Angekommen

Bereits als Fehleinkauf abgestempelt, hat sich Thorsten Schick in der Vorrunde bei YB einen Stammplatz erspielt. In der Rückrunde will er seinen Aufschwung bestätigen.

Zweimal traf Thorsten Schick bisher in der Super League und einmal in der Europa League: Hier zum 3:0 im Heimspiel gegen Astana.

Zweimal traf Thorsten Schick bisher in der Super League und einmal in der Europa League: Hier zum 3:0 im Heimspiel gegen Astana.

(Bild: Anthony Anex (Keystone))

Dario Greco@HerrGreco

Eine gute Leistung zum Saisonauftakt, vielleicht gar gekrönt mit einer Vorlage oder einem Tor – so oder ähnlich muss sich Thorsten Schick seinen Einstand bei den Young Boys vorgestellt haben. Es kam anders.

Im vergangenen Juli war Schick weggegangen aus seiner Heimatstadt Graz, weg von seinem Stammclub, hin zu YB. Wenige Tage nach seiner Ankunft in Bern verletzte er sich und fiel gleich für mehrere Wochen aus, der Zeitpunkt hätte ungünstiger kaum sein können. Schick verpasste die gesamte Vorbereitung mit dem Formaufbau und den Testspielen, aber auch jene Phase, in welcher die Spieler und der Staff viel Zeit miteinander verbringen und die Mannschaft sich kennen lernt. Keine einfache Zeit für einen Spieler fernab der Heimat.

Mit einem knappen Monat Verspätung feierte Schick schliesslich Mitte August in der Qualifikation zur Champions League sein Debüt im gelb-schwarzen Dress. Sechs Ernstkämpfe hatte er da schon verpasst. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach debütierte er, ein besseres Spiel kann man sich gar nicht aussuchen, eigentlich. Schick sieht das anders, ihm habe der Rhythmus gefehlt, «es ging gleich von 0 auf 100». Auch in den darauffolgenden Partien fand sich der 26-Jährige mehr schlecht als recht zurecht und wurde von gewissen Medien schon bald als Fehleinkauf abgestempelt.

Ordentlich trainiert

Schick entging das nicht. «Das gehört zum Geschäft», sagt er, «da muss man als Profi drüberstehen.» Geholfen hätten ihm in dieser Zeit die Gespräche mit den Mitspielern. Insbesondere Captain von Bergen sprach ihm Mut zu, und auch Coach Adi Hütter unterstützte ihn und verteidigte ihn öffentlich. «Wenn ein Brasilianer hierher wechselt, bekommt er ein halbes Jahr Zeit. Andere Spieler erhalten nach drei Spielen einen Stempel aufgedrückt. Das ist nicht korrekt», sagt er rückblickend.

Schick benötigte in den folgenden Wochen viel Geduld – und vor allem brauchte er Spielpraxis. Die bekam er, in jeder einzelnen Partie setzte Hütter seinen Landsmann ein. «Ich wusste, dass ich ordentlich trainiert hatte», sagt Schick, «ich musste einfach schauen, dass ich mich in den Spielen nicht verkrampfte.»

Die besondere Vorfreude

Schick gelang das immer besser, und plötzlich stimmten auch seine Leistungen wieder. Als Schlüsselmoment bezeichnet er die Partie in der Europa League gegen Nikosia. In jenem Heimspiel legte er Hoarau den Ball auf zum 1:1-Ausgleich. «Wer weiss, wie es weitergegangen wäre, wenn mir dies nicht gelungen wäre», sinniert er heute. Es sind überflüssige Gedankenspiele. Bis zur Winterpause erzielte er in 24 Pflichtspielen drei Tore und gab 12 Vorlagen. Einzig Ravet liess sich mehr Assists gutschreiben als Schick, allerdings bei fast 600 Einsatzminuten mehr. «Der Österreicher hat die anfänglichen Bedenken über sein Engagement zerstreut. Mit seiner Schnelligkeit, seinen Flanken und seinen Torvorlagen hat er sich zu Recht ins Team gespielt», bilanzierte der «Bund» nach der Vorrunde.

Nach Hütter klingt das so: «Es ist beeindruckend, wie er sich aus seiner Krise herausmanövriert hat.» In der Rückrunde soll Schick Druck auf Ravet und Sulejmani machen, die eigentlichen Stammkräfte am Flügel. «Wenn er seine Leistungen vom Herbst bestätigt, bin ich sehr zufrieden», sagt der Trainer. Schick hat eine Klausel in seinem Vertrag, wonach sich dieser bei einer gewissen Anzahl absolvierter Partien automatisch um ein Jahr verlängert. Gemäss Sportchef Spycher wird dieser Fall demnächst eintreffen.

Schick kann also bis im Sommer 2018 planen. Für ihn ist YB die erste Station im Ausland, mittlerweile ist er in Bern angekommen. Dass er sehr entspannt wirkt – das hat aber noch einen anderen Grund, einen grösseren und wichtigeren als gute Leistungen auf dem Fussballplatz: Bereits im nächsten Monat erwarten seine Partnerin und er die Geburt ihrer Tochter. Der harzige Start bei YB, er ist ganz weit weg.

Der Bund

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