9:0

Grädel ist gelangweilt. Die Langeweile ist nicht das Problem, es ist etwas anderes.

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Langweile sei die Vorstufe der Depression, las Grädel neulich in einem Roman. Das hat ihn leicht verwirrt, ein wenig verängstigt gar, denn Grädel fand es eigentlich immer ganz schön, dem Nichts zu frönen. Auch war der Begriff eher positiv besetzt in Grädels Hirn. Lange Weile, nannte das Peter Bichsel, «wunderbar», sagte er dazu, wenn sich Grädel recht erinnern mag. Aber man muss auch sagen, dass nicht alle Menschen in allen Bereichen den Langmut und die Begabung des Solothurner Originals besitzen, Schatten in Licht zu verwandeln.

Grädel hat es versucht: Zweiter, toll, jemand muss ja Erster werden, und wenn Grädel in seinem kleinen Leben überall Zweiter geworden wäre, er würde jetzt von irgendeinem schönen Balkon seinen Blick über das Meer schweifen lassen. Genau: Was ist das Meer ohne Wellen, Langweile, ein Tümpel, nichts. (Hat Grädel auch irgendwo gelesen, in diesem Roman vielleicht?) Grädel hat sich wirklich Mühe gegeben, innerlich aufzuzählen, was der Zweite für ein Held ist. Aber Grädel schafft es nicht mehr. Eine Zahl, in den Nachrichten vernommen, eigentlich schon gewusst, aber wieder verdrängt: der 8. Titel in Folge. Glückwunsch? Er bleibt Grädel im Hals stecken wie ein Fischgrat. Grädel kann kaum mehr atmen – eben, Langweile, die Vorstufe der . . .

Andy Rihs hat ja mal mutig versucht (und ist kläglich gescheitert), denen in Basel einzureden, sie würden ganz alleine da oben in ein schwarzes Loch fallen. Aber wisst ihr was, Leute: Die freuen sich einfach in Basel und nutzen die Langweile für einen nächsten Sprung: Langweile, ja schon, hoffentlich, aber auch aufregendes Spiel, Entertainment. Man kann es sich in Basel leisten, über das Alltägliche hinauszudenken.

Und klar, Raphael Wicky ist vielleicht noch ein wenig unerfahren als Trainer, und klar, diese neue Führungs-Crew auch, es gäbe und gibt sicherlich viele Argumente, den Zusammenbruch der Basler Dynastie elegant zu begründen. Aber Grädel erstarrt schon wieder vor dieser Langeweile. In dieser Super League nervt sie einfach, sie nervt gewaltig. Ein Kollege von Grädel sagt, dass ein neuer Modus in der Schublade bereit liegt. Künstliche Spannung erzeugen also, Playoff oder so, ein Kunstgriff von aussen. 9:0 – für Basel.

(Der Bund)

Erstellt: 04.05.2017, 06:49 Uhr

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