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Ein Schweizer macht Freude

Das 50. Bieler Schachfestival verzeichnet einen neuen Rekord – leider nicht beim Geld.

Hat sich wacker geschlagen: Der Berner Noel Studer.
Hat sich wacker geschlagen: Der Berner Noel Studer.
Keystone

Immer schneller wippen die Füsse in seinen schicken Schuhen, die Zeit läuft ihm davon, und am Ende passiert das Unausweichliche: Erst verliert er einen Turm und dann die Partie. Der 20-jährige Berner Noel Studer muss am Grossmeister-Turnier von Biel weiterhin Lehrgeld bezahlen. Die Begegnung gegen Alexander Morozevich war von gutem Niveau, aber am Ende eben doch eine klare Sache für den Russen.

Nur ein paar Armlängen ist das Publikum, das inmitten der Meister und Amateure das Geschehen verfolgt, von den Grossmeistern entfernt. Keine Regung, keine Mimik bleibt da verborgen. Es ist diese Nähe, die das internationale Festival von Biel einzigartig macht. 746 Spielerinnen und Spieler haben in diesem Jubiläumsjahr in zehn Kategorien um bescheidenes Preisgeld und grosse Ehre gekämpft: ein neuer Rekord.

Dabei muss das zweitälteste Turnier Europas ums Überleben kämpfen. Die Stadt hat die Subventionen gekürzt. Auch in der Kultur und beim Sport. Statt 175'000 erhält der Anlass noch 125'000 Franken bei einem Budget von 300'000. Eine wacklige Sache zudem: Garantiert ist der Betrag immer nur für ein Jahr. Ein Antrag auf einen vierjährige Zyklus, der mehr Planungssicherheit bieten würde, ist bei der Stadtregierung hängig. Gerne verweisen die Organisatoren auf die Wertschöpfung ihres Anlasses. Rund 1000 Übernachtungen generiert er, und die umliegenden Restaurants profitieren davon, dass die Beiz im Kongresshaus Ferien macht und auf die Einnahmen aus dem Grossanlass verzichtet.

In den Blütezeiten, als die Grossbank CS Titelsponsor war, hatte man über eine Million zur Verfügung. Damals kamen die Besten der Besten. Davon profitiert Biel bis heute: Schachlegende Anatoli Karpow, dreifacher Sieger in Biel, hat das Turnier ins Herz geschlossen und ist in diesem Jahr für eine kleine Gage zu einem Blitzturnier angereist. Sogar die BBC kam, um zu berichten. Bessere Werbung gibt es nicht.

Ungeschlagener Schwyer

Das Format mit zehn Teilnehmern bewährt sich: Die Partien der Grossmeister sind spannend, die Risikobereitschaft ist hoch, es gibt weniger taktische Remis als bei einem kleineren Teilnehmerfeld.

Yannick Pelletier, Turnierdirektor, analysiert mit Grossmeisterkollege Joe Gallagher im Foyer des Kongresshauses die Partien. Alles wird online übertragen, rund 10 000 schauen weltweit zu, wie der zweite Schweizer Grossmeister des Turniers abermals überrascht. Nico Georgiadis trotzt dem Ungarn Peter Leko ein Unentschieden ab. Der erst 21-jährige Schwyzer hat noch keine Partie verloren und darf sich Hoffnungen auf einen Podestplatz machen. Allerdings müsste er dafür heute wohl die einzige Dame im Feld schlagen: die Chinesin Yifan Hou, Weltnummer 1 bei den Frauen und bis vor dieser letzten Runde Tabellenführerin. Hinter sich gelassen hat Georgiadis schon mal David Navara. Der Tscheche ist die Enttäuschung des Turniers. Als Weltnummer 21 ist er auf dem Papier der stärkste Spieler im Feld – und hat erst eine einzige Partie gewonnen. Biel.

50. internationales Schachfestival. Grossmeisterturnier. 8. Runde: Alexander Morosewitsch (RUS) - GM Noël Studer (CH/Muri/BE) 1:0. GM Etienne Bacrot (FRA) - GM David Navara (CZE) remis. GM Ruslan Ponomarjow (UKR) - GM Pentala Harikrishna (IND) 0:1. GM Rafael Waganjan (ARM) - GM Hou Yifan (CHN) 0:1. GM Nico Georgiadis (CH/Schindellegi) - GM Peter Leko (HUN) remis. Rangliste. 1. Yifan und Harikrishna je 5,5. 3. Georgiadis, Bacrot und Morosewitsch je 5. 6. Leko und Ponomarjow je 4. 8. Navara 3. 9. Waganjan 2. 10. Studer 1. Partien der letzten Runde von heute (ab 11 Uhr). Studer - Ponomarjow, Yifan - Georgiadis, Harikrishna - Bacrot, Leko - Morosewitsch, Navara - Waganjan.

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