bertone winkt bei der Frage ab, ob er beim erstbesten Angebot ebenfalls abspringen würde. Er wolle sich bei YB einen Stammplatz erkämpfen und diesen über einige Jahre behalten. «Ich bin noch jung und kann auch mit 25 noch ins Ausland gehen. Als defensiver Mittelfeldspieler rückst du aber so oder so weniger schnell in den Fokus anderer Vereine als beispielsweise ein Stürmer. Auf meiner ­Position muss ein Spieler über mehrere Jahre konstante Leistungen zeigen.»

Planbar sei im Sport nichts, aber vielleicht könne er ja mit YB auch mal einen Titel gewinnen, ergänzt Bertone. Wenn sein Weg weiter so kontinuierlich nach oben führt, würde es nicht erstaunen, wenn er dies dereinst als Captain täte.

Der Bund

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