Benficas Reserve verstärkt YB

Mit Loris Benito übernehmen die Berner nach Miralem Sulejmani einen zweiten Spieler für mehrere Jahre, der beim portugiesischen Rekordmeister nicht über eine Statistenrolle hinauskam.

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Ruedi Kunz

Wird der BSC Young Boys eine Filiale von Benfica Lissabon? Wohl kaum. Und doch war gestern der Name des portugiesischen Rekordmeisters allgegenwärtig im Stade de Suisse. Der Grund: Der Trainingsstart von Loris Benito und ­Miralem Sulejmani, die beide zuletzt bei Benfica unter Vertrag standen. Während der Transfer des Serben schon etwas länger bekannt war, offizialisierten die Young Boys Benitos Verpflichtung erst eine Stunde vor seiner Premiere auf dem Berner Kunstrasen. Sie haben den 23-Jährigen, welcher mit dem früheren Super-League-Goalie Ivan Benito verwandt ist, mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet.

Sportchef Fredy Bickel, welcher ihn einst von Aarau zum FC Zürich holte, hält grosse Stücke auf den jungen ­Verteidiger. Benito sei ein vielseitig ­einsetzbarer Akteur mit vorzüglichen physischen Voraussetzungen. «Er wird unserer Abwehr zu noch mehr Stabilität verhelfen.» Was sich mit der Ankunft des U-21-Nationalspielers auch verstärkt: der Konkurrenzkampf in der Defensive. Um seinen Platz zittern muss in erster Linie Jan Lecjaks, auf dessen Seite Benito bevorzugt verteidigt.

Alles ein paar Nummern grösser

Vor etwas mehr als einem Jahr schien Benito die ganz grosse Fussballwelt offen zu stehen. Benfica Lissabon stattete ihn mit einem Fünfjahresvertrag aus und überwies dem FC Zürich je nach Quelle zwischen 3 und 3,5 Millionen. Die ersten Wochen in einem der berühmtesten Klubs der Welt waren für den gebürtigen Aargauer ungemein intensiv und aufregend. «Einen Riesenkopf» habe er gehabt ob der vielen Eindrücke im Training und in der Millionenstadt Lissabon, erzählte er nach der ersten Trainingseinheit in YB-Kleidung. Sein Pech war, dass er sich gegen Ende der Vorbereitungsphase, in der er in mehreren Testpartien zum Einsatz gekommen war, verletzte. Ersatzmann Eliseu machte seine Sache danach derart gut, dass Trainer Jorge Jesus keinen Grund sah, wieder auf Benito zurückzugreifen.

Trainieren, trainieren, trainieren, aber praktisch keine Ernstkämpfe (insgesamt sechs Einsätze): Das war die frustrierende Erfahrung, die der Schweizer fortan machte. Dennoch weigert er sich standhaft, von einem verlorenen Jahr zu sprechen. «Für die persönliche Entwicklung war der Abstecher zu Benfica sehr wertvoll. Ich habe erstmals überhaupt auswärts gewohnt und musste mich in einer fremden Stadt zurechtfinden.» Und obwohl er kaum je habe Spiele bestreiten können, habe er auch im fussballerischen Bereich einiges gelernt. «Die Intensität in den Trainings war viel höher als zuvor in der Schweiz.» Er sei Teil einer mindestens 25-köpfigen Gruppe von Top-Fussballern gewesen, die sich Woche für Woche um 11 Plätze duelliert hätten. «Das härtet ab.»

Die Schicksalsgemeinschaft

Einer von Benitos Schicksalsgenossen war Miralem Sulejmani. Der Serbe, 2013 von Ajax zu Benfica gestossen, genoss bei Coach Jesus Jorge nahezu keinen Kredit mehr, nachdem er eine langwierige Schulterverletzung auskuriert hatte. Am Ende der Meisterschaft 2014/15 blickte er auf magere vier Teileinsätze zurück. Für einen Spieler, der einst in seiner Heimat Serbien als Jahrzehnt­talent gefeiert worden war, eine niederschmetternde Bilanz. Loris Benito schwärmt über die fussballerischen Qualitäten ­seines alten und neuen Teamkollegen Sulejmani: «Er ist sehr schnell und trickreich und verfügt über einen guten ­Torriecher.» Ob es stimme, dass er den Serben ermuntert habe, den Wechsel zu YB zu vollziehen? «Wir haben miteinander telefoniert und über den Club und die Schweiz allgemein gesprochen», bestätigt der Verteidiger schmunzelnd.

Vorerst keine Transfers mehr

Bickel mag das Wort Königstransfer nicht aussprechen im Zusammenhang mit den beiden Neuzuzügen: «Sie beleben mit Bestimmtheit den Konkurrenzkampf, obwohl ihnen die Wettkampfpraxis fehlt.» Der Erwerb von Benito und Sulejmani ist Teil der Vorwärtsstrategie, welche die Clubführung nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung verfolgt. Sie soll dem BSC YB den ersten Titel seit beinahe 30 Jahren bescheren. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass bis Ende August weitere Transfers getätigt werden. Eher unwahrscheinlich ist eine Verpflichtung von Dzemaili, obwohl Bickel mit dem Ex-FCZler gut befreundet ist.

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