Constantin-Affäre – diese Strafen drohen ihm nun

Von Stadionverbot bis Schmerzensgeld: Christian Constantin muss sich nach dem Angriff auf Fringer auf eine Vielzahl von Massnahmen gefasst machen.

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Vier Ohrfeigen, ein Tritt in den Hintern – Christian Constantins übler Aussetzer gegen den früheren Nationalcoach Rolf Fringer vor laufender Kamera schlägt grosse Wellen. Medien weltweit berichten darüber – zum Beispiel der «Kicker».

Für den Präsidenten des FC Sion könnte die Lage nach dem jüngsten Skandal einer affärenreichen Funktionärskarriere ungemütlich werden. Nachdem er 2004 gegen einen Schiedsrichter tätlich geworden war, kam er noch mit einer (saftigen) Busse durch die Swiss Football League davon, diesmal könnte die Strafe heftiger ausfallen. Auf sportlicher, justiziabler und gesellschaftlicher Ebene. Folgende Massnahmen drohen dem 60-Jährigen.

Stadionverbot

Wird ein Fan in einem Fussballstadion tätlich, muss er damit rechnen, Stadionverbot zu erhalten. Selbst Vandalismus kann schon mit einem solchen geahndet werden. In diesem Fall ist die Tätlichkeit auf Video festgehalten, in einem TV-Interview prahlte Constantin sogar damit. Denkbar also, dass die Liga gar nicht anders kann, als CC mit einem (mehrjährigen) Stadionverbot zu belegen. Andernfalls schaffe sie vielleicht ein Präjudiz.

Stadionverbote aussprechen können einzelne Clubs, aber auch die Liga, durchgesetzt werden müssen sie danach von sämtlichen Vereinen in der Schweiz – in der Theorie selbst von allen Amateurclubs. Und natürlich auch vom FC Sion. Verstösst jemand gegen ein Stadionverbot, droht ihm eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Ämterverbot

Die Disziplinarkommission der Swiss Football League (DK) hat die Ermittlungen bereits aufgenommen und will aufs Tempo drücken. Als Constantin vor einem Jahr nach ihm missliebigen Pfiffen in einem Spiel gegen YB eine Hetzjagd auf Schiedsrichter Sascha Amhof gestartet hatte, dauerte es Tage, ehe die Liga nur schon mit einem Communiqué reagierte. Diesen Vorwurf will sie sich kaum noch einmal machen lassen. Nicht ausgeschlossen, dass sie noch heute Freitag entscheidet.

Constantin kann durch die DK für eine gewisse Zeit von allen Fussballämtern gesperrt werden. Sogar eine lebenslängliche Sperre ist anwendbar, wie etwa der Fall des früheren Fifa-Topfunktionärs Mohamed bin Hammam zeigte. Offiziell nennt sich diese Sperre Boykott – die Fussballverbände würden Constantin jegliche Korrespondenz verweigern, nach einem rechtskräftigen Bescheid dürfte er keine offiziellen Dokumente mehr unterschreiben. Allerdings könnte er den Rechtsweg über den internationalen Sportgerichtshof in Lausanne ausschöpfen.

Nicht ausgeschlossen werden kann CC hingegen als Alleinaktionär und Geldgeber des FC Sion. Auch eine Einsetzung von Sohn Barthélémy als Präsident wäre kein Verstoss.

Schmerzensgeld

Der attackierte frühere Nationaltrainer Rolf Fringer hat bereits vor laufender Kamera angekündigt, dass das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen sei. Der TV-Experte von Teleclub hat mehrere Möglichkeiten, um gegen Christian Constantin vorzugehen. Zum einen auf dem zivilrechtlichen Weg.

Fakt ist, die Attacke ist eine Persönlichkeitsverletzung. Daher könnte der TV-Experte auf zivilrechtlichem Weg Genugtuung wegen «immaterieller Unbill» fordern. Das Schmerzensgeld wäre indessen überschaubar. In der Schweiz sind die Ansätze für Ohrfeigen eher gering, sie belaufen sich auf wenige Hundert Franken.

Geldstrafe

Eine weitere Möglichkeit Fringers, gegen CC vorzugehen, ist der strafrechtliche Weg. Der Österreicher könnte Constantin anzeigen wegen Körperverletzung, Ehrverletzung oder Tätlichkeit. Gefängnis erwartet Constantin hier nicht, doch Geldstrafen sind sehr plausibel. Kommt dazu, dass der Sion-Präsident ein Wiederholungstäter ist. Der Vorfall mit dem Schiedsrichter aus dem Jahr 2004 dürfte ins Strafmass einfliessen.

Dass die Staatsanwaltschaft Tessin von sich aus wegen eines Offizialdelikts aktiv wird, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Dafür hätte Fringer ernsthaft verletzt und ins Spital gebracht werden müssen.

Gesellschaftliche Ächtung

Die spannende Frage ist, ob die Sponsoren des FC Sion auch nach der jüngsten Eskapade noch hinter Constantin stehen und den Club weiterhin unterstützen. An anderen Orten folgt nach solchen Eklats oftmals ein Exodus an Sponsoren. Man könnte allerdings anfügen, Sion sei ein Spezialfall. Doch der Vorfall hat die Brisanz, dass die Stimmungslage nun kippen könnte.

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Constantin soll sich entschuldigen, und gut ist es.

 
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10424 Stimmen


Einem allfälligen Imageverlust für die Olympiabewerbung 2026 zuvorgekommen ist Constantin mit seinem Rückzug aus dem Organisationskomitee am Freitagvormittag. CC soll nach Projektvorschlag allerdings das olympische Dorf bauen. Gilt das auch nach der Fringerattacke noch? Auch wenn er dieses Projekt als Unternehmer ausfüllt und nicht als Sion-Präsident: Seine Glaubwürdigkeit ist dahin.

Aufnahmen zeigen das Ende des Vorfalls zwischen Constantin und Fringer. Video: (Teleclub/Tamedia) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2017, 11:37 Uhr

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