Das ungleiche Paar soll für YB treffen

Mit den Verpflichtungen von Samuel Afum aus Ghana und Alexander Gerndt aus Schweden reagierten die Young Boys auf den Abgang von Raúl Bobadilla.

Samuel Afum und Alexander Gerndt – die beiden schnellen Stürmer wollen bei YB ihre Karriere neu lancieren.

Samuel Afum und Alexander Gerndt – die beiden schnellen Stürmer wollen bei YB ihre Karriere neu lancieren.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Mit zwei neuen Stürmern wollen die Young Boys in der Rückrunde zur Aufholjagd ansetzen. Der eine heisst Samuel Afum und ist 23 Jahre alt, der andere Alexander Gerndt und ist um 3 Jahre älter. Beide sind während der Winterpause zu YB gestossen: der Ghanaer Afum Anfang Jahr, der Schwede Gerndt vor einer Woche. Beide unterschrieben bei YB Verträge bis im Sommer 2016, beide wohnen zurzeit noch unter dem gleichen Dach im Hotel Ambassador, und beide hegen dasselbe Ziel: Sie wollen in Bern ihre Karrieren neu lancieren.

Auf dem Spielfeld fallen sie durch Schnelligkeit und eine beachtliche Ballbehandlung auf, neben dem Platz geben sie ein ungleiches Bild ab. Alexander Gerndt markiert den selbstbewussten, weltgewandten Nordländer. YB ist bereits der achte Verein, bei dem er anheuerte. Als Stürmer hat er sich eine gewisse Reputation geschaffen. Mit 20 Toren in 29 Spielen mit Helsingborg sowie Gävle wurde er 2010 Torschützenkönig in Schweden und gewann mit Helsingborg den schwedischen Cup. Bald darauf folgte das Aufgebot für die schwedische Nationalmannschaft. Im Sommer 2011 wechselte er nach Holland zu Utrecht. Dort erzielte er in 40 Meisterschaftsspielen 13 Tore. Auf die Frage, weshalb er ausgerechnet bei YB unterschrieben habe, meint er: «Mein Agent sagte, YB zeige Interesse. Das Angebot ist gut, deshalb bin ich hier.»Wenn Gerndt lächelt, bilden sich an den Mundwinkeln kleine Fältchen. Er gibt routiniert Auskunft, ohne den Eindruck zu erwecken, er suche die Mikrofone. Er kennt die Mechanismen des Journalismus, und er wirkte auch nicht verärgert, als er bei der ersten Begegnung mit den Journalisten in Bern gleich auf den Gerichtsfall im Dezember 2011 in Helsingborg angesprochen wurde. Der Richter erklärte ihn damals für schuldig, seine ehemalige Frau tätlich angegriffen zu haben, und Gerndt wurde zu 8800 Euro Geldstrafe verurteilt. Zudem musste er seiner Ex-Frau 7000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Darauf wurde er vom schwedischen Fussballverband für die Nationalmannschaft suspendiert. Gerndt will nicht in die Details gehen, er sagt: «Ich kann die Vergangenheit leider nicht ungeschehen machen, ich schaue nach vorne.»

Afum: Einsamkeit gehört zum Job

Auch Samuel Afum ist zurzeit bei Ghanas Nationalteam kein Thema, das am Mittwoch im Afrika-Cup durch die 0:1-Niederlage gegen Burkino Fasa den Einzug in den Final verpasst hat. Der Stürmer sieht den Grund für seine Nichtnomination in der Tatsache, dass er seit einem Jahr kein Wettbewerbsspiel mehr bestritten hat. Nachdem er vor zweieinhalb Jahren vom ghanaischen Verein Hearts of Oak aus der Hauptstadt Accra nach Ägypten zum SC Smouha gewechselt hatte, skorte er in 43 Spielen 14 Tore und servierte 6 Assists für den Club aus Alexandria. Doch dann geschah vor einem Jahr das Desaster: die Ausschreitungen beim Spiel zwischen dem Kairoer Club al-Ahly und dem Club al-Masry aus Port Said mit 74 Toten. Afum erlebte die Tragödie mit seinem damaligen Teamkollegen vor dem TV im Teamhotel. «Unser Spiel war auf den nächsten Tag angesetzt, aber nach diesem Unglück wurde alles anders.» Die Fussballmeisterschaft in Ägypten wurde ausgesetzt. Dabei sei das Leben bereits zuvor schwierig gewesen, erzählt er. «Wenige Monate nach meiner Ankunft in Ägypten begann die Revolution.»

Doch nach der Katastrophe in Port Said spielte sich sein Leben nur noch auf dem Fussballplatz und in der Wohnung ab. «Ich ging ins Training und danach zurück in die Wohnung, wieder ins Training und zurück in die Wohnung.» In die Stadt habe er keinen Fuss mehr gesetzt in diesen gefährlichen Zeiten. «Wir trainierten, es gab Testspiele unter Ausschluss der Zuschauer, sonst nichts. Das war sehr langweilig.»

Afum legt seine Hände auf den Tisch, scheint für einen Moment in Gedanken weit weg. Dann sagt er: «Ich bin froh, dass ich in der Schweiz bin. Die Leute sind nett, alles ist perfekt organisiert.» Erstmals in seinem Leben erlebt er Schnee, der kalte Wind macht ihm zu schaffen. Deshalb sind auch seine Frau und das sieben Monate alte Töchterchen noch nicht hier. «Es ist noch zu kalt, das ist nicht gut für die Kleine. Aber wenn es wärmer wird, kommen sie zu mir in die Schweiz.»

So stark wie seine Mutter

Er sei in seinem Leben schon oft alleine gewesen. «Als ich zehn Jahre alt war, starb mein Vater. Meine Mutter Alice sorgte danach alleine für meinen Bruder Asante und mich.» Afum spricht leise, er stockt, wischt sich verschämt eine Träne aus den Augenwinkeln. Er fühlt sich ertappt und murmelt: «Was soll ich sagen?» Um seine Mutter zu entlasten, sei er früh von zu Hause weggezogen. «Einsamkeit gehört zum Job des Fussballprofis», fügt er an. Nun habe er die Pflicht, seine Familie zu unterstützen.

Er sei stark wie seine Mutter, fügt er an. Und Heimweh? Darüber will er nicht sprechen. Er will in Bern Tore schiessen, doch solange seine Spielbewilligung aus Ägypten nicht eintrifft, heisst es wieder trainieren, warten und mit der Ungewissheit leben.

Alexander Gerndt dagegen wird heute sein Debüt mit YB gegen Luzern geben. «Ich weiss nichts über den Gegner. Aber das macht nichts. Ich kann mich schnell integrieren, ich habe solche Situationen schon erlebt», sagt der Schwede und lächelt. Samuel Afum aber hofft, der Papierkram werde bald erledigt und der Frühling komme schnell.

Der Bund

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