Es bleibt schmierig im Fussball

Von Infantinos versprochener Transparenz ist bei der Fifa nichts zu sehen.

Witali Mutko während einer Pressekonferenz in Moskau. Bild: Sergei Karpukhin

Witali Mutko während einer Pressekonferenz in Moskau. Bild: Sergei Karpukhin

Ueli Kägi@ukaegi

Sogar in der höchsten Funktionärswelt, bei den Sesselklebern und Machtbesessenen, gibt es noch Überraschungen: Zwei Tage nach dem schon fast lächerlichen Rücktritt auf Zeit als Verbandspräsident der russischen Fussballer ist Witali Mutko als Cheforganisator der Fussball-WM zurück­getreten. Richtig. Und per sofort.

Offiziell hat sich der 59-Jährige zu diesem Schritt entschlossen, weil er sich auf die politischen Geschäfte konzentrieren will, Mutko ist als Vizeregierungschef die Nummer 3 hinter Wladimir Putin und Dimitri Medwedew. Diese Erklärung ist natürlich ein Witz. Tatsächlich haben auch Putin und die Fifa eingesehen, dass Mutko der Restwelt nach seiner Rolle beim Staats­doping nicht mehr zu vermitteln ist.

Sperre auch als Fussballfunktionär?

Mutkos Abgang als WM-Chef ist zwar gut für den Fussball und für den Sport. Es ist aber auch die viel zu späte Korrektur eines seit langem unhaltbaren Zustands. An Glaubwürdigkeit haben mit der Veränderung weder Russland noch die Fifa gewonnen. Die Russen zeigen sich nicht interessiert an einer Aufarbeitung ihrer jüngsten Doping-Geschichte. Einer wie der frühere Sportminister Mutko kann weiterhin dritthöchster Politiker seines Landes sein. Und Mutkos Ersatz in der WM-Organisation, Alexei Sorokin, ist auch dessen enger Vertrauter.

Die Fifa spielt seit Monaten eine schmierige Rolle. Staatsdoping mit Fussballern? Mutko in führender Rolle sowohl in Sotschi als auch im Fussball? Korruption? Während das Internationale Olympische Komitee Mutko ­lebenslang ausgeschlossen hat, zeigte sich Fifa-Präsident Infantino gern weiterhin russennah, der russische Fussballverband wird eben auch vor den nächsten Wahlen Meinungsmacher im Osten sein. Mutkos Rolle angezweifelt hat er öffentlich nie, stattdessen hat er sich für ihn starkgemacht und ist in Mutkos Privatjet mitgeflogen.

Die nach Infantinos Geschmack besetzte Ethikkommission lässt auch nichts verlauten, obwohl sie genug Gründe hätte für eine provisorische Sperre Mutkos als Fussballfunktionär. Von der Transparenz, die Infantino einst angekündigt hat, ist nichts zu sehen. Gar nichts.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt