Das Tiefstapler-Trio

Fussball Matteo Tosetti, Dejan Sorgic und Marvin Spielmann bilden beim FC Thun das Herzstück der produktiven Offensive. Sie haben im Oberland noch einiges vor. 

Für einmal selbst im Netz: Die drei Thuner Offensivkräfte Tosetti, Sorgic und Spielmann (von links).

Für einmal selbst im Netz: Die drei Thuner Offensivkräfte Tosetti, Sorgic und Spielmann (von links).

(Bild: Patric Spahni)

Drei Schüsse, drei Tore, drei Punkte. Einmal den Ball mit dem Aussenrist spektakulär in den Winkel gezirkelt, zweimal überlegt am Torhüter vorbei ins Tor geschlenzt. Die Kurzzusammenfassung des 3:1-Sieges des FC Thun am Mittwoch in Lugano liest sich nüchtern, und sie verschweigt einiges: zum Beispiel dass die Thuner im Tessin stets spielbestimmend aufgetreten waren und noch eine Vielzahl weiterer Tormöglichkeiten besessen hatten oder dass sie mit dem Erfolg eine dreieinhalbjährige Durststrecke beendeten, was Siege im altehrwürdigen Cornaredo anbelangt, sie sich in der näheren Vergangenheit gegen Lugano sehr schwergetan hatten.

Oder dass Marvin Spielmann und Dejan Sorgic ihr Torkonto weiter äufneten und nun schon bei neun beziehungsweise zwölf Saisontoren angelangt sind.

Transfergerüchte auf Twitter

«Wenn wir so spielen wie gegen Lugano, können wir jeden Gegner schlagen», sagt Matteo Tosetti. Der Tessiner ist der Dritte im bemerkenswert gefährlichen Offensivtrio der Thuner. 35 Skorerpunkte haben die drei in dieser Saison bereits gesammelt. Es ist nicht nur ein starker Wert, sondern auch einer, der die ­Frage aufwirft, ob sie nicht längst zu gut geworden sind für den FC Thun, ob sie sich nicht längst bei einem grösseren Club versuchen könnten.

Am Freitagmittag sitzt das Trio auf der Tribüne der Stockhorn-Arena und erzählt von einer ­ruhigen Winterpause. Es habe keine Angebote für sie gegeben. «Manchmal habe ich auf Twitter irgendein Gerücht gelesen», sagt Tosetti, aber konkret sei nie eine Anfrage auf dem Tisch gelegen. Auch wenn der 26-Jährige anmerkt, dass das Schweizer Transferfenster im Moment noch geöffnet sei, haben weder er noch seine beiden Teamkollegen die Absicht, den FC Thun zu verlassen.

Trainer Marc Schneider hatte vor dem Rückrundenauftakt von einer veränderten Mentalität gesprochen, die er in der Mannschaft feststelle, einer Gewinnermentalität, die Einzug gehalten habe und auch die besten Spieler zum Verbleib im Oberland bewegen könne. Sorgic sagt, dass selbst im Training jeder immer gewinnen wolle, es im kompetitiven Umfeld auch mal zu Nickligkeiten kommen könne. Der 29-Jährige taxiert das als eine positive Entwicklung. «Die Mannschaft hat einen Schritt vorwärts gemacht.» Spielmann pflichtet bei: «Alle merken, dass sie sich noch weiterentwickeln und gemeinsam etwas erreichen können.» 

Lustrinellis Referenzen

Mauro Lustrinelli, der ehemalige Thun- und jetzige U-21-Nationaltrainer, bezeichnet Sorgic als «Luxuslösung», die längst ihre Tore bei einem grösseren Club schiessen könnte, und Spielmann attestiert er Qualitäten im 1 gegen 1 und im Abschluss, die hierzulande nur wenige aufweisen könnten. Matteo Tosetti wurde unlängst zum statistisch besten Vorbereiter der Liga erkoren, da er an am meisten gefährlichen Angriffen beteiligt gewesen sei (76) und am meisten erwartbare Assists (5.1) verzeichne.

All das sind Referenzen, die so auch im einen oder anderen Notizblock eines Scouts stehen könnten. Doch ungeachtet des Lobs ihres ehemaligen Trainers und der Medien – das Thuner Offensivtrio hat das Mantra der Bescheidenheit verinnerlicht und fokussiert sich auf seine Aufgaben beim FCT. Sorgic erinnert an die vielen Verletzungen, die seine Karriere immer wieder bremsten und einem früheren Durchbruch im Weg standen. «Ich bin gefühlt ja erst seit drei Jahren Profi. Ich geniesse jedes Spiel, das ich machen kann.»

Aus diesem Grund habe er nie das Bedürfnis gehabt, möglichst schnell wieder den Verein zu wechseln. Spielmann sagt mit einem verschmitzten Lächeln, dass ihm schon noch einige junge Spieler einfallen würden, die schnell und abschlussstark seien. «Ich glaube nicht, dass ich so unique bin.» Und Tosetti war von seinem Vater auf den Zeitungsartikel mit der statistischen Auswertung aufmerksam gemacht worden. Er sagt: «Ich bin kein Fan von Statistiken.» Natürlich mache es stolz, so etwas zu lesen, aber «die Quote ist ja nicht so gut, sonst hätte ich schon viel mehr Tore vorbereitet».

«Wir müssen uns mit der Realität ­beschäftigen,dann wird der Traum vielleicht Wirklichkeit.»Matteo Tosetti

Das Trio harmoniert nicht nur auf dem Platz gut, sondern auch im Tiefstapeln, was die eigene Leistung und die Erwartungshaltung des Teams angeht.

Traum und Wirklichkeit

Auch wenn die Oberländer im Hinblick auf Tabellenlage und Form – nur Meister YB ist in der Super League so ­gefestigt und eingespielt wie der FCT – längst einen Platz im Europacup als Saisonziel ausrufen könnten, halten sie beharrlich am Minimalziel Ligaerhalt fest. Klar sei es ein Traum, mal in der Europa League oder der Champions League gegen seine Idole zu ­spielen, sagt Tosetti, «aber wir müssen uns mit der Realität beschäftigen, und dann wird der Traum vielleicht Wirklichkeit.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...