Der Meister steht im Regen

Der SC Bern gibt gegen Zug eine 3:0-Führung preis und verliert 4:5 nach Penaltys. Die Meisterschaftspause verbringt der Titelverteidiger unter dem Strich.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Es gibt Leute, die reisen in 180 Tagen um die Welt. Und es gibt Eishockeyteams, die werden in 196 Tagen von Playoff-Finalisten zu einer Horde Verunsicherter.

Am 20.April bezwang der SC Bern den EV Zug 2:1 und gewann den 16.Meistertitel. Am Samstag kehrte der EVZ in die Postfinance-Arena zurück. So viel vorneweg: Die Begegnung hatte einen deutlich höheren Unterhaltungswert als jene im Frühling. Weil in allen Zonen offensichtlich wurde, dass es beidseits an Struktur, vor allem aber an Selbstvertrauen fehlt. Bern führte schnell 3:0. Fortan erhielten die Zuger im Konterspiel freies Geleit. Auf diese Weise gelangen ihnen drei Treffer – deren zwei in Unterzahl. Letztlich reüssierten die Gäste 5:4 nach Penaltyschiessen.

Die Nationalmannschaftspause kommt jedenfalls beiden Teams gelegen. Für Zug gilt es, die Balance zu finden, während beim Meister einiges mehr im Argen liegt. Immerhin könnte der eine oder andere Verletzte nach der Pause zurückkehren. Neuerdings fällt auch Grassi aus. Dem Tessiner brach am Freitag in Lausanne das Schlüsselbein.

Zurück zum Vergleich der Finalisten mit verblasstem Glanz. Da zeigten die Berner zu Beginn ihr vielleicht bestes Drittel der Saison. Vor allem Praplan schien gewillt, das Malaise zu vertreiben. Der Flügel war zuvor mit markigen Worten aufgefallen, hatte von «zu wenig Leben auf der Bank und auf dem Eis» gesprochen. Seine ersten Aktionen wirkten für das Heimteam ebenso belebend wie befreiend: Er checkte, lenkte nach 66 Sekunden zum 1:0 ab, legte in der nächsten Szene für Torschütze Berger auf. Und so hatte Zug-Coach Tangnes bereits nach zweieinhalb Minuten genug gesehen. Er nahm sein Time-out. In der Folge agierten die Gäste stabiler, konnten aber nie kaschieren, dass auch sie nach vier Niederlagen in den letzten fünf Partien weit von den Ansprüchen entfernt sind.

Nach einem Missverständnis zwischen Leuenberger und Zryd kombinierten sich Scherwey und Ebbett zum 3:0. Das Publikum, welches vor dem Spiel an den Stolz der Spieler appelliert hatte, war zu stehenden Ovationen bereit. Einen Moment später hiess es: Platz nehmen. Burren verlor den Zweikampf gegen Klingberg, der Schwede verkürzte. Flüchtig wie Gas entwich das Selbstvertrauen beim Heimteam. Was Bern im Mitteldrittel bot, lässt sich selbst mit fehlender Sicherheit und vielen Verletzten nicht mehr begründen. Der SCB liess Konter um Konter zu, war vor allem im Powerplay von der Rolle, liess zwei Shorthander zu. Stürmer Rüfenacht sagte: «Dumm, blöd – es gibt viele Wörter, die zu unserem Verhalten passen.»

Apropos: Bei Klingbergs 3:3 sass Zug-Verteidiger Morant mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe in der Garderobe – er hatte Arcobello von hinten mit ausgefahrenem Ellbogen in die Bande gecheckt, war aufgesprungen. Der Ausschluss blieb ohne Konsequenzen für seine Mitspieler. Auch, weil Bern im Schlussdrittel neben Scherweys 4:3 zweimal die Torumrandung traf, Kovar in letzter Minute ausglich.

Und so wächst der Unmut im und um den SCB. Rüfenacht sagte: «When it rains, it pours», was soviel bedeutet wie: Ein Unglück kommt selten allein. Dann sagte er noch: «Nun regnet es heftig. Diesen Sturm müssen wir überstehen.»

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