100'000 Euro Strafe pro Tag?

Der Fall Ousmane Dembélé könnte für den Fussball weitreichende Konsequenzen haben. Gibt Dortmund nach, sind Verträge bald nichts mehr wert.

«Normalerweise kann der Verein jetzt gar nicht mehr anders, als diesen Transfer zu verhindern»: Laut einem bekannten Spielerberater hat Dembélé ein klassisches Eigentor geschossen.

«Normalerweise kann der Verein jetzt gar nicht mehr anders, als diesen Transfer zu verhindern»: Laut einem bekannten Spielerberater hat Dembélé ein klassisches Eigentor geschossen.

(Bild: Keystone)

Keine Personalie wird derzeit in Deutschland heisser diskutiert als die des 20-jährigen Supertalents Ousmane Dembélé. Das Verhalten des Franzosen, der erst im vergangenen Sommer von Stade Rennes für 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechselte, provoziert nun sogar die Kritik von Bundestrainer Joachim Löw. «Ich verurteile es ganz einfach, wenn ein Spieler, der einen Vertrag hat, in den Streik tritt und sagt, dass er den Verein wechseln will», sagte Löw bei Eurosport. «Das ist ein Unding. Dann sind die Verträge nichts mehr wert.»

Noch deutlicher äusserte sich Uli Hoeness, der Präsident des Dortmunder Erzrivalen Bayern München: «Einen Spieler zu veranlassen, nicht zum Training zu erscheinen – das ist unterste Kreisklasse. Diesen Preis zahle ich als Verein nicht. Und wenn da wirklich Barcelona dahintersteckt, dann habe ich keine Achtung mehr vor diesem Club.» Hoeness' Vorschlag an die Dortmunder ist eine empfindliche Busse gegen Dembélé: «Wir haben die Möglichkeit, für jedes Vergehen eine Strafe von bis zu einem Monatsgehalt einzuziehen. Für jeden Tag würde er von mir eine Geldstrafe von 100'000 Euro bekommen.»

Der FC Barcelona, der auch hinter Liverpools Philippe Coutinho her ist, möchte Dembélé sehr gerne verpflichten. Die von den Dortmundern geforderten 150 Millionen Euro Ablöse sind den Katalanen aber offenbar zu viel. Barça, im spanischen Supercup von Real Madrid klar geschlagen, steht auf dem Transfermarkt unter Zugzwang. Ohne den für 222 Millionen Euro nach Paris verkauften Neymar dürfte es ohne nahmhafte Zuzüge schwer werden, Real Paroli zu bieten.

Der Spielerberater Jörg Neblung kann verstehen, dass Dembélé nach Barcelona möchte. Wegen der sportlichen Perspektiven und wegen des Geldes. Dass der Star seinen Club regelrecht erpresst, kritisierte Neblung gegenüber Focus.de aber: «Damit schadet er allen Beteiligten, verschuldet langanhaltende Negativreaktionen und verstärkt den allgemeinen Verdruss der Fans.»

Dembélé habe in Dortmund erst vor einem Jahr einen Vertrag bis 2021 unterschrieben und müsse also bleiben, wenn der BVB das so wolle. «Normalerweise kann der Verein jetzt gar nicht mehr anders, als diesen Transfer zu verhindern, denn er will kein Exempel statuieren. Würde sich ein Profi erfolgreich zu einem anderem Verein streiken, wäre das wohl eine Art Worst Case.»

ak

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