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Der Coup im Dopingkampf

Russlands Staatsdoping dürfte dank neuer Daten belegbar sein.

«Tausende Athleten um Siege gebracht»: Russlands Staatsdoping lässt sich wohl endgültig belegen. Bild: AP Photo/Matthias Schrader
«Tausende Athleten um Siege gebracht»: Russlands Staatsdoping lässt sich wohl endgültig belegen. Bild: AP Photo/Matthias Schrader

Seit einer Woche halten die internationalen Dopingbekämpfer die Sensation in ihren Händen. Sie mussten den Schatz aber erst verifizieren. Am Freitag waren sie sich sicher genug, an die Öffentlichkeit zu gehen: Sie besitzen Schlüsseldokumente, womit sich das Staatsdoping von Russland wohl ­endgültig belegen lässt. Die Daten stammen aus dem Kontroll­labor von Moskau und um­fassen die Jahre 2012 bis 2015. Darin ist jeder Test aufgelistet, den die ­Russen in diesem Zeitraum bei ihren Athleten durchführten. Die Ergebnisse dokumentieren folglich den tatsächlichen Verseuchungsgrad im russischen Elitesport.

Der russische Elitesport scheint am eigenen Ehrgeiz zugrunde zu gehen – und seiner Systematik.

Aufgrund dieser Tests entschied das russische Sportministerium, wie mit überführten Athleten umzugehen sei. Sollten Doper geschützt werden, mussten Labormitarbeiter diese Kontrollen ins Negative drehen – sie in der gemeinsamen Datenbank aller Dopingbekämpfer als unauffällig melden. Nur in diese Datenbank hatten die Antidopingkämpfer der Weltagentur bislang Einsicht.

Warum diese neuen Informationen wegweisend sein dürften? Zwar hatte eine von der Wada eingesetzte Kommission den Staatsansatz vor einem Jahr aufgezeigt. Bloss scheinen diese Belege juristisch nicht zu reichen, um den russischen Sport kollektiv zu verurteilen und zu bestrafen. Darum klärt für das mächtige Internationale Olympische Komitte (IOK) eine Sonderkommission unter dem früheren Bundesrat Samuel Schmid seit Wochen ab, ob ausreichend Beweise für eine solche Kollektivstrafe vorliegen. Bislang gingen die vielen Kritiker des IOK davon aus, dass dieses eine flächendeckende Bestrafung Russlands unter allen Umständen vermeiden will – und darum einen Einzelansatz verfolgt. Also nur dort sanktioniert, wo die juristische Handhabe unbestreitbar ist. Entsprechend hat das IOK dann von Fall zu Fall zu entscheiden. Nun scheint der russische Elitesport am eigenen Ehrgeiz zugrunde zu gehen. Schliesslich kann nur systematisch dopen, wer diesen kolossalen Betrug plant, protokolliert und kontrolliert. Was aber Spuren hinterlässt, die es erst ermöglichen, das Manipulieren aufzudecken.

Warum diese Schlüsselinformationen erst jetzt zu den Dopingbekämpfern fanden, ist auch mit der aktuellen Situation im Russland-Fall zu erklären: Nach den bahnbrechenden Erkenntnissen der Wada-Ermittler schien es ab 2016 klar, dass Russland innert nützlicher Frist vom internationalen Sport ausgeschlossen würde. Bloss waren die meisten Sportverbände nicht im Geringsten an einem solchen Ausschluss interessiert – bis jetzt.

Ranglisten neu schreiben

Für das IOK wiederum drängt die Zeit: Im Februar finden die Olympischen Winterspiele statt. Anfang Dezember will das IOK im Fall von Russland entscheiden. Nun dürfte die Wende abrupt und vorhersehbar sein: Eine lange Sperre der Russen – weit über Olympia hinaus. Dann müssten auch alle Wettkämpfe mit russischer Beteiligung zwischen 2012 bis 2015 angepasst werden.

Was wir im internationalen Topsport zuletzt erlebt haben, dürfte eine Realität mit Sternchen sein. Es besagt: Was war, war unwahr. Tausende von ehrlichen Athleten wurden um Siege, Geld oder einfach den Lohn von viel Schweissarbeit gebracht. Die Rang­listen jener Zeit kann man wegwerfen.

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