Auf Aussenbahnen mehr Feuer legen

YB hat in dieser Saison einen ordentlichen Schritt vorwärts gemacht. Um nächste Saison Ligakrösus Basel ernsthaft in Verlegenheit zu bringen, müssen die Berner ihr Kader weiter verstärken.

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Ruedi Kunz

Die Young Boys absolvieren die beste Saison seit fünf Jahren, als sie bis zur letzten Runde reelle Chancen auf den 12. Meistertitel ihrer Geschichte hatten. Nach 28 Spieltagen sind sie mit 54 Punkten ungefährdeter Tabellenzweiter; lassen sie bis Saisonende keine Punkte mehr liegen, übertreffen sie sogar die Bestmarke von 2010 (77 Punkte). Das wäre ein höchst beachtlicher Wert nach einem sehr mässigen Start und einer argen Resultatkrise im Oktober.

Der Makel: Der Rückstand auf Basel beträgt aktuell 10 Punkte, und da der Leader Woche für Woche seine Aufgabe mehr oder minder unaufgeregt und routiniert erledigt, hat sich das Thema Meistertitel für den BSC YB so gut wie erledigt. Etwas anders sähe es aus, hätte die Meisterschaft erst am 9. November begonnen, als das Team von Uli Forte eine Erfolgsserie startete, die erst am vorletzten Wochenende in St. Gallen endete (1:3-Niederlage). In dieser Zeitspanne holten die Berner einen Punkt mehr als der FCB – einem packenden Zweikampf um den Meisterpokal stünde nichts im Weg. Die Gründe für den Aufschwung lassen sich an mehreren Personen festmachen:

  • Milan Vilotic: Der Serbe hat nach der Seuchensaison 2013/14 bewiesen, dass er sein Geld wert ist. Der 28-Jährige ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Innenverteidiger in der Super League.
  • Sékou Sanogo: Dass der Ivorer ein zweikampfstarker und robuster Akteur ist, war bekannt, als er zu YB wechselte. Dass er beim ambitionierten Traditionsverein sofort den Takt angibt im zentralen Mittelfeld, war zumindest für Aussenstehende eine grosse Überraschung.
  • Renato Steffen: Er hat in dieser Saison die grössten Fortschritte gemacht. Der ungestüme Aargauer ist intern zum zweitbesten Skorer (8 Tore/6 Assists) aufgestiegen und hat im taktischen ­Bereich einiges dazugelernt.
  • Guillaume Hoarau:Der gross gewachsene Franzose ist für YB ein Glücksfall. Er ist nicht nur ein formidabler Skorer (14 Tore in der Super League, 6 in der Europa League), sondern besitzt Selbstvertrauen und Charisma wie kein ­Zweiter im Team.

Wenn das Ausland lockt

Konstant gute Leistungen in der Super League werden heute eher früher als später von Konkurrenten aus finanzstärkeren Ligen registriert. Das Beispiel von Michael Frey, der Ende August bei Lille unterschrieb, ist noch in frischer Erinnerung. Die nächsten Young Boys, die aufbrechen könnten Richtung Ausland, sind Mvogo, Sanogo und Steffen. Bei Mvogo und Steffen gebe es keinerlei Anzeichen, die auf einen baldigen Abgang hindeuteten, sagt Sportchef Fredy Bickel. Trainer Uli Forte ist sich ziemlich sicher, dass die beiden jungen Schweizer begriffen haben, dass es für sie besser ist, wenn sie noch eine weitere Saison in Bern 
bleiben. Wie es bei Sanogo aussieht, weiss niemand so genau. Laut Bickel liegt für den Mittelfeldspieler kein konkretes Angebot vor. Und sollte eines kommen, werde der Klub um den Spieler kämpfen.

Wer wird die neue Nummer 10?

Der Sportchef will das Gerüst, an dem er seit seiner Rückkehr nach Bern arbeitet, weiter stabilisieren. Mit gutem Grund: Die Young Boys mögen aktuell so gut aufgestellt sein wie schon lange nicht mehr. Doch sie haben nach wie vor nicht genügend Qualität, um dem FCB über längere Zeit auf den Zahn zu fühlen. Was ihnen fehlt, ist ein zentraler Mittelfeldspieler mit Spielmacherqualitäten. Moreno Costanzo, der eigentlich für diese Position vorgesehen war, ist ausser Traktanden gefallen. Vertrag bis 2017 hin oder her: Für den Ostschweizer gibt es bei YB keine Zukunft mehr. «Er passt nicht in unser Spiel­system», sagt Bickel.

Im 4-2-3-1-System, welches Forte zumeist spielen lässt, besetzte einer aus dem Trio Gerndt/Kubo/Afum die zentrale Position hinter Sturmspitze Hoarau. Einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterliess keiner. Am besten gefiel noch Gerndt, der nach fast einjähriger Verletzungspause auf die Rückrunde hin ins Team zurückkehrte. Doch auch der Schwede ist definitiv nicht der Mann der Geniestreiche, die zuweilen notwendig sind, um eine massierte Abwehr aufzureissen.

Doch wer könnte er sein, der gewiefte Spielmacher, der Hoarau und Konsorten mit Zuckerpässen versorgen kann und im besten Fall selber auch torgefährlich ist? Der Name Almen Abdi taucht von Zeit zu Zeit auf, weil er und Bickel sich vom FCZ her kennen. Ein Traum, der sich kaum erfüllen wird, da Abdi bei Watford mit etwas Verspätung sein Glück gefunden hat. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Neue aus Osteuropa, Lateinamerika oder Afrika kommt. Bickel äussert sich nicht zu ­Namen und Gerüchten.

González, Schönbächler, Rodriguez

Handlungsbedarf besteht auch auf den Aussenpositionen des Mittelfeldes. ­Gesucht sind Nachfolger für Gonzalo Zárate und Matias Vitkieviez, deren ­Verträge nicht verlängert werden. Bickel würde gerne Alexander González (ausgeliehen an Thun) zu YB zurückholen. «Doch ist weiss nicht, ob das der Spieler auch will.» Kandidaten, die das Anforderungsprofil erfüllen, gibt es in der Super League nicht viele. Marco Schönbächler (FCZ), Jakob Jantscher, Adrian Winter (beide Luzern), Roberto Rodriguez (St. Gallen), und der junge Daniel Follonier (Sion) sind Namen, die herumgeboten werden. Ob einer von ihnen bei YB unterschreibt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Wie auch immer die Neuen heissen: Sie sollen den erlahmten Konkurrenzkampf auf den Aussenbahnen beleben.

Der Bund

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