«Am Ende sind solche Niederlagen vielleicht sogar wertvoller»

Die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg zwischen dem WM-Traum und der EM-Qualifikation.

Am Ende half alles Engagement von Martina Voss-Tecklenburg an der Seitenlinie nichts im WM-Spiel gegen Kanada. Foto: Keystone

Am Ende half alles Engagement von Martina Voss-Tecklenburg an der Seitenlinie nichts im WM-Spiel gegen Kanada. Foto: Keystone

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Eine kurze Nacht war es, Schlaf fand Martina Voss-Tecklenburg nicht. Ein letzter Medientermin vor dem Rückflug in die Schweiz, er findet am selben Ort an der Waterfront statt wie jener zwei Tage vor dem Achtelfinal gegen Kanada. Damals hat es geregnet, nun scheint die Sonne. «Es hat mir trotzdem besser gefallen», sagt die Nationaltrainerin geknickt.

Wie ist Ihre Gefühlslage am Tag nach dem Ausscheiden?
Ähnlich wie gleich nach dem Spiel. Ich hadere. Wenn so wenig fehlt, ist es umso schwieriger, eine Niederlage zu verarbeiten. Es gab Momente, in denen mehr drin gelegen wäre, wenn wir konsequenter gespielt hätten. Wir haben in der zweiten Halbzeit defensiv ja kaum noch etwas zugelassen.

Die fehlende letzte Konsequenz – gilt das für das gesamte Turnier?
Wenn man nur auf die Zahlen schaut, heisst es eindeutig: vier Spiele, drei Niederlagen. Andererseits: Die drei Spiele, die wir verloren haben, haben wir nicht deutlich verloren. Wir haben vielleicht nicht immer über 90 Minuten unser ­Niveau gehalten, aber wir haben mit Teams aus den Top 10 der Weltrangliste mitgehalten, zuweilen waren wir sogar besser. Das macht es umso härter.

Bleibt von der WM nun also vor allem die Enttäuschung hängen?
Nein. Die Enttäuschung ist noch da, ja, und bei mir dauert der Verarbeitungsprozess länger als bei anderen. Doch am Ende überwiegt das Positive. Wir wussten schon vorher, dass uns das Turnier für die Zukunft viel helfen wird. Und wenn ich die positiven Rückmeldungen sehe aus der Schweiz, auch aus Deutschland, dann ist das etwas wert. Ich hoffe, dass das eine Nachhaltigkeit hat.

Was war das Positivste, das Sie mitnehmen?
Recht einfach: dass wir an dieser WM waren. Viele andere waren ja nicht hier. Wie sich das Team vor fast 54 000 Zuschauern gegen Kanada geschlagen hat. Das war schön zu sehen. Und dass wir enttäuscht sind, heisst ja nicht, dass wir sportlich enttäuscht hätten. Was unsere Leistung betrifft, waren wir sehr nahe dran an dem, was unsere Grenze ist. Klar ist aber, dass wir uns mit dem nicht zufriedengeben. Am Ende sind solche Niederlagen vielleicht sogar wertvoller.

Was liegt für dieses Team drin?
Wir wollen ein Niveau erreichen, mit dem wir die Chance haben, uns jedes Mal für eine Endrunde zu qualifizieren. Das wird nicht einfach, andere Nationen haben dieses Ziel auch. Wir müssen weiter unsere Talente konsequent entwickeln, und ich glaube, dabei kann uns die WM-Teilnahme helfen. Dass junge Spielerinnen sich sagen: Da will ich auch hin.

Was nehmen Sie mit in die EM-Qualifikation?
Wir werden eines nicht machen: in Selbstzufriedenheit verfallen, weil wir an dieser WM waren. Oder glauben, dass das ein Selbstläufer wird. Wir haben mit Italien und Tschechien zwei Gruppengegner, die denselben Anspruch haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.06.2015, 00:22 Uhr

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