Auf dem langen Weg zurück

YB-Stürmer Alexander Gerndt steht vor dem Come­back. Der Weg zurück nach seiner Verletzung war hart.

Vor dem Come­back: Alexander Gerndt.

Vor dem Come­back: Alexander Gerndt.

(Bild: Tobias Anliker)

Seit zwei Jahren ist Alexander Gerndt bei den Young Boys unter Vertrag – vor zwölf Monaten hat er zuletzt in der Meisterschaft gespielt. Er lebt in der Berner Agglomeration und hat sich mit seiner Frau und Töchterchen Olivia, das im letzten Frühsommer zur Welt gekommen ist, gut eingerichtet. Auf die Frage, welches die seltsamste Eigenschaft der Schweizer sei, reagiert der Schwede erstaunt und antwortet: «Ich sehe kaum Unterschiede. Schweden und Schweizer sind sich doch sehr ähnlich.»

Das Niveau in der Schweizer Super League indes erachtet er als besser als in der Allsvenskan, der Spitzenliga in Schweden. Aber er fügt an: «Die beiden ­Nationalmannschaften spielen auf dem gleichen Level.»

Der Totalschaden

Der 28-jährige Stürmer steht vor dem Come­back. Am Sonntag ist es ein Jahr her, dass er im St.-Jakob-Park nach einem ­rüden Einsteigen von Basels Taulant Xhaka einen Totalschaden im rechten Knöchel erlitt. Neben einem Innenband­riss im rechten Sprunggelenk wurden auch ein Riss des Syndesmose­bandes und Knochenabsplitterungen diagnostiziert.

Die folgende Frage hat er erwartet, sie wurde ihm oft gestellt. Was denkt er über Xhaka? «Es war ein hartes Foul von hinten. Er hätte die rote Karte dafür ­sehen können – und ich hätte unverletzt sein können. Stattdessen sah er Gelb, und ich wurde verletzt. Es war viel Pech dabei, aber es ist nun mal so geschehen.»

Gerndt demonstriert Gelassenheit. Aber der Weg zur Genesung war härter und komplizierter, als es sich die Ärzte und auch er vorgestellt hatten. Nach der Sommerpause stieg er wieder ins Training ein – und musste schon am ersten Tag abbrechen. Der Fuss schmerzte stark, eine weitere Operation wurde unumgänglich. «Alles begann wieder bei null», sagt Gerndt. Doch jetzt ist er wieder bereit, hat die Vorbereitungszeit ohne Probleme mitgemacht.

Und als er im Testspiel in der Türkei gegen Hertha BSC hart attackiert wurde, stockte auch Trainer Uli Forte kurz der Atem. Aber Gerndt stand auf, prüfte kurz seinen rechten Fuss und spielte weiter. Dieses Erlebnis, sagt Forte, gebe Gerndt auch im Kopf die Gewissheit, dass die Verletzung überstanden ist.

Der Schwede gibt sich zuversichtlich, aber nicht überschwänglich. Er sagt: «Die Mannschaft hat zuletzt hervorragend gespielt, ich werde mir meinen Platz erkämpfen müssen.» Er rechnet damit, dass er zum Rückrunden-Auftakt in ­Luzern und in den folgenden Spielen allenfalls zu Teileinsätzen kommt.

Die neue Grossfamilie

In den vergangenen Monaten hatte er viel Zeit nachzudenken. 2011 war Gerndt in die Schlagzeilen geraten, als ein Gericht in Helsingborg ihn für schuldig befunden hatte, seine damalige Frau tätlich angegriffen zu haben. Er musste eine Geldbusse und Schmerzensgeld entrichten.

Mittlerweile hat sich das Verhältnis so weit normalisiert, dass er seine beiden Kinder aus erster Ehe, Leo (8) und Lea (6) in Schweden besuchen kann. «Wenn eine Ehe auseinanderbricht, kämpft man zuerst gegen alles», sagt er. «Die Situation ist sicher nicht perfekt, aber meine Ex-Frau und ich haben uns arrangiert. Die vergangenen Weihnachtstage verbrachten wir in Schweden gemeinsam, mit allen drei Kindern.» Gerndt spricht von einer grossen Familie, die er nun habe.

Wenn es ihm gelingt, in der Rückrunde für YB so erfolgreich am Ball zu sein wie vor seiner Verletzung, dann ist die Welt des Alexander Gerndt wieder im Lot.

Der Bund

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