Anlaufprobleme nach der Heimkehr

Sport

Alain Rochat brauchte lange, bis er bei YB wieder Tritt fasste. In der Rückrunde werde er sich steigern, verspricht der Romand, der mit den Bernern unbedingt «noch etwas Wichtiges gewinnen will».

Alain Rochat beim Benefizspiel am vergangenen Dienstag im Stade de Suisse: «Ich war überrascht, wie gut die Weltstars noch immer sind.»

Alain Rochat beim Benefizspiel am vergangenen Dienstag im Stade de Suisse: «Ich war überrascht, wie gut die Weltstars noch immer sind.»

(Bild: Tobias Anliker)

Ruedi Kunz

Das Spiel gegen «Ronaldo, Zidane und Freunde» liegt schon fast 72 Stunden zurück. Und doch ist es immer noch sehr präsent bei YB. «Ich war überrascht, wie gut die Weltstars noch immer sind», sagt Alain Rochat. Am meisten beeindruckte ihn Zinédine Zidane: «Seine Übersicht, seine Dynamik, sein Laufvermögen – phänomenal für sein Alter.» Zur Erinnerung: Der Weltmeister von 1998 wird im Juni 42. Trainer Uli Forte ist fast ein bisschen neidisch, wenn er an Zidanes «muskelbepackten Body» denkt. Nur bedingt einig geht er mit dem Berichterstatter, der glaubt, der französische Altmeister könnte in der Super League problemlos mithalten. «Für ein einzelnes Spiel würde seine Physis noch reichen, für eine ganze Saison nicht.»

Zurück zu Alain Rochat, der gegen die Weltstars eine Halbzeit lang in der Innenverteidigung zum Einsatz kam. Dort bekam er es mit Ronaldo und Martha zu tun. Die Brasilianerin verlangte ihm und Nebenmann Vilotic bedeutend mehr ab als ihr nicht mehr ganz schlanker Landsmann. «Ihre Technik und Spielintelligenz sind überragend», schwärmt der 31-Jährige von der weltbesten Fussballerin. Die Begegnung mit Zidane, Figo, Cannavaro, Hierro, Salgado und vielen anderen einstigen Fussballgrössen aus aller welt führte Rochat eines deutlich vor Augen: Wie gross der Unterschied zwischen Super-League-Spielern und internationalen Stars ist, selbst wenn Letztere ihren Zenit längst überschritten haben. «Es ist eine andere Welt.»

«Le petit Suisse»

Rochat selber schaffte den Sprung über den oberen Rand der Super League nie, obwohl er die heimische Liga zweimal verliess. Das erste Abenteuer führte ihn 2005 nach Frankreich – zum Ligue-1-Verein Stade Rennes. Es endete im grossen Frust, weil Rochat bei Rennes-Trainer Lazlo Bölöny bald in Ungnade gefallen war. «Ich war ‹le petit Suisse› und musste, wie übrigens auch Teamkollege Alex Frei, immer gegen Vorurteile ankämpfen.» Nach einem Jahr als Randfigur hatte der Ex-YB-Spieler genug: Er unterschrieb beim FC Zürich, wo Lucien Favre (Trainer) und Fredy Bickel (Sportchef) zentrale Positionen besetzten, einen Mehrjahresvertrag. Rochat fühlte sich bei seinem früheren Mentor Favre, der ihn in ganz jungen Jahren bei Yverdon an die Super League herangeführt hatte, auf Anhieb wohl. Er gehörte zu den defensiven Teamstützen der Meistermannschaft 2007 – und war es auch noch, als der FCZ zwei Jahre später unter Coach Bernard Challandes den nächsten und vorläufig letzten Meisterpokal holte.

Ab nach Übersee

Nach über 300 Spielen in der Super League sah Rochat den Moment gekommen, nochmals zu neuen Ufern aufzubrechen. Er entschied sich für das Land, in dem er 1983 geboren wurde: Kanada. Sein neuer Arbeitgeber waren ab Januar 2011 die Vancouver Whitecaps, Mitglied der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS). Bei den Whitecaps wurde der Westschweizer mit einem stark britisch geprägten Spielstil konfrontiert. Und siehe da: Der von vielen Experten als wohl talentiert, aber zu weich bezeichnete Fussballprofi hielt der Belastungsprobe stand. Bis 2013 absolvierte er insgesamt 65 Spiele für Vancouver. «Ich habe gezeigt, dass ich fighten kann», verkündet er rückblickend nicht ohne Stolz.

Den Umzug in den Knochen

Seit August 2013 ist Rochat wieder bei jenem Verein, bei dem er schon zwischen 2002 und 2005 tätig war: beim BSC YB. Es war keine Rückkehr mit Pauken und Trompeten. Im Gegenteil: Die ersten Monate sahen die YB-Fans einen langsam und behäbig wirkenden Alain Rochat. «Der Umzug der sechsköpfigen Familie von Vancouver in die Schweiz hat Energie gekostet. Zudem hatte ich im ganzen letzten Jahr keine Pause. Das ging an die Substanz.» In der Rückrunde soll vieles anders, besser werden. «Ich fühle mich viel besser als in der Vorrunde», ist der Routinier überzeugt. Mit seiner Erfahrung und Ruhe soll er mithelfen, das Team Schritt für Schritt zu einem Titel zu führen. «Ein solcher war schon ein Thema, als ich YB verlassen habe. Und er ist es immer noch, was ich gut finde.»

Wie man einen Titel gewinnt, weiss er wie Teamkollege Steve von Bergen, mit dem er beim FC Zürich zusammengespielt hat. Und eben dieser FCZ ist es, der YB morgen im Stade de Suisse fordert. «Wir müssen parat sein, um das Team der Stunde zu stoppen», warnt der Linksverteidiger vor den Zürchern, die alle bisherigen Rückrundenpartien gewonnen haben.

Der Bund

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