Das Gedicht

Fussballgott-Grädel geht unter die Lyriker.

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Irgendwann war die Idee da, ein Gedicht zu schreiben. Na ja, so wie Grädel halt ein paar Strophen schreiben kann: ein 4.-Liga-Abstiegskampf-Gedicht – tiefer Platz, tiefes Einsinken. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Wann, wenn nicht jetzt, dachte sich Grädel. Saisonende, ein idealer Moment, Lyrik ins Spiel zu bringen. Mit Verlangsamung den Sommer einläuten, bevor die Fussballmaschinerie den hochgetakteten Rhythmus wieder aufnimmt. Also, hier das Gedicht:

Es geht alles immer schneller
und schneller
High Frequency – das Hirn, das Herz, die Muskeln der Männer
Sie fräsen über den grünen Rasen
Und die Kühe denken: Schade,
nichts mit Grasen

Die Angriffe wie Überfälle
Terror in den Strafräumen,
den Schlafräumen
Köpfe prallen aufeinander,
nicht immer sanft
Oft dann ein Aufenthalt in der Klinik, in Flüeli-Ranft

Möglichst schnell genesen,
nur keine Zeit verlieren
Es geht nicht ums Spielen,
das ist gewesen
Der Druck ist hoch,
die Trainer fliegen
Aber es gibt nichts zu meckern,
sagen selbst die Ziegen

Part of the business wird zum
stehenden Begriff
Fussball ist ein Tanker,
ein riesiges Schiff
Kaum zu wenden,
die Route ist fix
Immer mehr Geld –
da nützt alles nix

Personality, Glamour und
Vermarktung als Losung
Möglichst laut der Knall,
möglichst weit der Hall
Die Social Media sind die Götter,
die senden
Wenig Geist aus dem heiligen All
Die Flut ist stetig, scheint nie zu enden

Alles geht immer irgendwie weiter, und alle sind ersetzbar
Das sagte einst YBs Präsident,
Ruedi Bär, ein Visionär
Was wahr war, wird immer wahrer,
30 Jahre später
Damals gab es Titel, heute nur
schönere Kittel

Nun liegt der Sommer
vor der Tür
Draussen klopft sie an,
die lähmende Hitze
Zeit für eine innere Kür,
um zu schauen:
Wie wird man wieder Spitze?

Diese Kolumne ist jetzt nicht
der letzte Schrei
Wie die Saison von YB,
sie war wie ein halbes Ei
Eigelb und Dotter –
oh wie schön,
Sie würden zusammen schlottern

(Grädel hat für dieses Gedicht ein relativ freies, aus dem Baltischen stammendes Versmass verwendet. Er kommt wieder in ein paar Wochen, kurz vor Saisonbeginn.)

Der Bund

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