Als Ronaldo kommt, rastet Higuain erst recht aus

Der Stürmer der AC Milan verliert gegen seinen ehemaligen Verein komplett die Kontrolle und sieht die Rote Karte.

Die Highlights des Spiels zwischen Milan und Juve mit der Roten Karte (1:35). Video: AP

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Wahrscheinlich ist Cristiano Ronaldo in diesem Moment genau die falsche Person, um Gonzalo Higuain zu beruhigen. Der Portugiese probiert es trotzdem und redet auf seinen ehemaligen Teamkollegen ein. Aber eben, er ist der Falsche dafür. Higuain explodiert erst recht und ist nur mit ganz viel Mühe seiner Teamkollegen zu bändigen, so als würde man einen wildgewordenen Hund zurück in seinen Zwinger bugsieren wollen. Und dann weicht die Wut der Enttäuschung, weichen die Schimpftiraden den Tränen.

Der Sonntagabend hätte Gonzalo Higuains Abend werden können. Werden sollen, so hatte es der Argentinier sich vorgestellt. Das erste Mal trifft er mit seinem neuen Arbeitgeber Milan auf seinen alten Club Juventus. Die wollten ihn im Sommer nicht mehr haben, wozu auch? Sie hatten ja gerade erst Cristiano Ronaldo verpflichtet. Vier Topstürmer in einem Team? Das ist zu viel. Gegen den immer krampfenden Mario Mandzukic und den wunderbar talentierten Paulo Dybala zog Higuain den Kürzeren. «Juve hat mich wegen Ronaldo weggejagt», sagt er später.

Higuain leidet und wird getröstet

Am Sonntag also kommt Juventus ins San Siro. Und somit die Chance für den 30-jährigen Argentinier, es seinen alten Teamkollegen zu zeigen. Dass der Verein einen Fehler gemacht hatte, dass er es eben doch noch kann und dass er wichtig wäre. Das Spiel aber beginnt erst mal so, wie es zu erwarten war. Das in dieser Saison noch dominantere Juve geht schon nach acht Minuten in Führung, Torschütze Mandzukic, Higuain leidet das erste Mal.

Doch seine Chance kommt. Kurz vor der Pause schiesst Higuain Benatia den Ball an die Hand, und er merkt es sofort: Penalty. Natürlich läuft er selbst an. Und verschiesst. Ronaldo flüsterte Goalie Szczesny noch etwas ins Ohr, der springt in die richtige Ecke und lenkt den Elfmeter an den Pfosten. Higuain leidet zum zweiten Mal, beim Gang in die Kabine bekommt er Schulterklopfer von seinen ehemaligen Kollegen.

Er schiesst immer Tore, wird aber nicht überall geschätzt

Gonzalo Higuain ist ein überaus emotionaler Spieler. In Europa spielte er bisher bei Real Madrid, Napoli und Juventus. Genug gewürdigt fühlt er sich nur am Vesuv, aber auch da sind ihm die Tifosi nach seinem Wechsel in den Norden nicht mehr gut gestimmt. Egal, ob im Starensemble von Real, in der immer ratternden Angriffsmaschine von Napoli, oder beim in Italien fast schon unschlagbaren Juve: Higuain schiesst Tore, fast 300 sind es mittlerweile. Er hat immer eine Mannschaft um sich herum, die funktioniert und offensiv für Furore sorgt.

Jetzt ist der in Frankreich geborene Neuner in Mailand angekommen. Auch da macht er Tore, sieben bereits in 13 Einsätzen. Aber es ist nicht mehr das Gleiche. Bei der AC Milan ist Higuain der Star, der erste Stürmer auf Topniveau seit Zlatan Ibrahimovic. Der Verein dümpelt schon lange im oberen Serie-A-Mittelfeld herum und tut sich im Angriff schwerer als alle Clubs, die Higuain bis heute erlebt hat. Das wirkt sich aus. Higuain wird in Mailand mehr zum Arbeiter als zum Vollstrecker, holt sich Bälle tief in der eigenen Platzhälfte. Und es schlägt auf sein Gemüt. Läuft es nicht, wird er wütend, aggressiv und er reklamiert viel.

«Wir sind keine Roboter»

Auch gegen Juventus probiert es Higuain zunächst mit aller Vehemenz. Er will dieses Tor unbedingt, aber auch er muss irgendwann einsehen, dass sein Team in allen Belangen unterlegen ist. Bei einem seiner Ausflüge zurück ins Mittelfeld foult er Benatia und sieht Gelb. Higuain platzt der Kragen. Der verschossene Penalty, das 2:0, das Ronaldo – ausgerechnet – gerade erzielt hat, die Gelbe Karte, es ist zu viel. Higuain ruft aus und wirft dem Schiedsrichter wohl einige Worte an den Kopf, die es in sich haben. Er sieht direkt Rot, das erste Mal in seiner gesamten Karriere. Higuain zettert weiter, als Ronaldo kommt, schubst er ihn. Und dann kommen die Tränen.

Die Meinungen sind geteilt. Der ehemalige Nationalspieler Ciriaco Sforza sagt nach dem Spiel im Teleclub-Studio, der Schiedsrichter hätte es bei all diesen Emotionen sein lassen können, die Rote Karte zu zeigen. Ihm gegenüber sitzt Uli Forte, er ist der Meinung, ein Spieler mit dieser Erfahrung müsse sich im Griff haben. Cristiano Ronaldo verteidigt Higuain noch im Stadion, er finde, man müsse den Milan-Stürmer nicht noch mehr bestrafen. Higuain selbst entschuldigt sich bei den Fans, dem Trainer, den Kameraden. Aber er sagt auch: «Wir sind keine Roboter, auch wir haben Emotionen.»

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Voglio chiedere scusa a tutti per il comportamento avuto ieri in campo, ai miei compagni alla società , ai tifosi che da ieri mi stanno dimostrando ancor di più il loro affetto. Mi faccio carico delle mie responsabilità e farò il possibile perchè non ricapiti. ?????? #grazieatuttiperilsostegno ???????????? Quiero pedir disculpas a todos por el comportamiento de ayer de la expulsion , al equipo, a la sociedad , a los hinchas que a pesar de lo ayer me demuestran su cariño todo el tiempo. Somos personas tambien y tenemos sentimientos pero me hago responsable y espero que no vuelva a suceder. Algunos lo entenderan otros no . Igualmente pido disculpas a todos. Que tengan una linda vida.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2018, 11:05 Uhr

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