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6 Gründe für das Hockey-Halleluja

Was für eine Meisterparty! Der SC Bern holt sich den Titel. Redaktion Tamedia sagt, wie dieses Kunststück gelang.

Da gibt es im eigenen Stadion kein Halten mehr: Bern feiert sein Team euphorisch.

Es ist geschafft: 16 Jahre nachdem in der National League A zum letzten Mal ein Club den ­Titel erfolgreich verteidigt hatte, erzwang auch der SCB dieses Kunststück. 16 Jahre nach dem ZSC krönten die Berner am Ostermontag eine Saison, die sie dominiert hatten. Sie gewannen die Qualifi­kation, sie triumphierten im Playoff. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, die ans Unheimliche grenzt. Der 15. Meistertitel des SCB schien lange vor dem entscheidenden Finalspiel fast unvermeidbar.

1. Drei wichtige Wechsel Das ist bemerkenswert, denn der Club mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas hatte vor der Saison so tiefgreifende personelle Änderungen vorgenommen wie kein Meister seit Lugano 2006. Hatte den Trainer gewechselt, den Goalie, den Center der ersten Linie. Kurz: hatte sich genau nicht verhalten wie ein Team, das seinen Besitzstand wahren will – sondern wie eines im Aufbruch. Und das war eines seiner Erfolgsgeheimnisse.

2. Trainer, Goalie, Center – alle müssen sich beweisen Zugegeben: Diese Wechsel waren nicht nur strategischer Weitsicht geschuldet, sondern auch von den Umständen erzwungen. Als Kari Jalonen im Winter 2016 als künftiger Trainer verpflichtet wurde, kämpfte der SCB noch ums Playoff, war Lars Leuenberger kein Meistercoach, sondern Zwischenlösung. Dass Nationalgoalie Leonardo Genoni für seinen Wechsel ins Unterland Bern wählte, lag auch daran, dass zuvor Kloten im letzten Moment einen Rückzieher gemacht hatte. Einzig die Unterschrift von Mark Arcobello erfolgte erst nach dem Titelgewinn 2016.

Das führte zur seltenen Konstellation, dass drei Schlüsselfiguren eines Meisterteams alle etwas zu beweisen hatten. Jalonen, einer der erfolgreichsten Trainer der finnischen Geschichte, in einer neuen, für Coaches notorisch schweren Liga. Genoni, der erstmals ausserhalb von Davos die Nummer 1 war. Und Arcobello, der in Nordamerika in den vorangegangenen zwei Jahren als menschliche Manövriermasse für sechs Teams gespielt hatte.

3. Bestwerte, wo man hinschaut Sie alle hatten etwas zu beweisen, und sie alle taten das eindrücklich. In der Qualifikation, wo der SCB die zweitmeisten Tore schoss und die wenigsten erhielt. Wo Genoni die beste Fangquote und den besten Gegentorschnitt auswies. Wo Arcobello Ligatopskorer und MVP wurde. Und im Playoff, wo der SCB in 10 von 16 Spielen nicht mehr als einen einzigen Treffer in 60 Minuten kassierte, mit total 55:28 erzielten Toren beinahe doppelt so erfolgreich war wie seine Gegner.

Video – kann Feiern schöner sein?

Hier dreht grad ein ganzes Stadion durch: Meisterparty im Hexenkessel von Bern.

4. Das Team überzeugte Natürlich war der SCB 2016/17 kein 3-Mann-Team. Der Kanadier Andrew Ebbett zeigte erneut sein bestes Hockey in den wichtigsten Wochen; der scheidende Martin Plüss glänzte auch als 40-Jähriger mit starkem Zweiwegspiel; Ramon Untersander präsentierte sich als überragender Offensivverteidiger; Thomas Rüfenacht gelang an Arcobellos Seite der nächste Schritt vom Provokateur zum offensiven Leistungsträger.

5. Krisenfrei durch die Saison Sie alle gehörten zum Kern des Teams, auf das sich Jalonen ausgiebig stützte. Zwar wäre das Berner Kader durchaus breit genug gewesen, um die Eiszeit ausgeglichener zu verteilen. Doch der Trainer hatte andere Vorstellungen und ­ordnete diesen alles unter. Erklärungen gab der ehrgeizige Finne nur selten und in zunehmend humoresker Knappheit. Dafür hatte seine Mannschaft stets eine taktische Antwort bereit, kam praktisch ohne Krise durch die Saison und liess sich zuletzt auch von zwei Overtime-Niederlagen im Final nicht beirren. Kein Zweifel: Der SCB hat sich seine Titelverteidigung durch und durch verdient.

6. Absolute Professionalität Dabei waren der Trainer aus Finnland, der Goalie aus Kilchberg und der Topskorer aus den USA nicht nur auf dem Eis massgebend. Alle drei sind eher introvertiert und verkörpern mit ihrer Detailversessenheit perfekt jene Professionalität, welche ihren Club auf allen Ebenen prägt. Das zeigt sich im Sport, indem Bern zum Beispiel als sechsten Ausländer einen Goalie holt für den Fall, dass sich Genoni verletzt. Und es zeigt sich in der Wirtschaftlichkeit, wo der SCB dank der Verbindung von Zuschauern, Gastronomie und Sponsoring längst landesweites Vorbild ist.

Für die Konkurrenz ist der 15. Meister­titel des SCB darum ein erfreuliches ­Signal. Weil er zeigt, dass gute Arbeit belohnt wird. Weil es in der NLA nach dem vierten Berner Titel in acht Jahren nun eine Hierarchie mit klarer Rollenverteilung gibt. Und weil die Spannung trotzdem erhalten bleibt: Ein Alleingang wie bei den Fussballern des FC Basel ist nicht zu befürchten, da das Gefälle hinter dem gejagten Meister weniger steil ist – und am Ende sowieso das Playoff entscheidet. Dass diesmal alles ganz selbstverständlich wirkte, bleibt die stärkste Erinnerung an den SCB 2016/17.

Fotos – aus der Ferne verfolgte Bern das Meisterspiel:

Um ungefähr 1.45 Uhr betraten die Meister das Podest in der Postfinance-Arena, angeführt von Thomas Rüfenacht mit Zigarre.
Um ungefähr 1.45 Uhr betraten die Meister das Podest in der Postfinance-Arena, angeführt von Thomas Rüfenacht mit Zigarre.
Andreas Blatter
Dann liessen die SCB-Spieler die Korken knallen.
Dann liessen die SCB-Spieler die Korken knallen.
Andreas Blatter
Vor Anpfiff bildeten sich lange Schlangen vor den Kassenhäuschen des Eishockey-Stadions in Bern
Vor Anpfiff bildeten sich lange Schlangen vor den Kassenhäuschen des Eishockey-Stadions in Bern
Martin Bürki
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